Knapp zwei Jahre, bis Ende 2027, soll die aufwendige Sanierung der B76 unmittelbar hinter Plön dauern. Das stand bereits fest, als die Arbeiten Anfang Februar starteten. Doch zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass es einen zweiten Bauabschnitt geben wird. Jetzt hat die Landesregierung bekanntgegeben, dass sich der zweite Abschnitt praktisch nahtlos an den ersten anschließen soll – und löste damit prompt Kritik aus.

SPD Schleswig-Holstein fordert Zeitplan-Änderung

Die Landes-SPD forderte eine Änderung des Zeitplans. Hintergrund ist die gleichzeitig stattfindende Sperrung der Bahnstrecke Kiel – Lübeck im Abschnitt zwischen Kiel und Preetz von Juli bis Dezember 2027. „Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts der B76 braucht es eine Pause“, forderte der Kieler Oberbürgermeister und SPD-Landeschef Ulf Kämpfer.

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„Hilft niemandem“: B76 bei Plön und Bahnstrecke Kiel – Preetz dicht

Die Maßnahmen müssten entzerrt werden, statt die Belastung zu verdoppeln. Der Ausbau der Bahnstrecke sollte deshalb um ein halbes Jahr verschoben werden, um die entstehende Pause bei der B76-Sanierung für die Bauarbeiten auf der Bahnstrecke zu nutzen. Erst danach sollte nach Vorstellungen der SPD der zweite Bauabschnitt der B76 beginnen. „Gute Projekte werden nicht dadurch besser, dass man sie zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt umsetzt“, sagte Kämpfer. Wenn Straße und Schiene gleichzeitig dicht seien, helfe das niemandem und am wenigsten den Pendlern.

In der Vergangenheit hatte die Landesregierung erklärt, das Zeitfenster für den Bahnstreckenausbau Kiel – Preetz sei durch diverse Faktoren begrenzt, da eine zeitliche Parallellage zu anderen Großprojekten, wie der FBQ-Hinterlandanbindung Bad Schwartau und der Generalsanierung Hamburg – Lübeck, ausgeschlossen werden sollte. Zudem seien nach Auskunft der Bahn spätestens 2027 dringende Instandhaltungsarbeiten erforderlich. Diese würden auch ohne Streckenausbauarbeiten umfangreiche Sperrungen im Jahr 2027 bedingen.

Vorarbeiten für 2. Bauabschnitt auf B76 sollen im Januar 2028 starten

Zuvor hatte das Verkehrsministerium auf eine Kleine Anfrage von Ostholsteins Landtagsabgeordnetem Niclas Dürbrook (SPD) erklärt, dass die Straßenbauarbeiten für den zweiten Bauabschnitt im März 2028 beginnen sollten. Die Vorbereitungen würden jedoch schon früher anlaufen. So ist geplant, Bäume und Sträucher, die den Bauarbeiten im Weg sind, von Januar bis Ende Februar 2028 abzuholzen.

Auch für den zweiten, 3,6 Kilometer langen Bauabschnitt werde mit einer Bauzeit von zwei Jahren kalkuliert, teilte das Verkehrsministerium mit. Dort komme, wie im ersten, 2,14 Kilometer langen Abschnitt ebenfalls eine Spezialbauweise mit EPS-Hartschaumblöcken (Styropor) zum Einsatz. Grund ist die mangelnde Tragfähigkeit des Untergrunds.

B76 in Plön gesperrt: Umleitung bleibt bis 2030 gleich

Für Autofahrer wird sich durch den nahtlosen Übergang zum zweiten Bauabschnitt Anfang 2028 praktisch nichts ändern. „Nach derzeitigem Planungsstand geht der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) davon aus, dass für den 2. Bauabschnitt die gleiche Umleitungsstrecke wie für den 1. Bauabschnitt genutzt werden wird.“ Diese bedeutet einen Umweg von 17 Kilometern.

Mit den bisherigen Erfahrungen mit der Umleitung zeigte sich das Verkehrsministerium zufrieden. „Die ersten Tage mit Vollsperrung auf der B76 zeigen, dass die gewählte Umleitungsstrecke und das Verkehrskonzept mit großräumiger Umleitung auf der A1 bis Oldenburg zur B202 gut funktioniert.“ Keine Erwähnung findet, dass viele Autofahrer über Rathjensdorf, Lebrade und Lepahn abkürzen, wie es auch von Routenplanern wie Google Maps empfohlen wird.

Gespräch mit Polizei und Verkehrsbehörde zur B76-Umleitung im März

Vereinzelt seien Anpassungen, etwa an der Beschilderung, Lichtsignalanlagensteuerungen oder durch Ergänzung von Verkehrsbeschränkungen, vorgenommen worden. Weitere Optimierungen würden, sofern erforderlich, in Abstimmung mit der Polizei und der Verkehrsbehörde nachgezogen. Hierzu werde es Ende März einen weiteren Besprechungstermin geben.