
marktbericht
Nach einem Tag des Aufatmens gestern ist heute die Angst an den Finanzmärkten zurück. Steigende Ölpreise und weitere Kriegshandlungen im Nahen Osten ließen den DAX erneut unter 24.000 Punkte fallen.
Der deutsche Aktienmarkt ist im Angesicht des Iran-Krieges heute wieder deutlich gefallen, der DAX schließt am Ende mit einem Minus von 1,6 Prozent bei 23.815 Punkten. Die gestrige Erholung ist damit nahezu aufgezehrt, gestern hatte der deutsche Leitindex noch 1,7 Prozent auf 24.205 Punkte zugelegt.
Belastend auf den deutschen Leitindex wirkte die anhaltende Saison der Quartalsbilanzen, die hierzulande gerade in vollem Gange ist. Der Logistikriese DHL gab einen verhaltenen Ausblick für 2026, der Kurs fiel daraufhin als größter DAX-Verlierer zeitweise um mehr als vier Prozent.
Auch bei dem Darmstädter Pharma- und Technologiekonzerns Merck enttäuschte der Ausblick für 2026 die Investoren, die Aktien fielen im DAX nach anfänglichen Gewinnen um zeitweise bis zu drei Prozent. Merck stellt sich im laufenden Jahr wegen des Patentverlusts für ein wichtiges Medikament und starker Währungseffekte auf einen Ergebnisrückgang von bis zu zehn Prozent ein.
Größter Unsicherheitsfaktor bleibt aber weiterhin die Lage im Nahen Osten, die Verunsicherung durch den Iran-Krieg sei am Gesamtmarkt einfach zu groß ist, meint Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank: „Die aus dem Iran-Krieg resultierende Schwankungsintensität der Kurse wirkt in beide Richtungen.“ Kursgewinne, wie sie der DAX gestern und auch an diesem Morgen verzeichnen konnte, sind daher eher eine Momentaufnahme.“
Die Entwicklungen im Krieg der USA und Israels gegen den Iran veranlassen die Händlerinnen und Händler aktuell erneut dazu, Risiken zu begrenzen. Denn der noch keine Woche alte Iran-Krieg zieht immer weitere Kreise: Eine ballistische Rakete fliegt Richtung NATO-Land Türkei, Israel greift weiter Hisbollah-Stellungen im Libanon an, in den Golfstaaten gibt es Drohnen-Attacken auf zivile Ziele, und die USA versenken vor Sri Lanka ein iranisches Kriegsschiff.
Der internationale Schifffahrtsektor hat den Persischen Golf, den Golf von Oman und die Straße von Hormus nun offiziell zum Kriegsgebiet erklärt. Nach Angaben der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) der Vereinten Nationen sitzen rund 20.000 Seeleute infolge des Iran-Krieges im Persischen Golf fest.
Zunehmend treten die Spannungen an den Energiemärkten in den Vordergrund. So versucht China, Kraftstoff zu sparen, und japanische Raffinerien fordern die Freigabe strategischer Erdölreserven.
Die Öl- und Gaspreise sind erneut gestiegen, Rohöl der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai wurde bei 84,02 US-Dollar je Barrel (159 Liter) gehandelt. Das sind gut drei Prozent mehr als am Vortag. US-Leichtöl WTI verteuerte sich um 4,4 Prozent. Das Plus seit Wochenbeginn liegt für Brent und WTI damit bereits bei insgesamt rund 16 Prozent. Davon profiteren die Energiekonzernen wie Valero und Cheniere, deren Aktien um rund zwei und ein Prozent zulegten.
Dabei bleibt die Straße von Hormus, durch die ein großer Teil des globalen Ölhandels verläuft, die Hauptsorge des Marktes. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist nahezu zum Erliegen gekommen. Zuletzt meldeten iranischen Revolutionsgarden einen Angriff auf einen Öltanker im Norden des Persischen Golfs. Die Revolutionsgarden erneuerten zudem ihre Drohung, im Kriegsfall die Straße von Hormus zu kontrollieren. Schiffe der USA, Israels, europäischer Staaten und ihrer Verbündeten hätten keine Erlaubnis für eine Durchfahrt und würden angegriffen.
Die steigenden Ölpreise schüren einmal mehr Inflationssorgen: „Eine anhaltende Ölpreiskrise würde den Spielraum für Zinssenkungen der US-Notenbank Fed verringern, insbesondere wenn die Gesamtinflation wieder anzieht“, sagte Daniela Hathorn, Analystin bei Capital.com. „Dieses Risiko wird in Echtzeit in die Märkte eingepreist.“
Für schlechte Stimmung an der Wall Street, sorgten heute auch US-Arbeitsmarktzahlen, die ebenfalls die Inflationsängste befeuerten. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA blieb in der vergangenen Woche mit 213.000 stabil, während Ökonomen mit einem leichten Anstieg gerechnet hatten. Zudem hat sich die Zahl der angekündigten Entlassungen in den USA im Februar mehr als halbiert.
Der Arbeitsmarkt gilt als wichtiger Faktor für die geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank, deren Februar-Bericht am Freitag erwartet wird. Ein robuster Arbeitsmarkt kann jedoch problematisch sein, wenn er hohe Inflation aufrechterhält, weil Unternehmen Lohnkosten weitergeben und die Zentralbank wie die Fed höhere Zinsen länger anhält, was Wachstum bremst.
Nach der kleinen Erholung zur Wochenmitte hat der Dow Jones Industrial wieder spürbar nachgegeben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zur Eröffnung gut ein halbes Prozent tiefer bei 48.457 Punkten, fiel anschließend weiter um rund 1,4 Prozent. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,6 Prozent nach und stand damit bei 6.831 Punkten.
Der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte zum Handelsstart noch knapp im Plus bei 22.853 Stellen und profitierte dabei von Broadcom. Der US-Chiphersteller hat starke Wachstumszahlen für die vergangenen drei Monate und einen positiven Ausblick auf das laufende Geschäftsquartal geliefert. Konzernchef Hock Tan erwartet bis 2027 KI-Chip-Umsätze von über 100 Milliarden Dollar und sieht Broadcom damit als wachsenden Konkurrenten von Nvidia. Die Papiere von Broadcom stiegen um knapp fünf Prozent.