Bielefeld/Stieghorst. So viele seien noch nie zusammengekommen, sagt Clemens Pues vom Umweltbetrieb und Orga-Team des Bielefelder „Cleanup Day“. Bei der vierten Auflage des stadtweiten Aktionstags gegen den Müll am 7. März griffen so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Greifzange wie in keinem anderen Jahr, darunter auffällig viele Kinder. Doch auch die Zahl der gefüllten Müllsäcke überstieg alle Erwartungen. Und die Freiwilligen finden so einiges, das in keinen Müllsack passt.

Sogar Autoreifen und Stühle hätten sie gefunden und gemeldet, erzählt Sarah Neitzel. Die 39-Jährige ist mit ihren beiden Nichten Alea (9) und Svea (6) zum dritten Mal beim großen Aufräumtag für Bielefeld dabei. Mit der Hillegosserin und den beiden Mädchen haben sich zuvor rund 40 Personen auf dem Stieghorster Marktplatz eingefunden, um Müllsäcke und Müllgreifer abzuholen – einer von zwölf Ausgabeorten des Umweltbetriebs.

Oberbürgermeisterin Christiana Bauer (CDU) ist mit Tochter und Partner Bernd Henrichsmeier – zugleich Stieghorsts Bezirksbürgermeister – zum gemeinsamen Müllsammeln in ihrem Heimatbezirk gekommen. Der Aktionstag sei unheimlich wichtig, so Bauer. „Auch für den Gemeinsinn.“ Angemeldet haben sich so auch 18 Eltern und Kinder der Kita an der Stettiner Straße. Zu den Jüngsten zählt der zweijährige Dean mit Vater Kevin Derin. Rund 250 junge Helfer, schätzt Pues, sind in diesem Jahr dabei. Und auch viele Vereine helfen mit.

Viele junge Bielefelder mit Grillzangen im Einsatz


Für Sarah Neitzel (39) und ihre Nichten Alea (9, l.) und Svea (6) ist der Aktionstag schon beinahe eine Familientradition. Sie sammelten in Stieghorst kräftig mit. - © Mike-Dennis Müller

Für Sarah Neitzel (39) und ihre Nichten Alea (9, l.) und Svea (6) ist der Aktionstag schon beinahe eine Familientradition. Sie sammelten in Stieghorst kräftig mit.
| © Mike-Dennis Müller

An die Kleinsten Müllsammler verteilen die Mitarbeiter des Umweltbetriebs (UWB), die ebenfalls freiwillig im Einsatz sind, große Grillzangen aus Holz, zu schwer sind noch die großen Greifer. Eine kurze Einweisung zur Sicherheit, dann geht es los.

Von 10 bis 12 Uhr suchen die Freiwilligen Straßenränder, Gehwege, Gebüsche und Rabatten nach dem ab, was andere unbedacht weggeworfen haben. Das größte Müllproblem ist dabei ein kleines: Unzählige Zigarettenstummel wandern in die Müllsäcke. „Wir haben aber auch einen ganzen Schnapsladen an Glasflaschen gefunden“, erzählt Neitzel später. Und sogar eine Unterhose haben ihre Nichten aus einem Gebüsch geholt.

1.380 Personen hätten sich in diesem Jahr zum „Cleanup Day“ angemeldet, sagt Pues. Das sei auch dem guten Wetter zu verdanken, aber die Tendenz stimme. Rund 1.300 kamen im Vorjahr, beim ersten Aktionstag 2022 waren es noch 400. „Sie sind dabei auch dort unterwegs, wo unsere Mitarbeiter nicht immer turnusmäßig hinkommen, das ist eine große Hilfe“, sagt Umweltdezernent Martin Adamski. „Da kommt keine Kehrmaschine hin.“ Vor allem um den kleinen Verpackungsmüll zu beseitigen, brauche es „jede Menge Hände“. Und für die zahlreichen Kippen. „Wenn Vögel das fressen, ersticken sie daran.“

Neuer Rekord: 1.100 Müllsäcke, Autobatterien, Grills und ein Zelt

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Das finale Ergebnis des Aktionstags ist ein großer Erfolg, der auch ernüchtert: Rund 1.100 Säcke voller Müll kommen an diesem Samstag (7. März) zusammen, rund 600 waren es noch im Vorjahr. Ein neuer Rekord. In allen Stadtteilen melden Helfer zudem wild entsorgten Schrott, den der UWB separat abfahren muss: „Mehrere Autobatterien, Stoßdämpfer, Grills, Gaskartuschen, elektrische Geräte wie eine Waschmaschine, Monitore, ein Pavillonzelt“, zählt Pues auf.

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Das Müllaufkommen in Bielefeld schätzt er allgemein als gleichbleibend hoch ein. Eindeutig zugenommen habe aber das Ablegen von Müll an Containerstandorten, so der Kaufmännische Betriebsleiter. Für die Zukunft überlegt der UWB den „Cleanup Day“ weiter auszuweiten: Eine Idee könne sein, DLRG und Feuerwehr zu motivieren, bei Tauchübungen zugleich die Gewässer freizumachen, so Pues. Und noch mehr Menschen, die mitmachen, wären schön, sagt Pues. „Da ist noch Luft nach oben.“

Tipp: Wer außerhalb des Aktionstags mithelfen möchte, die Stadt sauber zu halten, bekommt Unterstützung beim Umweltbetrieb. Hier kann man sich jederzeit die nötige Ausrüstung ausleihen. Das Angebot heißt „Clean Caddy“ – ein Einsatzwagen mit allen Materialien kann hier bestellt werden.

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