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Kiew/Budapest – Jetzt eskaliert Wolodymyr Selenskyj (48) den Nachbarschaftszoff zwischen der Ukraine und Ungarn! Der Ukraine-Präsident hat Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán (62) mit den ukrainischen Streitkräften gedroht, sollte dieser die 90 Milliarden Euro der EU für die Ukraine weiter blockieren.
„Wir hoffen, dass eine Person in der Europäischen Union die 90 Milliarden oder die erste Tranche von 90 Milliarden nicht blockieren wird und die ukrainischen Soldaten Waffen erhalten werden. Andernfalls geben wir die Adresse dieser Person an unsere Streitkräfte, unsere Jungs weiter. Sollen sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer eigenen Sprache reden“, sagte Selenskyj nach einem Bericht der „Ukrainska Prawda“ im Anschluss an eine Regierungssitzung in Kiew.
Ukraine lässt Putins Öl nicht durch
Kontext der martialischen Ansage: Ungarn will die Ukraine mit politischen Mitteln zur Wiedereröffnung der Ölpipeline Druschba („Freundschaft“) zwingen. Über die Pipeline bekamen Ungarn und die Slowakei bis Ende Januar Erdöl aus Russland. Beide Länder sind vom Russen-Öl abhängig und werden von Putin-freundlichen Regierungen geführt. Dann wurden die Lieferungen gestoppt. Die Ukraine führt Schäden durch russische Angriffe an, während Budapest und Bratislava politischen Boykott durch Kiew wittern.

Ein Teil der Empfangsstation der Druschba-Ölpipeline („Freundschaft“) in der größten Ölraffinerie Ungarns, 29 Kilometer südlich von Budapest
Foto: Zsolt Szigetvary/MTI/epa/dpa
Orbáns Wahlkampf kreist derweil um den Vorwurf an die Ukraine, das Land wolle Ungarn in den Krieg ziehen. Am 12. April wird das Parlament neu gewählt. Orbán droht nicht nur der Verlust der seit 2010 bestehenden Zwei-Drittel-Mehrheit seiner Fidesz-Partei, sondern der komplette Machtverlust! Umfragen sehen die vor zwei Jahren gegründete Oppositionspartei Tisza um Führungsfigur Péter Magyar (44) weit vorn.
Oppositionschef stellt sich hinter Orbán
Nicht nur die ungarische Regierung, auch der Oppositionschef und Wahlfavorit Magyar wiesen die Selenskyj-Drohung scharf zurück. Auf einer Kundgebung sagte er: „Selenskyj hat Orbán bedroht, und Putin hat ganz Ungarn mit einem Stopp der Gaslieferungen gedroht. (…) Kein einziger ausländischer Staatschef darf auch nur einen einzigen ungarischen Staatsbürger bedrohen.“

Favorit Péter Magyar (44) bei einem Wahlkampfauftritt
Foto: Balint Szentgallay/NurPhoto/Shutterstock
EU soll Beziehungen zu Selenskyj abbrechen
Und weiter: „Die Energieversorgung Ungarns ist eine nationale Frage, die über Parteipolitik und Wahlkämpfen steht. Ich erwarte von der Führung der Europäischen Union, dass sie alle Beziehungen zur Ukraine abbricht, solange Präsident Selenskyj seine Worte nicht klarstellt und sich bei allen ungarischen Staatsbürgern für seine Äußerungen entschuldigt.“
Allerdings sagte er auch: „Viktor Orbán muss am 12. April auch deshalb abgelöst werden, weil er mit seinen ständigen innenpolitisch motivierten Provokationen und Anheizungen unser Land in Konflikte und Chaos treibt. Ruhe wird es hier nur geben, wenn wir am 12. April das System wechseln.“