Die Rollen für den Play-off-Start am vergangenen Samstag waren klar verteilt: Der TV Augsburg reiste als Tabellenachter der Frauen-Basketball-Regionalliga zum Hauptrunden-Ersten, dem TV Jahn München – auf dem Papier eine eindeutige Angelegenheit. Doch auf dem Feld zeigte sich schnell, dass Augsburg nicht gewillt war, nur die Pflichtrolle des Underdogs einzunehmen.

In Halbzeit eins ebenbürtig

Von Beginn an trat der TVA mutig auf, verteidigte intensiv und suchte konsequent den Weg Richtung Korb. Trotz kleinen Kaders mit nur acht Spielerinnen hielten die Augsburgerinnen das Tempo hoch und zwangen den Favoriten immer wieder zu schwierigen Abschlüssen. Die erste Halbzeit verlief absolut auf Augenhöhe – mit Phasen, in denen Augsburg sogar die Kontrolle übernahm. Man ging letztendlich sogar mit einem hauchzarten Vorsprung von einem Punkt (35:34) in die Kabine.

„Wir wussten, dass uns alle als die klaren Außenseiter sehen“, erklärte Spielertrainerin Mirijam Unger nach der Partie. Doch im ersten Spielabschnitt war davon nichts zu merken. Anstatt vor der beeindruckenden Heim-Statistik der Gastgeberinnen zurückzuschrecken, gaben die TVA-Frauen einen völlig ebenbürtigen Gegner ab.

Jahn zeigt seine Qualität

Nach dem Seitenwechsel zeigte sich die Qualität der bisher noch ungeschlagenen Münchnerinnen. Jahn erhöhte den defensiven Druck, kam über Ballgewinne zu einfachen Punkten und setzte sich Schritt für Schritt ab. Augsburg musste nun deutlich härter für jeden Zähler arbeiten. Zusätzlich sorgten Unstimmigkeiten rund um das Kampfgericht dazu, dass es immer wieder zu kurzen Spielunterbrechungen kam. Diese waren auch nicht gerade vorteilhaft für die TVA-Frauen, die sich in dieser Spielphase ohnehin schwer taten, einen offensiven Rhythmus zu finden. „In der zweiten Halbzeit haben wir defensiv ein paar Details nicht mehr sauber gelöst. Das hatte aber hauptsächlich mit unseren begrenzten Wechselmöglichkeiten, besonders auf den Guard-Positionen zu tun“, folgerte Unger. Im Zuge dessen gelang es den Münchnerinnen, im letzten Viertel dann doch noch den Vorsprung in einen komfortablen zweistelligen Bereich zu bringen.

Kleine Rotation wird zum Verhängnis

„Gegen ein Team, das die Tabelle anführt, werden solche Phasen sofort bestraft“, analysierte die bundesligaerfahrene Unger. „Trotzdem bin ich stolz auf die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind. Jahn München wird meiner Meinung nach auch am Ende der Saison in die zweite Bundesliga aufsteigen.“ Stichwort individuelle Klasse: An diesem Tag kaum zu stoppen war die Jahner Aufbauspielerin Emma Steinbicker. Schlussendlich steuerte sie 22 Punkte bei und avancierte zur Top-Scorerin der Partie. Auf Augsburger Seite kam Helena Dahlem auf 17 Punkte.

Am Ende stand eine 65:80-Niederlage in Spiel eins – doch der klare Underdog hat ein Zeichen gesetzt. Die Serie wird keinesfalls kampflos hergeschenkt. Diesen Sonntag um 13 Uhr geht es in eigener TVA-Halle darum, die Saison vorerst zumindest um eine Woche zu verlängern.

Saisonziele bereits erreicht

„Jetzt kommen sie zu uns. Und wir werden alles daransetzen, vor heimischem Publikum nochmal alles zu geben und einen guten Abschluss für diese Spielzeit zu haben“, ordnete Unger das Heimspiel realistisch ein. „Die Ziele für diese Saison sind mit dem Einzug in die Play-offs bereits erreicht worden“, nahm Unger jedenfalls zufrieden wahr. Entschieden ist die Serie noch nicht – ein Sieg gegen die ungeschlagenen Münchnerinnen wäre allerdings eine echte Sensation.

  • Kristian Ortelli

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