Die Delmenhorster Veranstalter Michaela und Christoph Becker hatten zur inzwischen 55. Ausgabe des Comedy Club in den Club M des El Mariachi geladen. Lachsalven von Anfang an garantiert. Auch deshalb, weil Kultmoderator Markus Weise in Höchstform war und durchaus provokante Angriffe auf das Zwechfell lieferte. Die Newcomer-Comdians Julian Wolber und Tabea Hannappel als auch der seit vielen Jahren bühnenerprobte Johannes Flöck packten die erwartete Schippe obendrauf und nahmen das Publikum vor ausverkauftem Haus mit auf die Reise der tiefgründig humoristischen Art.
Als der stets freundliche Markus Weise die Show eröffnete, stellte er zugleich fest, dass sich unter den Gästen einige bekannte Gesichter befanden: „Wir sind gemeinsam älter geworden.“ Und exakt dieses etwas „dünne Eis“ zog sich auch wie ein roter Faden durch seine Moderation des Abends. Dabei freute Weise sich über den erwachenden Frühling: „Am Wochenende wird man die ersten Hochdruckreiniger hören.“
Und unversehens schaffte er auch wieder eine familiäre Atmosphäre und befragte die Anwesenden etwa dazu, wie häufig sie den Comdy Club Delmenhorst schon besucht hätten oder zu ihrem Alter. Zumal sich im Publikum eine Minderjährige befand, wollte er schnell beruhigen: „Keine Angst, Kay Ray ist heute nicht dabei.“ Die Comedy-Fans wussten genau, was Weise damit andeuten wollte. Überhaupt servierte er immer wieder markante Spitzen. Christoph Beckers Kommentar: „Du bekommst heute den Nettigkeiten-Preis.“
Markus Weise war an diesem Abend prädestiniert für den „Nettigkeiten-Preis“
Julian Wolber: Vom Dorf auf die Bühne
Julian Wolber, hat mittlerweile mehr Follower als die Einwohnerzahl seines Dorfes. Dort, wo man Kochrezepte leiht und Argwohn geschenkt bekommt sind 400 Einwohner auf Dauer zu wenig Publikum. Nach seinen Ausbildungen zum Industriekaufmann und Rettungssanitäter kam für ihn während der Pandemie der Moment: Jetzt oder nie. 2021 zog Julian allein nach Köln. Ohne Vitamin B, ohne Sicherungsnetz, dafür mit jeder Menge Vertrauen und: „Gusto“. Heute ist er ausgebildeter Schauspieler, Comedian und überzeugter Grenzgänger zwischen Heimat und Großstadt, zwischen Rückschlägen und Bühnenmomenten.
Im Gepäck hatte Julian diverse Themen aus seinem Alltag, so beispielsweise darüber, dass er immer an sämtliche Geburtstage in der Verwandtschaft denkt und alle sich freuen, wenn er ihnen gratuliert. Möglich ist ihm das, weil seine Mutter ihn stets morgens anruft und ihn daran erinnert. Und das gibt ihm ein gutes Gefühl. Nur den Geburtstag seiner Mutter hatte er vergessen, ihr hatte er nicht gratuliert. Selber Schuld; schließlich hatte sie ihn nicht angerufen, um ihn zu erinnern. Hatte sie wohl vergessen. Also waren sie quitt.
Julian Wolber: Vom Dorf auf die Bühne
Tabea Hannappel – Sexting auf Altdeutsch, in Schreibschrift
Seit Ende 2023 steht Tabea Hannappel auf der Bühne. Angefangen hatte sie in der englischsprachigen Comedy-Szene, kurz darauf war sie in die deutsche Stand-up-szene gewechselt. In ihren Sets erzählt Tabea persönliche Geschichten und beobachtet das Alltägliche mit ehrlichem, sympathischem Blick. 2025 erreichte sie das Halbfinale der Newcomer Stand-up Competition in Berlin. Und gestern dann bereichterte sie als Newcomerin die Gäste des Comedy Clubs im Club M des El Mariachi.
Tabea sprach von ihren Ängsten, vor allem denen vor Krankheiten. Permanent gehe sie zum Arzt, nur um sich von dem bestätigen zu lassen, dass sie eine Krankheit eben nicht hat. „Ich finde das Gefühl so geil, wenn er sagt, du hast nichts.“ Doch dann hatte sie eine wunderbare Therapeutin gefunden. Die konnte ihr innerhalb von vier Monaten sämtliche Ängste nehmen. Allerdings mit dem Erfolg, dass sie nun wieder Angst davor hat, die Ängste könnten wiederkommen. Wie man’s macht …
Paradox erschien ihr auch der typische Generationenkonflikt. So etwa die Tatsache, dass ihre Mutter ihr vorwirft, sie sei verwöhnt. „Ja, wer hat mich denn erzogen, wer hat mich denn verwöhnt?’“ Erinnerungen wurden wach, als die Comedienne von Briefen ihres Vaters erzählte, die ihr Vater und ihre Mutter sich früher geschrieben hatten, als sie noch frisch verliebt waren, der Vater sich aber für ein Jahr im Ausland befand. Sie wollte mehr wissen und die Briefe lesen. Oder dann doch nicht? Sie nannte das „(..) Sexting auf Altdeutsch und zwar in Schreibschrift.“
Tabea Hannappel: Sexting in Schreibschrift
Johannes Flöck – „Neue Reizwäsche von Bifi?“
Ganz und gar kein Newcomer ist Johannes Flöck, stattdessen gastierte der deutschlandweit renommierte Comedian und Moderator schon mehrfach in Delmenhorst. Und erneut schaffte er es mit poinitierten Worten auf die Ungereimtheiten und Kuriositäten des Lebens – insbesondere der Attitüden im „fortgeschrittenen Alter“ – hinzuweisen. In einem Urlaub waren er und seine Freundin in einem Hotel untergekommen, in dem sie nachts kaum schlafen konnten, weil aus dem benachbarten Zimmer durchaus sportliche Geräusche kamen. Als das Pärchen aus dem Nachbarzimmer morgens zum Frühstück kam und „(…) nicht ganz so frisch aussah“, gab es ein spontan anerkennendes Augenzwinkern von Johannes.
Dann zeichnete er das Bild einer Wandertour zu Berghütten, die er gemeinsam mit seiner Freundin am folgenden Tag unternommen hatte. Und die war alles andere als ein gemütlicher Spaziergang, brachte ihn an den Rand seiner Kräfte, sodass er und seine Partnerin am nächsten Morgen „ohne Kniescheibe“ kaum die Treppe runterkamen. Und schon gab es die Retourkutsche des anerkennenden Augenzwinkerns mit Ghettofaust vom Zimmernachbar. Nur leider war die Vermutung dahinter ein Trugschluss.
Johannes thematisierte auch die zahlreichen Cremes und weiteren Ingredienzen, mit denen sich der Alterungsprozess der Haut vermeintlich aufhalten lassen soll. Auch die verschiedenen Masken, Kuren und mehr sind für ihn immer wieder Anlass der Verwunderung. So habe seine Freundin sich in eine transparente Folie gehüllt, um den Feuchtigkeitsgehalt zu steigern und der Haut etwas Gutes zu tun. Johannes Flöck: „Was ist das? Neue Reizwäsche von Bifi?“
Johannes Flöck kokettiert mit dem Alter: „Neue Reizwäsche von Bifi?“
Absagen ist keine Option!
Noch sind Tickets zu haben für die ins Bremer Boulevardtheater expandierte Boulevard Comedy Show am 09. April, am 18. April 2026 folgt die Charity Edition des Comedy Club im Delmenhorster Autohaus Brüning. Zudem wird es im Club M des El Mariachi Solo-Shows mit Don Clarke am 30. September 2026 und Kay Ray am 29. Oktober 2026 geben. Außerdem im Theater Kleines Haus am 07. November mit Sebastian Reich und Amanda , dem urigen menschlich-tierischen Pärchen, das mit seinem Programm „Purer Zufall“ eine Zusatzshow zelebriert.
Nach dem Motto „Augen auf und durch“ gehen Christoph und Michaela Becker das Risiko ein, dass das Kleine Haus tatsächlich rechtzeitig renoviert und wieder eröffnet sein wird. Christoph Becker: „Absagen ist für uns keine Option, wir haben schon einen Plan B parat.“ Im Worst Case wird man eine alternative Lösung finden. Für „spontane Eingriffe am Comedy-Herzen“ sind die beiden bekanntlich professionell genug. Tickets gibt es wie üblich auf der Club-Shows Online-Präsenz,
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((Beitragsbild oben: Nach gelungener Show: Die Comedians, Moderator Markus Weise, Veranstalter Michaela und Christoph Becker sowie die Betreiber des El Mariachi.))



