Bielefeld. Zwischen kleinen, handbeschrifteten Tütchen liegt sie unscheinbar auf dem Tisch: die Petersilienerbse. „Die sollte man jetzt aussäen“, sagt Heidi Lorey und hebt eine Handvoll Samen hoch. Kaum noch zu finden, und gerade solche Schätze stehen im Zentrum der 14. Saatgutbörse.
Zum nahenden Frühlingsanfang lädt Transition Town Bielefeld in Kooperation mit der Volkshochschule Bielefeld in die VHS ein. Im Historischen-Saal und im Murnau-Saal herrscht dichtes Gedränge. Gärtner, Selbstversorger und Neugierige beugen sich über Tische, vergleichen Sorten, fachsimpeln über Anzucht und Ernte. Hier wird nicht nur gekauft. Hier wird getauscht, beraten und diskutiert.
Ob Gemeinschaftsgarten im Mietshaus, Schrebergarten oder Balkon: Die Börse richtet sich an alle, die selbst anbauen möchten. Besucherin Corinna engagiert sich in einem Gartenprojekt ihres Mietshauses. „Mit etwas Glück haben wir dort Hochbeete aufstellen dürfen“, erzählt sie. „Dieses Jahr freue ich mich besonders auf Erbsen.“ Diese sollten bereits im März ausgesät werden. Auch Radieschen, Salat und Spinat können jetzt in die Erde, während Tomaten schon auf der Fensterbank vorgezogen werden.
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Petersilienerbsen – mittlerweile Exoten unter den Schoten
Heidi Lorey berät an ihrem Stand des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN). Die Petersilienerbse sei eine urheimische Kulturpflanze und eigne sich gut für heutige Gärten in Ostwestfalen, erklärt sie. Früher weitverbreitet, sei sie heute kaum noch auf Märkten zu finden. „Sie lässt sich vielseitig in der Küche einsetzen“, sagt Lorey.
Organisiert wird die Saatgutbörse von Michael Motyka. Ziel sei die Erhaltung und Förderung des Wiederanbaus alter Kultursorten. „Wir wollten die alten Sorten erhalten“, sagt er. Ein Problem sei hybrides Saatgut, das nicht sortenrein weitervermehrt werden könne. Alte, samenfeste Sorten dagegen ließen sich immer wieder nachziehen. „Im Supermarkt gibt es vielleicht zwei oder drei Sorten Tomaten. Hier finden Sie eine riesige Vielfalt.“ Genau diese Vielfalt soll nicht verloren gehen. Auch selbst geerntetes Saatgut aus den Transition-Town-Gemeinschaftsgärten wird gegen Spende abgegeben; mitgebrachtes Saatgut, Knollen und wurzelnacktes Beerenholz können von privaten Gärtnern aus der Region getauscht oder verschenkt werden.
Die Resonanz ist groß. Neben Bio-Saatgut werden auch Kartoffeln angeboten. Besonders gefragt ist in diesem Jahr die Sorte „Cayenne“, berichtet Walter Radebeuld vom Hof Jeebel. Die festkochende Knolle gilt als aromatisch und vielseitig verwendbar.
Kartoffelvielfalt vom Hof Jeebel: Korinna Bülow und Daniela Schilwat vor der Auswahl.
| © Barbara Franke
Erfahrene Gärtner bringen eigenes Saatgut mit und tauschen es untereinander. Wer noch wenig Erfahrung hat, kann sich an den vielfältigen Informationsständen beraten lassen und Samen direkt vor Ort erwerben. Besucher Johan etwa sagt: „Ich weiß noch nicht, was ich dieses Jahr anbauen soll.“ Auf der Börse sucht er nach Inspiration und wird zwischen Erbsen, Bohnen und Tomaten vielleicht fündig.
