Wie ein überdimensionaler Buzzer aus einer TV-Show sah der rote Knopf aus, den Bundesdigitalminister Karsten Wildberger und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (beide CDU) am Donnerstag gemeinsam drückten. Damit wurde symbolisch ein Zentrum für Künstliche Intelligenz (KI) von Google in Berlin eröffnet. „Es freut mich außerordentlich, was hier entsteht“, sagte Wildberger, „wir brauchen diese Leuchttürme in Deutschland und Berlin ist führend dabei.“
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Das AI-Center befindet sich auf einer eigens geschaffenen Etage des Berliner Google-Standorts in Berlin-Mitte, schräg gegenüber von der Museumsinsel. „Das ist ein Ort, wo man sich zu KI austauschen kann“, sagte Google-Deutschlandchef Philipp Justus. Geplant sind bis zu 200 Veranstaltungen im Jahr. Dabei sollen Wissenschaft, Unternehmen und Politik ins Gespräch kommen. Das Zentrum umfasst auch einen „AI-Demo-Space“ zur Präsentation neuester KI-Technologien, wie „Google Beam“, ein neuartiges 3D-Videokonferenzsystem, das in diesem Jahr auf den Markt kommen soll.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) setzt große Hoffnungen in das KI-Zentrum. Er wolle die Stadt zum Innovationsstandort Nummer eins in Europa ausbauen, dabei spiele KI eine zentrale Rolle. „Unser Ziel ist es, Wissenschaft, Wirtschaft und Start-ups weiter zu vernetzen“, sagte Wegner. „Dabei wird uns das AI-Center massiv unterstützen.“ Zuletzt hatte Berlin den Rang als deutsche Start-up-Hauptstadt in Bezug auf die Investitionen an München verloren.
Für die Digitalisierung der Verwaltung brauche es gemeinsame Lösungen für ganz Deutschland und starke Partner, so Wegner. Hier sollen gemeinsame Projekte mit Google entstehen, ein konkretes Vorhaben ist bereits in Planung. „Wir sprechen gerade darüber, wie wir unsere Ampelschaltung ein Stück weit smarter gestalten können“, sagte Wegner.
Googles KI-Zentrum in den historischen Räumen des Forums an der Museumsinsel
© imago/Mauersberger/imago
Antrag auf Grundsicherung im Alter soll einfacher werden
Das AI-Center soll, gemeinsam mit dem CityLAB Berlin, auch sozialen Mehrwert für Berliner schaffen: Google-Mitarbeitende arbeiten für sechs Monate in Vollzeit und unentgeltlich beim CityLAB, Berlins öffentlichem Innovationslabor, mit. Das konkrete Ziel: die Beantragung der „Grundsicherung im Alter“ radikal zu vereinfachen. Ein KI-basierter Assistent soll zwischen Bürgerinnen und Bürgern und der Bürokratie vermitteln – komplizierte Formulare sollen in verständliche Dialoge übersetzt werden.
Die entwickelte Lösung soll als Open-Source-Software veröffentlicht werden – und damit über Berlin hinaus wirken. Sie könnte zur Blaupause für eine zugänglichere Verwaltung in ganz Deutschland werden.
Wissenschaft verspricht sich Impulse
Das Zentrum ist Teil eines Ausbauprogramms, das Google im November angekündigt hatte. Bis 2029 sollen 5,5 Milliarden Euro investiert werden. Der Großteil davon in den Neu- und Ausbau der Rechenzentren in Hessen. Ein in Brandenburg geplantes Datenzentrum wird dagegen wegen Problemen mit dem Stromanschluss nicht gebaut. Wie viel für das KI-Zentrum ausgegeben wird, wollte der Konzern nicht beziffern, es dürfte jedoch nur ein Bruchteil der Milliardensumme sein.
Trotzdem versprechen sich auch hiesige Wissenschaftler wichtige Impulse. „Man kann hier schon was reißen“, sagt Klaus-Robert Müller. Der KI-Professor von der Technischen Universität Berlin zählt zu den Koryphäen in Deutschland. Kürzlich wurde er mit dem Leibniz-Preis geehrt, der höchsten wissenschaftlichen Anerkennung hierzulande. Als sogenannter Principal Scientist arbeitet Müller auch einmal pro Woche bei Google.
Hier könne er auf Rechenleistung zurückgreifen, die so am eigenen BIFOLD-Institut nicht zur Verfügung steht, obwohl es eines der sechs nationalen KI-Kompetenzzentren ist, die vom Bundesforschungsministerium mitfinanziert werden. Gemeinsam mit Google und der Universität Luxemburg haben Müller und sein Team an der TU im vergangenen Jahr ein KI-Modell für Quantenchemie entwickelt. „Alleine hätten wir das nicht hingekriegt“, sagt Müller.
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Zudem lerne er immer wieder Dinge aus der Praxis, die er dann auch in seine Lehre mit einbauen könne. „Die Durchlässigkeit zwischen Wissenschaft und Industrie ist zu niedrig“, sagt Müller. Das Zentrum könne helfen, „die Mauern ein bisschen mehr einzureißen“.