Etwa 250 Bürgerinnen und Bürger, darunter viele Schülerinnen und Schüler, haben am Donnerstag (5. März) in der Innenstadt gegen die neuen Bestimmungen zur Wehrpflicht demonstriert. Die Kundgebung begann auf dem Burgplatz und zog dann über die Schützenbahn, das Südostviertel bis nach Rüttenscheid. Die Demonstranten zogen dabei an vielen weiterführenden Schulen vorbei. Angekündigt worden war die Demo als „Schulstreik“.
Erste Demo gab es im Dezember

Schon im Dezember waren in Essen etwa 1000 Schülerinnen und Schüler auf die Straße gegangen, um gegen die neue Wehrpflicht zu demonstrieren. Bundesweit erhalten alle 18-Jährigen einen Fragebogen, um zu ermitteln, wie viele junge Männer derzeit bereit wären, einen Wehrdienst zu absolvieren. Junge Frauen erhalten den Fragebogen auch, müssen ihn aber nicht ausfüllen. Am Donnerstag gingen die Demonstranten auf die Straße unter dem Motto „Gegen Wehrpflicht und alle Zwangsdienste“.
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Schülerinnen erklären, warum sie mitgehen
Zwei Schülerinnen, beide 15 Jahre alt, erzählen: „Der Wehrdienst ist ein krasser Einschnitt ins Leben und es wurde viel diskutiert, aber nicht mit den Betroffenen. Und wenn doch, dann wurden sie nicht ernst genommen.“ Eine von ihnen betont: „Mir ist wichtig, selbst entscheiden zu können und dass es keinen Zwang gibt, jemanden zu töten.“ Eine Mitschülerin (16) ergänzt: „Ich finde, die Wehrpflicht ist keine Lösung für die Unterbesetzung der Bundeswehr. Man soll selbst entscheiden können und nicht gezwungen werden.“

72-Jähriger unter den Demonstranten
Zu den älteren Besuchern des Streiks gehört Hans Rommel (72): „Ich habe die Wehrpflicht noch selbst miterlebt. Das war ziemlich krass, deswegen bin ich heute hier. Mein Vater war Frontsoldat im Krieg, er hat es glücklicherweise überlebt. Ich selbst bin pazifistisch erzogen worden. Mein Vater hat mit 90 Jahren noch Aufklärungsarbeit an Schulen geleistet.“