Am 24. Februar lud a3kultur gemeinsam mit Treffpunkt Architektur Schwaben zur Podiumsdiskussion »Wohnen – Impulse für Augsburg« in den Moritzsaal.

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, der Augsburger Wohnungsmarkt angespannt – und dennoch bewegt sich etwas. Rund 100 Gäste verfolgten das Gespräch mit den Spitzenkandidat*innen Eva Weber (CSU), Florian Freund (SPD), Martina Wild (Bündnis 90/Die Grünen) und Hannes Aigner (Freie Wähler). Moderiert von Frank Lattke und Roman Adrianowytsch strukturierten vier Expert*innen – Hilde Strobl, Bü Prechter, Markus Deurer und Titus Bernhard – die Diskussion mit gezielten Impulsen.

Stadtqualität und Wohnumfeld

Den Auftakt setzte Architekturhistorikerin Hilde Strobl mit der Frage nach Strategien für ein qualitätvolles Wohnumfeld. Martina Wild plädierte für eine Stadt der kurzen Wege, für Innen- statt Außenentwicklung sowie für eine klimagerechte Stadtplanung mit mehr Begrünung, Solardächern und dem Rückbau von Parkplätzen zugunsten der Fahrradinfrastruktur. Hannes Aigner sprach sich für eine grünere, lebenswertere Innenstadt aus – mit mehr Spielmöglichkeiten, Gastronomie, konsumfreien Orten und einem kostengünstigen ÖPNV. Florian Freund ergänzte, Funktionalität müsse neu gedacht werden: Kulturelle Orte, Bildungseinrichtungen und Wohnnutzungen sollten wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. Eva Weber verwies auf das bestehende Stadtentwicklungskonzept, dessen Grundstrukturen tragfähig seien und konsequent weiterentwickelt werden müssten.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Landschaftsarchitektin Bü Prechter fragte nach Visionen für eine nachhaltige Wohnraumentwicklung. Hannes Aigner betonte die Notwendigkeit, laufende Bauvorhaben umzusetzen und insbesondere den Sozialwohnungsbau voranzutreiben – regulatorische Maßnahmen wie ein Mietendeckel seien hingegen bürokratisch aufwendig und könnten den Markt langfristig schwächen. Florian Freund forderte: bauen, bauen, bauen – höher und dichter, mit beschleunigten Genehmigungsverfahren. Eva Weber mahnte, dabei nicht an Qualität zu sparen: Grünflächen dürften dem Baudruck nicht zum Opfer fallen, wirtschaftliche Machbarkeit müsse stets mitgedacht werden. Martina Wild schloss sich an und ergänzte, Kinderstadtteilpläne lieferten wertvolle Perspektiven für die Stadtentwicklung; auch die Digitalisierung der Genehmigungsverfahren zeige bereits Fortschritte.

Eigentum und Teilhabe

Bauunternehmer Markus Deurer richtete den Blick auf die Frage: Wem gehört die Stadt? Florian Freund betonte, Teilhabe müsse für alle ermöglicht werden, günstigeres Wohnen solle gegenüber rein gewerblichen Interessen Vorrang haben. Eva Weber sprach vom Aushandeln, Moderieren und Beraten – Leerstand müsse aktiviert werden, zudem brauche es Offenheit für neue Ideen, um eine Stadt für alle zu gestalten. Martina Wild unterstrich, bezahlbares Wohnen entstehe nur im Zusammenspiel aller Akteur*innen: Stadt, Wohnbaugruppen und Investor*innen. Konzeptvergaben und Umbauberatungen seien bewährte Instrumente, um Leerstand nicht nur in Wohnraum, sondern auch in Orte für Bildung und Begegnung zu verwandeln. Hannes Aigner plädierte für einen offenen Dialog und einen pragmatischen Blick – auch auf südeuropäische Modelle verdichteten Bauens.

Rollenverständnis der Stadt

Den Abschluss bildete die Frage von Architekt Titus Bernhard nach dem Rollenverständnis der Kandidierenden. Eva Weber beschrieb die Rolle der Stadt als vielschichtig: Planungshoheit, Schiedsrichterin, Vermittlerin in Interessenkonflikten. Die Kommunikation in den relevanten Netzwerken habe sich in Augsburg in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert. Martina Wild betonte die Bedeutung partnerschaftlichen Austauschs auf Augenhöhe sowie die Offenheit für Konzepte anderer Städte. Hannes Aigner forderte pragmatische Lösungen, die Augsburg wirtschaftlich stark und zugleich lebenswert halten. Florian Freund sah die Rolle der Oberbürgermeister*in darin, unterschiedliche Ideen zusammenzubringen und als Katalysator zu wirken – durch Moderation und intensiveren Austausch mit anderen Kommunen.

Die Veranstaltung zeigte: Der Wille, Augsburg weiterzudenken, ist da. Und das funktioniert nicht im Alleingang. In vielen Punkten sind sich die Spitzenkandidat*innen einig – jetzt müssen dem Willen Taten folgen.