
AUDIO: Mit Klöppelspitze die Korallen retten: Ausstellung in Hannover (4 Min)
Stand: 07.03.2026 08:54 Uhr
Im Museum für textile Kunst in Hannover zeigt der französische Künstler Jérémy Gobé seine geklöppelten Korallen-Skulpturen – zum allerersten Mal in Deutschland.
Alles beginnt in einem Second-Hand-Shop. Dort sieht Jérémy Gobé zum ersten Mal eine Koralle: ein weißes, kunstvoll geformtes Gerippe: „Ich fand die Koralle unter einem Tisch. Kein Mensch wusste, warum sie dort lag. Ich war sofort fasziniert, habe angefangen alles über Korallen zu lesen und zu lernen.“
Es folgten erste Skulpturen: Korallen aus Garnen und Stoffen. Bei der Arbeit an einer neuen Installation, für die er sich vor Ort, bei einem Kunstmuseum in Frankreich inspirieren lässt, entdeckt er eine jahrhundertealte Handwerkskunst: Klöppelspitze. „Da ist mir aufgefallen, dass das Muster dieser Spitze genau so aussieht wie die Korallen-Oberfläche meiner Skulptur. Das war ein riesiger Heureka-Moment und der Anfang einer Idee: Meiner Lösung zur Rettung der Korallen.“
Leidenschaft für Kunst und Wissenschaft zusammenführen
Jérémy Gobé fängt an zu experimentieren. Er legt die Klöppelspitze über lebende Korallen – und tatsächlich: Die Larven der Korallen siedeln sich an der Spitze an. Endlich kann der 39-Jährige seine Leidenschaft für Kunst und Wissenschaft zusammenführen. „Kunst und Wissenschaft waren schon immer verbunden, denken wir an die Renaissance.
Damals haben sich Künstler ganz selbstverständlich in unterschiedlichen Disziplinen weitergebildet – Wissenschaft war eine davon“, erklärt Jérémy Gobé. „Heute erleben wir klimatische, soziale Herausforderungen. Die Welt braucht unser Engagement. Ich will zeigen, dass die Verbindung von Kunst und Wissenschaft uns dabei unterstützen kann.“
Erst Sensibilisierung – dann Lösungsvorschläge
Jérémy Gobé gründet die Initiative „Corail Artefact“. Seine Idee: Erst Sensibilisierung mit der Kunst. Dann: Lösungsvorschläge. Konkret sieht das so aus: Im Museum für textile Kunst hat der 39-Jährige eine komplette Wand mit einem Jacquard-Stoff überzogen. Geschwungene schwarz-blaue Linien und buckelige Rundungen: Eine Hirnkoralle erobert den Raum.
Es ist ein frei hängendes Korallenskelett mit bunten Fäden, die sich zu spinnwebenartigen Korallenstrukturen verknotet haben. Die Skulpturen sind in blaues Licht getaucht, es ist auch recht kühl – fast so, als befänden wir uns unter Wasser. Kunst zum Anfassen, lacht Jérémy Gobé, und meint es wörtlich.
Wissenschaftliches Arbeiten Teil der Ausstellung

Jérémy Gobé vor seinem gewebten Korallenriff.
Aber auch wissenschaftlich geht es bei „Lace is more“ zu, so der Titel der Ausstellung. So wird ökologischer Beton gezeigt, der aus Muschelabrieb hergestellt wird. Ein Material, an dem sich neue Korallen anheften können. Zudem hat Jérémy Gobé einen Faden aus Bakterien entwickelt. Dieser Faden ist nicht nur biologisch abbaubar, er liefert den Korallen auch Nahrung. Der Franzose stellt ihn mit dem 3-D-Drucker her – das kann man sich in der Ausstellung ansehen.
Den Faden verarbeitet er dann zu Spitze. Sie wird über die Korallen gelegt, wie eine Stütze. Wenn die Korallen dann einmal im Jahr ihre Eier legen, hilft die Spitze, diese Eier an die Koralle zu heften. Sie kann sich dadurch besser regenerieren. Normalerweise werden nämlich 70 Prozent der Larven weggespült und enden als Fischfutter. Die Spitzendecke verringert diesen Prozentsatz.
Vision als Antrieb
Die Tests im größten Aquarium Europas, im Nausicaá, in Nordfrankreich, waren erfolgreich. Mittlerweile liegt die biologische Spitze aber auch real im Meer, auf Korallenriffen in Kolumbien, erzählt Jérémy Gobé. Seine Vision: „Ich will die Korallen auf der ganzen Welt retten, klar. Aber was mir gerade besonders gefällt, ist, dass ich mit dem Projekt und mit Vermittlungsarbeit junge Menschen für die Korallen faszinieren kann. Sie haben dann hoffentlich Lust, sich ebenfalls zu engagieren. Das wird bleiben, auch wenn ich meine Vision nicht verwirklichen kann.“

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Mit Klöppelspitze die Korallen retten: Ausstellung in Hannover
Der französische Künstler Jérémy Gobé zeigt seine geklöppelten Korallen-Skulpturen zum allerersten Mal in Deutschland.
- Datum:
- 27.02.2026, 10:00 Uhr
- Ende:
- 28.02.2027
- Ort:
-
Museum für textile Kunst e.V.
Borchersstraße 23,
30559
Hannover