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Und plötzlich landen Ihre privaten Aufnahmen auf einem Büro-Bildschirm in Kenia! Schwedische Journalisten haben enthüllt, dass viele Fotos und Videos der neuen Ray-Ban-Brille von Meta offenbar von Mitarbeitern externer Dienstleister in Afrika „ausgewertet“ werden. Der Meta-Konzern gerät in Erklärungsnot.
Die Journalisten der Zeitungen „Göteborgs Posten“ und „Svenska Dagbladet“ sind Zug um Zug der Frage nachgegangen, was genau mit den Aufnahmen passiert, die die schicke Brille macht. Stimmt es also wirklich, dass private Daten privat bleiben? Das Ergebnis der Recherche: Das von den KI-Brillen erzeugte Material wird nicht ausschließlich automatisiert verarbeitet. Stattdessen erfolgt ein Teil der Auswertung durch Beschäftigte externer Daten-Firmen.
Zum Beispiel beim Unternehmen Sama mit Sitz in Nairobi. Gespräche mit Beschäftigten verdeutlichen, dass dort häufig private Inhalte auf den Bildschirmen erscheinen, die Nutzerinnen und Nutzer kaum freiwillig weitergeben würden. Genannt werden Aufnahmen aus Badezimmern, intime Szenen, Eingaben von PIN‑Nummern an Geldautomaten sowie Bankdaten. Hinzu kommt, dass die Anonymisierung vielfach nicht funktioniert und Gesichter klar zu erkennen bleiben.
KI braucht menschliche Augen zur Schulung
Der Grund für die manuelle Auswertung liegt in der Funktionsweise künstlicher Intelligenz (KI). Für Verbesserungen der KI‑Bilderkennung müssen Menschen Inhalte markieren und erläutern, um die Systeme zu trainieren. Dadurch erhalten die Mitarbeitenden jedoch Einblick in private Lebensbereiche der Nutzer und unbeteiligter Personen, die möglicherweise nicht aufgenommen werden möchten.
Mehrere befragte Mitarbeitende schildern eine hohe psychische Belastung durch die täglichen Zehn‑Stunden‑Schichten mit sehr persönlichen Inhalten. Gleichzeitig berichten sie von Existenzängsten, da umfassende Vertraulichkeitsvereinbarungen gelten und Gespräche mit Außenstehenden zum Verlust des Arbeitsplatzes führen können.

Im Jahr 2023 gab es vor den Sama-Büros in Nairobi Demonstrationen wegen nicht gezahlter Gehälter
Foto: EPA-EFE
Keine Aufklärung im Geschäft
Die Inhalte werfen die Frage auf, inwieweit die Nutzer der Verarbeitung bewusst zugestimmt haben oder ob eine unzureichende Aufklärung über Datenschutz stattgefunden hat. Die Journalisten führten Testkäufe bei den schwedischen Ketten Synoptik und Synsam sowie bei unabhängigen Händlern durch. Teilweise erhielten sie die Auskunft, alle Daten würden lokal auf den Geräten gespeichert, obwohl die KI‑Funktion zwingend eine Internetverbindung und Serververarbeitung voraussetzt.
Hinweise zur Datennutzung finden sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Die Nutzer stimmen der automatisierten und der menschlichen Auswertung der Inhalte zu, sofern sie die KI‑Funktionen verwenden. Aus den AGB geht jedoch nicht hervor, wie lange Daten gespeichert werden oder mit wem sie geteilt werden. Eine Nutzung ohne Zustimmung zu den Bedingungen ist nicht möglich.
Gleicher Datenschutz wie in der EU?
Datenschutzexperten kritisieren mangelnde Transparenz darüber, wann Kameras aktiv sind und wie Inhalte weiterverarbeitet werden. Meta verweist auf die eigenen Datenschutzrichtlinien und betont, die Verarbeitung sei datenschutzkonform. Ein europäischer Vertreter des Unternehmens erklärte, der Standort der Datenverarbeitung sei gemäß Datenschutz‑Grundverordnung zweitrangig, solange ein gleichwertiges Schutzniveau bestehe. Für Kenia besteht jedoch bislang keine EU‑Anerkennung eines angemessenen Datenschutzniveaus, weshalb Meta vertragliche und rechtliche Schutzmaßnahmen sicherstellen muss.
Der zentrale Kritikpunkt bleibt der Widerspruch zwischen der Vermarktung der Brille als Alltagsgerät und der Tatsache, dass in Kenia Beschäftigte private Aufnahmen aus Wohnungen und Badezimmern auswerten.
Das sagt Meta zu den Recherchen
COMPUTER BILD hat bei Meta um eine Stellungnahme gebeten. Sie erreichte uns in englischer Sprache und wurde von uns übersetzt. Darin heißt es: „Mit Ray-Ban Meta-Brillen können Sie mithilfe von KI und ohne Einsatz Ihrer Hände Fragen zu Ihrer Umgebung beantworten. Sofern Nutzer die von ihnen aufgenommenen Medien nicht für Meta oder andere freigeben, verbleiben diese Medien auf dem Gerät des Nutzers. Wenn Nutzer Inhalte mit Meta AI teilen, beauftragen wir manchmal externe Dienstleister mit der Überprüfung dieser Daten, um die Nutzererfahrung zu verbessern, wie es auch viele andere Unternehmen tun. Wir ergreifen Maßnahmen, um diese Daten zu filtern, um die Privatsphäre der Menschen zu schützen und zu verhindern, dass personenbezogene Daten überprüft werden.“