• In der neuen Sonderausstellung im Chemnitzer Museum Gunzenhauser dreht sich alles ums Essen.
  • Die Schau „Feinkunsthalle“ zeigt Kunstwerke aus der eigenen Sammlung vom 19. Jahrhundert bis heute.
  • Es ist die erste von drei Ausstellungen im Themenjahr „Mahlzeit!“.

Ein Gang wie im Supermarkt: Obst und Gemüse, eine Bäckerei, eine Fleischtheke – und kurz vor dem Ausgang noch schnell ein Päckchen Kaugummi. Nur: Verkauft wird hier nichts. Stattdessen hängen Ölbilder, Plakate und Fotografien an den Wänden und Videos werden projiziert. „Wir haben dabei die räumliche Struktur eines Supermarkts gewählt, weil der Supermarkt für die meisten Menschen heutzutage der zentrale Ort des Zugangs zu Nahrungsmitteln ist“, erklärt Pauline Tigges, Kuratorin der Ausstellung „Feinkunsthalle“ im Chemnitzer Museum Gunzenhauser.

Gleich am Eingang hängt ein Ölbild von Osmar Osten. „Eiersalat“, liest man in crèmegelben Lettern und dann in blauen: „tut gut“. Kuratorin Tigges erläutert: „Er sammelt Sprüche und Aussagen in seinem alltäglichen Umfeld und verarbeitet die in seiner Kunst“.

Ausstellung über Essen und große Debatten

Die nächste Abteilung zeigt Backwaren: Kurt Teubner, Sohn eines Holzschnitzers aus Aue, erinnert sich 1972 in seinem Ölbild „Acht Löffel und eine Schüssel Milchsuppe“ an die Armut seiner Kindheit. Gleich daneben: Ein alter Mann hält einen Brotlaib in den Händen. Es ist ein Ölgemälde von Heinrich Burkhardt.

Der Künstler aus Altenburg, dessen Frühwerk von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert und beim Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 zerstört wurde, malte es 1950. Brot, eigentlich kein Symbol für Überfluss und Reichtum, aber fünf Jahre nach Kriegsende ein starkes, ikonisches Motiv, das viele Assoziationen freisetzt.

Essen ist etwas, was uns alle angeht. Es spiegelt kulturelle, politische, gesellschaftliche Diskurse wider.

Anja Richter, Direktorin Museum Gunzenhauser

„Essen ist etwas, was uns alle angeht“, meint Anja Richter, Direktorin des Museums Gunzenhauser. „Es spiegelt kulturelle, politische, gesellschaftliche Diskurse wider.“ Und die finden sich in allen Zeiten. Bei Jörg Herold und seinem Plakat für die Leipziger Ausstellung „Bewurstsein“ – ein provokantes Wortspiel für die späte DDR, in der das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmen sollte.

Fundstücke aus den Chemnitzer Sammlungen

Die Chemnitzer Ausstellung spannt einen weiten zeitlichen Bogen: Neben Stillleben des 19. Jahrhunderts sind Werke der klassischen Moderne zu sehen, etwa von Alexej von Jawlensky, Paula Modersohn-Becker oder Otto Dix. Dazwischen tauchen immer wieder überraschende Perspektiven auf: Jan Kummers kulinarische Hinterglasmalerei, eine kleine Skulptur eines Chemnitzer Fleischermeisters, Zeichnungen aus dem trinkfreudigen Kutschermilieu.

Oder – ganz delikat – ein Kohlkopf mit eisig kristallinen Strukturen, in der Weltwirtschaftskrise der 1920er-Jahre vom niederländischen Künstler Piet Zwart. Direkt daneben hängt ein leuchtend farbiger Kohl, den Karl Schmidt-Rottluff 1906 gemalt hat.

Ausgangspunkt für das Themenjahr „Mahlzeit!“ waren laut Anja Richter die eigenen Chemnitzer Kunstdepots. Überraschend viel zum Thema Essen fand sich in den Chemnitzer Beständen. Im Sommer folgt eine Ausstellung über Geschlechterrollen und Essen – und darüber, wer kocht, serviert oder versorgt. Im Herbst folgt der dritte und letzte Teil des Themenjahres, in dem es unter dem Titel „Zu Tisch“ um Esskultur und -traditionen geht.