Musikalische Einlage zu Beginn – Johann Sebastian Bachs Praeludium C-Dur strömt aus Renate Massmanns Händen. Die klaren Akkorde scheinen in den weiten Fensterblick über die bergischen Höhen überzugehen. Am Tisch, wo die Gastgeberin meisterlich Tee serviert hat, wird nicht nur gesprochen, sondern auch korrespondiert und gelesen, auch bis tief in die Nacht. Gerade 90 geworden, ist die ehemalige leitende Ärztin des Vereins Lebenshilfe Wuppertal und Ehrenpräsidentin der Gedok unwahrscheinlich vital. Noch Ende Januar ist sie schnell nach Hamburg, um am Senatsempfang zum hundertjährigen Jubiläum des Bundesverbandes teilzunehmen. Hat sie jemals überlegt, aus Wuppertal wegzuziehen? „Wir hatten hier immer unser Standing”, sagt sie, ihr Mann Helmut Massmann leitete als Chefarzt die internistische Abteilung am Agaplesion Bethesda Krankenhaus. „Ich liebe diese Stadt.” Und: „Mein Leben ist Lebenshilfe und ich bin dankbar für das Leben, das kann ich sagen, aber ich habe auch viel Glück gehabt.” Dass zum Glück Fleiß gehört, beweist ihr Lebenswerk.