
Wenn der 1. FC Köln und Borussia Dortmund aufeinandertreffen, geht es auch um Druck. Die Vorzeichen sind jedoch grundverschieden.
Seit rund 15 Jahren verbindet die Fanszenen von Borussia Dortmund und des 1. FC Köln eine Freundschaft. Damals, am Ende der Saison 2010/11, verhalfen die Kölner durch einen Sieg im Rhein-Duell gegen Bayer Leverkusen dem BVB zur deutschen Meisterschaft. Wenn Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr) zum 1. FC Köln reist, dürfte die Atmosphäre also besonders werden.
Auf dem Platz verbindet die beiden Vereine dagegen aktuell wenig. Während der FC mitten im Abstiegskampf steckt, ist die Saison für Borussia Dortmund schon Anfang März so gut wie gelaufen.
Für den BVB geht es nur noch um die Champions League
Im Pokal und in der Champions League sind die Dortmunder bereits ausgeschieden. Die Meisterschaft dürfte spätestens seit der 2:3-Niederlage des BVB am vergangenen Spieltag gegen Spitzenreiter Bayern München entschieden sein. Der FCB ist mittlerweile auf elf Punkte enteilt. Für den BVB geht es nun einzig und allein noch um die erneute Qualifikation für die Champions League, die angesichts von acht Punkten Vorsprung auf Rang fünf aber nur Formsache sein dürfte.
Trainer Niko Kovac ist trotzdem bemüht, die ausgegangene Luft wieder reinzupusten „Wir haben noch Ziele“, sagte der 54-Jährige am Donnerstag energisch. Damit meinte er die auch rechnerisch sichere Qualifikation für die Champions League. „Wir müssen den Rückspiegel im Auge behalten, es ist noch nichts geschafft. Wir müssen punkten, wir wollen punkten.“
Der neu gewonnenen freien Zeit unter der Woche nach dem Aus in der Champions League kann Kovac derweil auch etwas Positives abgewinnen: „Wir haben jetzt sehr viel mehr Trainingsminuten, die wir sinnvoll nutzen. Wir wollen richtig gut performen. Wir können einige Inhalte, die wir vernachlässigen mussten, wieder auf die Tagesordnung holen“, sagte er.
Kwasniok beim FC mit dem Rücken zur Wand
Das sind „Probleme“, die der 1. FC Köln wohl gerne hätte. Während Kovac beim BVB den Druck selbst erzeugen muss, stehen die Kölner und Trainer Lukas Kwasniok mit dem Rücken zur Wand. Nach nur zwei Siegen aus den vergangenen 15 Spielen bangt der FC um den Klassenerhalt. Der Vorsprung auf Rang 16 beträgt nur noch zwei Punkte.
Am vergangenen Spieltag kassierte Köln eine verdiente 0:2-Niederlage beim FC Augsburg. Die ohnehin schon laute Kritik an Kwasniok ist daraufhin noch einmal lauter geworden.
Unter der Woche hatte es sogar Gerüchte über ein Ultimatum für Kwasniok gegeben. Demnach müsste der Coach aus den kommenden drei Spielen gegen Dortmund, Hamburg und Mönchengladbach mindestens vier Punkte holen, sonst soll seine Zeit in Köln vorbei sein.
Kwansiok: „Sprechen nur über das nächste Spiel“
Diesen Gerüchten erteilte Kwasniok am Donnerstag eine klare Absage: „Wir haben noch nie über die nächsten drei Spiele gesprochen, seitdem ich da bin. Wir sprechen immer nur über das nächste Spiel.“
Aber auch unabhängig von angeblichen Ultimaten ist Kwasniok gefordert. Denn die Kritik am 44-Jährigen ist nicht immer nur sportlicher Natur. Auch sein öffentliches Auftreten und sein Umgang mit Youngster Said El Mala sorgen immer wieder für Misstöne im Kölner Umfeld.
Kwasniok selbst versucht, das auszublenden, und meidet Presse und soziale Medien weitestgehend. Ganz entziehen kann er sich dem aber nicht. „Man entwickelt ja schon ein Gefühl für die Situation. Das war in Paderborn oder Saarbrücken oder in Jena nicht anders. Man glaubt immer, das ist nur in Köln so, wenn man Spiele nicht gewinnt, dass es dann Diskussionen gibt. Das kannst du dir schon denken. Hier sind sie dann wahrscheinlich ein bisschen heftiger, aber das geht an mir vorbei.“
Stattdessen will sich Kwasniok auf das konzentrieren, was er verändern kann: „Mein Auftrag ist es, dauerhaft gut mit den Jungs zu arbeiten und den Glauben zu haben, die Situation verändern zu können.“
Letzten vier Duelle gingen an Dortmund
Der Turnaround soll nun am besten schon gegen den BVB gelingen. Die Statistik gibt dem FC jedoch wenig Hoffnung. Gegen den BVB ging für Köln zuletzt wenig. Die vier letzten Duelle gingen alle an die Dortmunder, in den letzten drei Spielen hat der FC nicht einmal ein Tor geschossen.
Freuen dürfte die FC-Fans hingegen, dass Kwasniok Youngster El Mala Aussicht auf einen Startelf-Einsatz gegeben hat. Der 19-Jährige sei im Training „marschiert, weil er auch von Beginn an spielen will“. Daher sei die Wahrscheinlichkeit „sehr hoch“, dass er in der Startformation stehen werde. Beim BVB könnten derweil Serhou Guirassy und Ramy Bensebaini, die sich an die Fastenregeln des Ramadan halten, wieder von Beginn an auflaufen.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz Borussia Dortmund
- Pressekonferenz 1. FC Köln
- Express
- Sport-Informations-Dienst
Sendung: „Köln und der BVB – echter Druck gegen künstliche Spannung“, WDR.de, 05.03.2026, 20:19 Uhr