Herr Nikita Aleshin, Roboter sind in der Autoherstellung ja nichts Neues. Was ist denn das Besondere an diesem sogenannten „Physical AI“? Was ändert sich damit im Vergleich zur klassischen Automatisierung bei BMW in Leipzig?
Was sich vor allem bei den humanoiden Robotern verändert, ist der Formfaktor, also wie die Roboter ausschauen, die wir einsetzen. Die haben ein Aussehen wie ein Mensch. Aber im Endeffekt ist das, was sie antreibt oder das Spannende eigentlich die KI im Kopf des Roboters. Das sind die wesentlichen Unterschiede.
Warum wird ausgerechnet Leipzig das erste Werk in Europa, in dem diese Roboter in die Produktion integriert werden?
Leipzig hat hier zwei Kernaspekte. Der eine ist, Leipzig verbindet viele Technologien an einem Standort. Wir haben sowohl die Batteriefertigung, aber auch die Kunststoffexterieurfertigung im Haus und auch das gesamte Fahrzeug wird hier komplett gefertigt.
Und das zweite Thema, warum Leipzig für uns spannend ist: Leipzig hat eine sehr lange Robotik-Historie und hat einen sehr großen Pioniergeist, was frühe Anbahnungen an Robotik-Projekte betrifft.
Sie hatten angesprochen, was im Kopf des Roboters passiert. Was kann denn dieser humanoide Roboter, was bisherige Industrieroboter nicht können?
Ich muss das kurz einordnen. Mit „im Kopf“ meine ich die Software, die dieser Roboter durch sein KI-Fähigkeiten eigentlich mitbringt. Und die ermöglicht ihm, neue Aufgaben zu erfüllen, die wir jetzt in der Batteriefertigung erproben. Er wird Teile von einem Platz zum anderen fahren oder wird in der Exterieur-Spritzgussfertigung von einem Platz zum nächsten Platz fahren. Das sind seine Fähigkeiten, die er mit KI mitbringt. Und das ist eigentlich das Novum bei dem, was die heutigen Industrieroboter noch nicht können.
Welche Ziele verfolgt BMW mit diesem Pilotprojekt am Standort Leipzig kurzfristig oder vielleicht auch langfristig?
Wir sind Early Adopter für neue Technologien und Automatisierung. Wir versuchen, frühzeitig zu verstehen, wo wir Automatisierungstechnik sinnvoll einsetzen können. Uns geht es um Substanz, dass die Automatisierung wirklich Aufgaben löst, die für uns sinnvoll sind.
Es gibt zum Beispiel gerade jetzt Bilder von tanzenden Robotern in China. Das ist eigentlich genau das Konträre zu dem, was wir machen wollen. Uns geht es darum, dass wir möglichst immer wertschöpfende Tätigkeiten mit den Robotern durchführen können.
Das ist ein sehr schönes Bild, das sie eben hatten mit den tanzenden Robotern. Die sind ja schon den Menschen sehr ähnlich. Da stellt sich auch logisch die Frage: Gibt es Bedenken innerhalb der Teams in Ihrem Werk und wie schaffen Sie Akzeptanz für dieses Pilotprojekt?
Dadurch, dass wir sehr frühzeitig diese Technologie testen, bekommen auch unsere Mitarbeiter die Möglichkeit, früh mit dieser Technologie in Kontakt zu treten. Das nimmt auf jeden Fall die Angst, mit dieser Technologie umzugehen.
Und für mich war das auch so, muss ich ganz ehrlich sagen, als ich das erste Mal diese Technologie gesehen habe, fand ich das sehr inspirierend und futuristisch. Aber im Endeffekt ist das auch nur eine Maschine, die wirklich nur dem Zweck dient, das zu erfüllen, was sie tun soll: Teile einlegen oder Tätigkeiten durchführen, die für uns relevant sind.
Und das, was wir erproben und testen ist auf jeden Fall, dass wir Technologien nehmen, mit denen ein Mitarbeiter zusammenarbeiten kann. Sprich, dass es Kooperationsszenarien gibt. Und das war auch in den ersten Tests eigentlich sehr positiv rübergekommen.
Und die Beschäftigten müssen nicht fürchten, dass sie ersetzt werden?
Sie müssen sich nicht fürchten, dass sie ersetzt werden. Wir erproben diese Technik da, wo es notwendig ist. Und wir schauen, dass wir Kooperationsszenarien aufbauen, wo der Roboter mit den Menschen zusammenarbeitet und wir auch die Mitarbeiter entlasten in ihren monotonen Tätigkeiten oder in Tätigkeiten, die gewisse Sicherheitsanforderungen für den Prozess brauchen. Und das versuchen wir durch die Automatisierungstechnik.