rbb: Es ist ja nicht das erste Mal, dass der Kulturstaatsminister so ins Kreuzfeuer der Kritik gerät. Zuletzt hatten wir bei der Berlinale die Diskussion um Tricia Tuttle. Ist er seinem Amt gewachsen?
Thea Dorn: Es steht mir nicht zu, dem Kulturstaatsminister ein Gesamtzeugnis auszustellen. Ich kann aber zwei Punkte benennen, die mich an seinem Verhalten sehr stören. Wolfram Weimer ist von Friedrich Merz (CDU) auf diesen Job berufen worden. Er ist nicht verpflichtet, die Politik seiner Vorgängerin Claudia Roth von den Grünen möglichst bruchlos weiterzuführen. Selbstverständlich darf er versuchen, der Kulturpolitik des Bundes eine eigene, eben konservativere Handschrift zu geben – was immer das konkret bedeuten mag. Dann soll er dazu stehen, dass er eine Wende in der Kulturpolitik will. Aber er soll sich nicht hinter der Blackbox „Verfassungsschutz“ verstecken.
Zum anderen ist von konservativer Seite – durchaus zu Recht – immer wieder beklagt worden, dass beim „Kampf gegen Rechts“ nicht mehr unterschieden wird zwischen „rechts“ und „rechtsextrem“. Aber was hat Wolfram Weimer jetzt getan? Offenbar passt es ihm nicht, „linke“ Buchläden zu fördern – und hat dazu beigetragen, dass diesen nun das Stigma „linksextrem“ anhaftet. Es wäre zu wünschen, dass der Kulturstaatsminister die Maßstäbe, nach denen er den politischen Gegner beurteilt, auch an sein eigenes Handeln anlegt.