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Ein Fachhändler für Motorgeräte von Marken wie Stihl, Viking und John Deere hat Insolvenz angemeldet. (Symbolfoto) © Marijan Murat/dpa
Der größte deutsche Fachhändler für Motorgeräte hat Insolvenz angemeldet. Neben der Hauptgesellschaft ist auch ein Tochterunternehmen in Bayern betroffen.
Stuttgart – Nicht nur die produzierenden Unternehmen haben derzeit massiv zu kämpfen, sondern auch die Händler. Wie das Amtsgericht Stuttgart auf Nachfrage von IPPEN.MEDIA bestätigt, hat die Endress-Gruppe, bestehend aus der Endress Motorgeräte GmbH in Stuttgart und der Endress Bayern GmbH in München, am 4. März einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die Unternehmensgruppe hat ihren Ursprung in einer ersten Servicestelle des Waiblinger Traditionsunternehmens Stihl im Schwarzwald, die 1948 von Gründer Hans Endress eröffnet wurde.
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Inzwischen ist die Endress-Gruppe der größte Fachhändler für Motorgeräte in ganz Deutschland und bietet an 20 Verkaufs- und Servicestellen in Baden-Württemberg und Bayern Geräte und Service von Marken wie Stihl, Viking und John Deere an. Laut dem Amtsgericht Stuttgart steht das eingegangene Verfahren aktuell (4. März, 12 Uhr) noch zur Bearbeitung. Wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet, wurde die aus insgesamt rund 260 Mitarbeitern bestehende Belegschaft aber bereits durch einen Brief über die neue Lage informiert.
Endress-Gruppe kämpft mit Billigpreisen der Konkurrenz – „Da haben wir keine Chance“
Nach dem Tod des Firmengründers hatten zunächst seine beiden Söhne den Geschäftsbetrieb übernommen und spalteten das Unternehmen 1981 in zwei Gesellschaften auf. Der Firmensitz in Stuttgart bediente dabei den Markt in Baden-Württemberg und die ausgegliederte Tochter in München das Vertretungsgebiet Oberbayern. Im Jahr 1998 wurden die beiden Gesellschaften wieder zusammengeführt. Wie das Fachportal Motorist bereits im vergangenen Jahr berichtete, startete die Endress-Gruppe 2025 eine Restrukturierungsphase mit Einsparungen und Personalabbau, die aber offenbar nicht erfolgreich war.
„Trotz unseres über einjährigen Kampfes ums Überleben haben wir es nicht geschafft, die Insolvenz zu verhindern“, erklärte Seniorchef Ulrich Endress gegenüber der StZ. Mit den Billigpreisen der chinesischen Konkurrenz auf dem Markt mit Akkugeräten könne das familiengeführte Traditionsunternehmen nicht mithalten. „Da haben wir keine Chance“, betonte der Sohn des Firmengründers, der das Unternehmen gemeinsam mit seinen Söhnen leitet. Mit der Hilfe eines noch vom Amtsgericht Stuttgart zu bestimmenden Insolvenzverwalters sollen möglichst viele Filialen bewahrt werden.
Insolvenz der Endress-Gruppe: „Traurigster Moment der über 70-jährigen Firmengeschichte“
Die rund 260 Mitarbeiter der Endress-Gruppe können im vorläufigen Insolvenzverfahren für drei Monate mit dem Insolvenzgeld rechnen, das ihre Löhne und Gehälter abdeckt. Es sei „der traurigste Moment in der über 70-jährigen Firmengeschichte unseres Familienunternehmens“, heißt es in dem besagten Brief von Ulrich Endress an die Mitarbeiter. Er bedankte sich zudem ausdrücklich für die Treue und den Einsatz über viele Jahre und warb für Verständnis für den Schritt der Insolvenzanmeldung.
Laut dem Seniorchef geht der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiter und die Hoffnung besteht, dass zumindest die wirtschaftlich erfolgreichen Standorte bewahrt werden können. Bei der Antragstellung wurde das Familienunternehmen von dem Sanierungsexperten Steffen Beck von PLUTA beraten. Weitere Schritte muss aber der vom Gericht berufene vorläufige Insolvenzverwalter unternehmen. Jüngst hatte auch ein traditionsreicher Blech-Spezialist mit drei Standorten Insolvenz angemeldet. (Verwendete Quellen: Anfrage beim Amtsgericht Stuttgart, stuttgarter-zeitung.de, motorist-online.de, endress-shop.de, eigene Recherche)