Bielefeld. Die Gruppe „Femizide stoppen – Bielefeld“ hat sich zur Aufgabe gemacht, den Mord an Frauen, weil sie Frauen sind, den sogenannten Femizid, stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken und darüber aufzuklären. Die Aktivistinnen fordern aber nicht nur gesellschaftliche Wahrnehmung, sondern auch ein größeres politisches und rechtliches Bewusstsein für das Thema. Einen Tag vor dem Internationalen Frauentag wird die Bielefelder Ortsgruppe der bundesweit agierenden Bewegung am Niederwall ein Zeichen setzen.

Frauen werden in den meisten Fällen nicht aufgrund zufälliger Umstände getötet, laut Statistik sind die Täter in 99 Prozent der Fälle Männer. Die Aktivistinnen sprechen von der äußersten Stufe geschlechtsspezifischer Gewalt, der vorsätzlichen Tötung der Frauen.

In ihrer Mitteilung heißt es: „Gründe dafür können geschlechtsbezogene Ungleichwertigkeitsvorstellungen oder die Nicht-Entsprechung sexistischer Rollen- und Verhaltenserwartungen sein. Auch ein selbstbestimmtes Leben, das sich der Kontrolle des Täters entzieht, kann ein Motiv sein.“ In Deutschland kämen die Täter meist aus dem nahen Bekanntenkreis oder sie sind aktuelle oder frühere Partner. „Dazu gehören auch sogenannte ’Ehrenmorde’.“

Aktivistinnen fordern Politik und Justiz auf, dagegen vorzugehen

Für diese Form der tödlichen Gewalt hat sich in der Kriminalforschung der Begriff „Femizid“ etabliert, trotzdem reiche der Blick in Deutschland auf diese Täter und ihre Motivation immer noch nicht aus, sagen die Aktivistinnen von „Femizide stoppen“: „Wir möchten, dass Femizide nicht mehr als Einzelfälle abgetan werden, sondern dass gegen das dahinterstehende System politisch und juristisch vorgegangen wird.“

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So müsse der immer noch in der Öffentlichkeit verwendete Begriff wie Ehrenmord hinterfragt werden: Suggeriere er doch, dass ein Fehlverhalten einer Frau die Ehre des Täters in einer Form verletzt hat, dass er dadurch zum Mord angestiftet wird oder keine andere Wahl hatte. Damit übernehme der Begriff die Argumentation der Täter.

Ein Femizid ist kein Familiendrama!

„Dasselbe gilt auch für die Begriffe wie ’Familiendrama’, ’Beziehungstat’ oder ’Tragödie’“, heißt es in der Mitteilung der Gruppe. Diese Begriffe deuteten an, dass es innerhalb der Familie oder der Beziehung zu einer Katastrophe gekommen ist. Solche Begriffe vereinnahmen beide Seiten der Tat als Verantwortliche und verhindern die Benennung der Tatsachen: Der Mann hat die Frau getötet oder ermordet.

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„Femizide stoppen – Bielefeld“ wird am Samstag, 7. März, von 11 bis 21 Uhr in der Bielefelder Innenstadt in Aktion treten, um das Thema für die Bevölkerung sichtbarer zu machen. Dazu werden die Aktivistinnen auf dem Niederwall-Grünzug zwischen Körnerstraße und Stadtwache 98 große Holz-Kreuze aufstellen, die an die Frauen und Mädchen gedenken, die 2025 Opfer geschlechtsspezifischer Tötungen geworden sind. An jedem der Kreuze ist zu lesen, wie sich die Tat ereignet hat.

Ähnliche Femizid-Aktion gab es bereits im Dezember:

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Laut Bundeskriminalamt (BKA) ereignet sich 2023 in Deutschland fast jeden Tag ein Femizid, Tendenz steigend. Ende 2025 berichtet BKA-Präsident Holger Münch: „Die Zahl der Straftaten an Frauen steigt kontinuierlich.“

Trotzdem sei aufgrund einer fehlenden „bundeseinheitlichen Definition“ bis heute keine statistische Erfassung von Femiziden möglich. Das geht aus einer Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums hervor. Anders als in Italien oder Spanien sei so eine Analyse des Phänomens und der Hintergründe für die Taten kaum möglich.

Auch FLINTA-Personen betroffen

Die Aktivistinnen betonen, dass es dabei nicht nur um Partnerschaftsgewalt und Macht unter Heterosexuellen gehe. Von patriachalem Verhalten der Täter seien auch cis-Frauen, trans-Frauen sowie inter-sexuelle und non-binäre Personen betroffen – durch Belästigung, Bedrohung oder körperliche Gewalt. FLINTA-Personen (Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, Nicht-binäre, Trans- und Agender-Personen) sind laut „Femizide stoppen“ häufiger von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen.