- Die iranische Autorin Sima Falah schreibt in ihren Romanen über das Leben und die Repressionen von Frauen im Iran und musste wegen ihrer Texte aus dem Land fliehen.
- Sima Falah und ihre Schwester berichten, dass Frauen im Iran keine Rechte haben und Demonstrationen gegen das Regime brutal niedergeschlagen werden, laut Aussagen wurden „40.000 Menschen getötet“.
- Sima Falah betont, ihr Buch sei gegen die iranische Regierung gerichtet und thematisiere, wie Frauen gezwungen und ihrer Rechte beraubt werden; sie floh mit ihrer Tochter unter großer Angst nach Deutschland.
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Sie liebt einen anderen, und der andere liebt sie. Heiraten aber dürfen sie nicht. In die Ehe geht die junge Frau stattdessen mit einem Mann, vor dem sie der Ekel packt. Die Familie will es so. Weil sie den anderen für gottlos hält. Eine Ehe mit ihm würde gegen die Familienehre verstoßen. Die Mutter, deren größte Sorge es ist, dass ihre 17-jährige Tochter noch immer unverheiratet ist, hofft, dass sich bei den regelmäßigen Besuchen in der Moschee der „richtige Mann“ finden wird. Bald darauf bahnt sich die Ehe an – und mit ihr eine Tortur.
Die Geschichte der jungen Zahra ist die Geschichte unzähliger Frauen im Iran. Sie ist fiktiv, könnte aber genauso Realität sein. Zahra ist die Hauptfigur in einem Roman der Autorin Sima Falah. Geschrieben hatte sie ihr Buch im Iran. Dort lebte sie, bis ihr die Zeilen ihres Romans zum Verhängnis wurden. Sima Falah musste fliehen. Heute lebt die 40-Jährige in Bremen-Nord, lernt die deutsche Sprache und schreibt weiterhin Bücher.
„Sie ist einigermaßen wieder auf den Füßen“, erzählt ihre Schwester, die bereits im Jahr 2013 nach Deutschland kam. Auch wenn sich die traumatischen Erlebnisse nicht abstreifen lassen. „Aber jetzt“, sagt die Schwester, „hat sie wieder mehr Motivation, Bücher zu schreiben, in denen sie die Situation im Iran schildern will.“ Sie möchte berichten, was es für Frauen bedeutet, unter dem Diktat einer von Männern dominierten Regierung zu leiden. „Frauen haben dort keine Rechte“, sagt Sima Falah. „Wer gegen die Regierung ist, wird vergewaltigt und getötet.“
Seit Wochen gibt es schockierende Nachrichten aus dem Iran. Proteste gegen die Regierung wurden brutal niedergeschlagen. Die Bilder ermordeter Demonstranten gingen um die Welt. Die Autorin und ihre Schwester sprechen von „40.000 Menschen, die getötet wurden“. Auch Sima Falah musste den Tod fürchten. Sie gehörte zu den Demonstranten, die auf die Straße gingen, nachdem die 23-jährige Mahsa Amini 2022 gewaltsam zu Tode kam, als die iranische Sittenpolizei sie wegen „unislamischer Kleidung“ festgenommen hatte. Sima Falah wurde bei einer Demonstration „mit Zwang in ein nicht offizielles Gefängnis gebracht und geschlagen“. Man habe ihr gedroht, „dass die ganze Familie getötet wird“, sollte sie wieder an einer Demonstration teilnehmen.
„Obwohl ich wusste, dass ich in Gefahr sein könnte, habe ich die Bücher trotzdem geschrieben, um zu zeigen, was es bedeutet, als Frau keine Rechte zu haben“, berichtet die Autorin, deren erstes Buch noch ein Sachbuch über Entspannungsmethoden war und über die Frage, wie man mit Stress umgeht. Aber schon in den beiden folgenden Büchern, die eine Freundin der Autorin auf Youtube lesend präsentiert, geht es um die iranische Regierung und „was sie momentan mit den Menschen macht“.
Dazu kommt eine weitere Brisanz. Die Hauptfigur ihres Romans, die junge Zahra, deren verhasster Ehemann für den Geheimdienst arbeitet und junge Frauen vor ihrer Hinrichtung noch vergewaltigt, weil sie Jungfrauen sind und „das Gesetz der Islamischen Republik es so verlangt“, muss befürchten, gesteinigt zu werden, weil sie des Ehebruchs bezichtigt wird. Rettung findet Zahra im christlichen Glauben und Sicherheit schließlich mit der Flucht nach Deutschland. „Der sonnige Weg zu Jesus“ hat Sima Falah als Titel für ihren Roman gewählt. „Im Iran“, sagt sie, „würde man sofort ins Gefängnis kommen oder getötet, wenn man dort die Religion wechseln möchte.“
Die Autorin musste angesichts ihres Textes vorsichtig sein. Aber ein Leser ihres Romans, dem sie vertraute, hat sie verraten. „Daraufhin wurde ich verfolgt und musste mich verstecken“, blickt sie zurück. Jemand habe bei ihr zu Hause eingebrochen und Handys und Computer mitgenommen. Vor dem Haus hätten Autos gestanden, um sie zu überwachen. Innerhalb von zwei Tagen fasste Sima Falah den Entschluss, zusammen mit ihrer kleinen Tochter zu fliehen. Ihr Ehemann brachte beide bis zur türkischen Grenze, wo Mutter und Tochter in einem Versteck eines Wagens den Iran verlassen konnten. Von dort aus gelang es ihnen, nach Deutschland zu fliegen. Es war eine Flucht unter großer Angst, erzählt die Autorin. Die größte Sorge galt ihrer Tochter. „Ich wollte, dass mein Kind in Sicherheit weiterlebt.“
Ihr Buch richte sich nicht gegen den Islam, betont Sima Falah, sondern gegen die iranische Regierung. Inzwischen herrscht im Iran Krieg, der mächtigste Mann des Landes, der fast vier Jahrzehnte an der Macht war, wurde getötet. „Mir geht es darum, dass Frauen selbst entscheiden dürfen, wie sie leben wollen“, sagt die Autorin. Sie möchte schildern, „was es bedeutet, wenn ein Leben kaputtgeht“, was es bedeutet, gezwungen zu werden und als Frau ausgeliefert zu sein. „Den Frauen sind sämtliche Rechte genommen worden.“ Diese müssten sie sich zurückerobern, heißt es im Vorwort des Romans. Dafür setzt die Autorin sich ein.
Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.
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