
In Teilzeit arbeiten – das ist vor allem bei Frauen nach Berufspausen eher die Regel als die Norm. Aber lohnt es sich auch, wieder in den Beruf zurückzukehren? Die Fakten sprechen für viele dagegen.
Berufspause – und was kommt danach? Eine Frage, die sich vor allem Frauen stellen, wenn sie in den Beruf zurückkehren, etwa nach langen Kindererziehungszeiten. Aber lohnt sich das Ganze auch?
Kaum Netto vom Brutto – Ehegattensplitting bremst aus
Das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist ernüchternd. Wie das DIW in der Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung schreibt, entscheidet sich jede zweite teilzeitbeschäftigte, verheiratete Frau zwischen 45 und 66 Jahren gegen eine Ausweitung der Arbeitszeit, weil es sich für sie finanziell nicht lohnt.
Ausgebremst würden sie besonders durch das Ehegattensplitting. Das Ehegattensplitting ist ein Steuervorteil für Ehepaare. Dabei werden die Einkommen der Partner zusammengerechnet und besteuert, als hätte jeder die Hälfte verdient.
Dadurch sinkt der Steuersatz teils deutlich, wenn einer der Partner deutlich mehr verdient als der andere – mehrheitlich sind das die Ehemänner, die meist auch der Hauptverdiener in einer Partnerschaft sind. Bliebe vom Zusatzverdienst mehr Netto übrig, könnten sich insbesondere Frauen mit Minijobs vorstellen, Vollzeit zu arbeiten.
175.000 neue Vollzeitstellen möglich
Die Umfrageergebnisse machen auch deutlich, welches Potenzial eine Reform des Ehegattensplittings allein in der Gruppe der Ehefrauen ab 45 Jahren entfalten könnte, hieß es.
So könnte nach Berechnung des DIW die Erwerbsquote um knapp 1,5 Prozentpunkte wachsen und damit der Umfang der Arbeitsstunden um drei Prozent steigen. Zusammen ergäbe das eine Zunahme des Arbeitsvolumens von knapp fünf Prozent, was 175.000 zusätzlichen Vollzeitstellen entspräche.
Für die DIW-Studie waren im vergangenen Juni 3.788 Frauen ab 45 Jahren online befragt worden: zu Familienstand, Bildungsabschluss sowie den Gründen, warum sie ihren Beruf aufgegeben oder einen Minijob haben und unter welchen Bedingungen sie Vollzeit arbeiten würden. Auf der Basis wurden die gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungseffekte hochgerechnet.
Realsplitting als Lösungsansatz?
Die Bertelsmann Stiftung bringt derweil für Steuermodell „Realsplitting“ in die Diskussion ein. Deren Arbeitsmarktexperte, Eric Thode, verweist auf Vorschläge von Ökonomen:
„An die Stelle des Ehegattensplittings sollte das Realsplitting treten. Damit wäre ein übertragbarer Grundfreibetrag analog zum aktuellen Unterhaltsrecht gewährleistet“, sagte er. Das würde die hohe Steuerbelastung von zusätzlichem Arbeitseinkommen reduzieren und die Aufnahme beziehungsweise Ausweitung einer Beschäftigung attraktiver machen.
Aber bei individuellen Entscheidungen sind nicht immer nur die finanziellen Auswirkungen allein entscheidend. Mehr Netto vom Brutto sei ebenso ein Grund für Vollerwerbstätigkeit wie gute Arbeitsbedingungen und eine gleichberechtigte Aufteilung in der unbezahlten Sorgearbeit, so Stiftungsexpertin Michaela Hermann.