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Marco Fuchs und die OHB sind gefragt: Die Esa hat dem Bremer Raumfahrt- und Technologiekonzern einen 81-Millionen-Euro-Auftrag für den Bau der Raumsonde „Ramses“ erteilt. © Sina Schuldt/dpa
Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB erhält für seine Tochter OHB Italia einen Auftrag über 81 Millionen Euro. Die „Ramses“-Sonde muss in Rekordzeit fertig werden.
Bremen – „Aphohis“ ist auf dem Weg. Im Frühjahr 2029 soll der Asteroid so nah an der Erde vorbeifliegen, dass man ihn mit bloßen Auge sehen kann. Europa schaut ins All und rüstet sich für die Gefahrenabwehr. Die europäische Weltraumorganisation Esa setzt dabei auf Bremer Expertise.
Die Esa hat den Auftrag für die Asteroidenmission und die Entwicklung der „Ramses“-Sonde (Ramses steht für Rapid Apophis Mission for Space Safety) an OHB Italia vergeben, ein Tochterunternehmen des Bremer Raumfahrt– und Technologiekonzerns OHB. Der jüngst unterzeichnete Vertrag hat nach OHB-Angaben einen Wert von 81,2 Millionen Euro und „markiert den Beginn der Bau‑, Integrations- und Testphase der Raumsonde“. Zusammen mit dem 2024 geschlossenen Vorbereitungsvertrag steige das Auftragsvolumen für den Bremer Konzern auf rund 150 Millionen Euro, heißt es.
„‚Ramses‘ muss 2028 starten, um den Asteroiden ‚Apophis‘ rund zwei Monate vor seinem Vorbeiflug an der Erde erreichen zu können“, sagt OHB-Vorstandschef Marco Fuchs. „Mit ,Hera‘ haben wir gemeinsam mit der Esa bereits bewiesen, dass wir schnell sein können – umso mehr freut es mich, dass wir die Hera-Heritage nun so schnell wieder einsetzen können.“ Fuchs war dabei, als die Raumsonde am 7. Oktober 2024 an Bord einer Falcon-9-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ins All startete, und hat seitdem die Reise mitverfolgt. „Hera hat bisher alle Manöver mit Bravour absolviert, und wir sind sehr gespannt auf die Ankunft an ihrem Ziel Ende des Jahres.“ Ziel der Mission ist das Doppelasteroidensystem „Didymos“/„Dimorphos“. Die Esa erhofft sich, durch Untersuchungen Erkenntnisse für die planetare Verteidigung zu gewinnen.
„Ramses“ profitiert von „Hera“
„Ramses“ entsteht laut OHB auf Basis der „Hera“-Mission. „Hera“ sei in vier Jahren fertiggestellt worden – üblich sei für eine „Mission dieser Komplexität“ die doppelte Zeit, sagt eine OHB-Sprecherin. „Ramses“ soll einen neuen Rekord aufstellen. Laut Fuchs muss die Sonde „in dreieinhalb Jahren entwickelt, gebaut und getestet werden“. Dies sei nur möglich durch das umfassende „Hera“-Erbe und „die Wiederverwendung zahlreicher Technologien, die den anspruchsvollen Missionszielen angepasst werden“.
„Apophis“ soll den Berechnungen zufolge am Freitag, 13. April 2029, in 32.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeiziehen – dichter als die Wettersatelliten der dritten Meteosat-Generation, die aus 36.000 Kilometern Entfernung unseren Planeten im Blick haben. Die „Ramses“-Mission solle den 375 Meter großen Asteroiden vor, während und nach dem Vorbeiflug optisch und gravitativ vermessen, heißt es. Zwei mitgeführte Cubesats (Kleinsatelliten in Würfelform), darunter ein Lander (Landesonde), sollen das Schwerefeld bestimmen und seismische Messungen auf der Oberfläche durchführen.
„Aphosis“ ist dichter an der Erde als Wettersatelliten
„Mit ,Ramses‘ und ,Hera‘ behaupten wir unseren Spitzenplatz im Bereich ,Planetary Defence‘“, sagt Fuchs. „Der Schutz der Erde vor Gefahren von außen nimmt bei OHB einen sehr hohen Stellenwert ein.“ Die Daten und Erkenntnisse der Mission sollen letztlich helfen, zukünftige Gefahren durch erdnahe Asteroiden präziser einzuschätzen und effektive Ablenkmanöver zu planen. „Mit ,Ramses‘ stärkt Europa seine Fähigkeiten im Bereich der planetaren Sicherheit“, ergänzt der OHB-Vorstandschef.