TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen
Plötzlich wird jede Mahlzeit zum Drama. Der Teller bleibt voll. Das Kind rührt nichts an. Eltern stehen ratlos daneben. Was wie wählerisches Essen aussieht, kann eine ernsthafte Essstörung sein: ARFID.
ARFID steht für „Avoidant Restrictive Food Intake Disorder“. Gemeint ist eine vermeidende oder stark eingeschränkte Nahrungsaufnahme. Betroffene Kinder essen nur sehr wenig oder nur ganz bestimmte Lebensmittel. Oft beides.
Ekel, Angst oder völlige Ablehnung
Anders als bei Magersucht oder Bulimie geht es nicht um Gewicht oder Figur. Das Aussehen spielt keine Rolle. Das Problem ist das Essen selbst, wie FITBOOK berichtete.
Manche Kinder reagieren extrem auf Geruch oder Konsistenz. Andere fürchten sich vor dem Verschlucken oder Erbrechen. Wieder andere verlieren komplett das Interesse am Essen.
Am Ende bleibt oft nur eine kleine Auswahl an Lebensmitteln. Alles andere wird gemieden – teils schon beim bloßen Anblick.
Beginn meist im Kindesalter
Erste Auffälligkeiten zeigen sich häufig früh, etwa wenn neue Speisen eingeführt werden. Während sich normales wählerisches Verhalten legt, bleibt es bei ARFID bestehen und verstärkt sich oft. Wichtig: ARFID ist nicht an Untergewicht gebunden. Entscheidend ist, wie stark Essen mit Stress, Angst oder Ekel verbunden ist.
Mehr als „picky eating“
Viele Kinder essen phasenweise einseitig. Sie mögen Nudeln, aber kein Gemüse. Das ist meist harmlos. Bei ARFID leidet jedoch der Alltag. Geburtstage oder Klassenfahrten werden gemieden, weil Essen überall eine Rolle spielt. Genau deshalb wird die Störung oft spät erkannt.
Schätzungen zufolge sind 5 bis 14 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit einer Essstörung von ARFID betroffen.
Diagnose und Folgen
Erst 2013 wurde ARFID als eigenständige Erkrankung beschrieben, seit 2022 ist sie international klassifiziert. In Deutschland wird sie oft noch unter sonstigen Essstörungen erfasst.
Fehlen wichtige Nährstoffe, drohen Eisen- oder Vitaminmangel und Wachstumsprobleme. Auch die Psyche leidet. Viele Kinder wirken angespannt oder ziehen sich zurück.
Therapie mit Familie
Ärzte stellen die Diagnose nach klaren Kriterien und schließen andere Ursachen aus. Häufig hilft eine kognitive Verhaltenstherapie. Kinder bauen dabei Schritt für Schritt Ängste ab und nähern sich neuen Lebensmitteln.
Bestehen Mängel, ergänzt eine medizinische Betreuung die Therapie. Eltern werden meist einbezogen, weil ARFID das gesamte Familienleben prägt.