rbb: Für wie realistisch halten Sie die Hoffnungen der Menschen im Iran?
Badenberg: Ich habe keine Glaskugel. Ich weiß natürlich nicht, was die nächsten Schritte der Amerikaner, der Israelis oder der internationalen Gemeinschaft sein werden. Leider habe ich die Befürchtung, dass sich alles auf den Atomdeal beschränkt und dass die Situation der Menschen im Land eigentlich zweitrangig ist. Meine Sorge ist, dass man die Atomanlagen vernichtet, sich dann zurückzieht und die Menschen der nächsten Generation von Unterdrückern überlässt.
Es ist ja nicht so, dass Ali Chamenei keine Anhänger und Handlanger hatte. Seine Unterstützer haben dieses System jahrelang getragen und das werden sie auch weiterhin tun. Experten zufolge mag das mittlerweile eine Minderheit sein. Aber diese Minderheit ist bis an die Zähne bewaffnet und kennt keine Skrupel. Sie wird jeden, der sich ihr in den Weg stellt, aus dem Weg räumen. Das haben wir in den letzten Wochen und Monaten gesehen.
Natürlich ist der Zuspruch für dieses System stark zurückgegangen. Selbst Menschen, die die Zustände lange hingenommen haben, konnten sich nicht vorstellen, wie brutal das System sein kann. Eine Freundin erzählte mir, sie sei auf der Straße gewesen, als sie eine kleine Menschenmenge gesehen hat, die einfach nur „Freiheit“ gerufen hat. Dann fielen Schüsse. Einem jungen Mann, so erzählte sie, wurde ins Gesicht geschossen. Auf offener Straße. Er hat nur nach Freiheit gerufen. Was in den Gefängnissen passiert, ist nicht für jedermann sichtbar. Aber was auf offener Straße passiert, haben viele gesehen und gehört. Und jeder kennt jemanden, der in den letzten Wochen und Monaten ermordet wurde. Das hat sehr vielen Menschen, die das System bislang geduldet haben, die Augen geöffnet.
Aber jetzt haben viele die Sorge, dass nach dem Rückzug der Amerikaner und Israelis die Revolutionsgarde kommt, um sich am Volk zu rächen. Das System wird dadurch nicht besser. Möglicherweise wird das neue System, das neue Staatsoberhaupt, „die Zügel noch einmal anziehen“, damit eine solche Protestwelle künftig gar nicht mehr entstehen kann. Meine Freundin sagte zu mir: Ihr dürft nicht zulassen, dass wir alleingelassen werden mit diesen Mördern.