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CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel erklärt im Wahlkampf in Baden-Württemberg den Treibhauseffekt falsch. Bei einer Frage der Lehrerin, fährt er sie an.
Stuttgart – Ein Schulbesuch im Wahlkampf zur Landtagswahl in Baden-Württemberg kann harmlos wirken, bis er im Klassenzimmer vor laufender Kamera zum Stresstest wird. Genau das passiert CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel in einem Ausschnitt, den das ARD-Mittagsmagazin begleitet. Am Ende bleibt vor allem eine Szene hängen: ein fachlicher Patzer – und ein schroffer Satz an eine Lehrerin.
CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel (37) im Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg. Ein Schulbesuch sorgte zuletzt für Aufsehen. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Der Clip zeigt, wie schnell aus Politik zum Anfassen eine angespannte Begegnung werden kann. Denn die Fragen kommen nicht nur von Schülerinnen und Schülern, sondern auch aus dem Lehrerpult – und Hagel reagiert dabei zeitweise kurz angebunden.
Wahlkampf in Baden-Württemberg: Treibhauseffekt-Patzer im Klassenzimmer
Ausgangspunkt ist eine Bitte aus der Klasse: Hagel soll den Treibhauseffekt erklären. Er zögert kurz und sagt dann: „Zwischen der Erde und der Sonne ist die Atmosphäre. Und wenn die immer dünner wird, dann wird die Sonne immer heißer. Und der Grund dafür sind Abgase, CO₂, und das ist dieser Treibhauseffekt.“
Fachlich ist diese Erklärung so nicht korrekt, folgt man etwa der Darstellung auf der Homepage des Bundesumweltamts. Der Treibhauseffekt entsteht nicht dadurch, dass die Atmosphäre „dünner“ wird oder die Sonne „heißer“ wird. Vielmehr sorgen zusätzliche Treibhausgase wie CO₂ dafür, dass mehr Wärme in der Atmosphäre der Erde gespeichert bleibt. Weder Lehrerin Ulrike Petzold noch die Sprecherin des Beitrags korrigieren Hagels Darstellung in der Szene.
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Fotostrecke ansehenManuel Hagel im Wahlkampf: Schüler fragen nach Gemeinschaftsschule
Nach dem Klima-Exkurs wollen die Schülerinnen und Schüler über Schulpolitik sprechen. Ein Schüler fragt: „Wollen Sie die Gemeinschaftsschule abschaffen oder meinen, dass es weniger wird?“ Hagel antwortet knapp: „Nein.“
Auch auf die Nachfrage „Wollen Sie, dass die Gemeinschaftsschule ausgebaut wird?“ folgt lediglich ein weiteres „Nein“. Zur Begründung sagt der CDU-Politiker: „Weil wir für ein gegliedertes Schulsystem sind auf dem Niveau, wo wir jetzt sind. Und deshalb wollen wir eine Debatte über Qualität in den Schulen und keine neue Schulstruktur diskutieren.“
Lehrerin hakt nach – Hagel reagiert schroff
Hagel verweist im Gespräch auf einen Vorschlag seiner Partei im Landtagswahlkampf: Das letzte Kindergartenjahr soll zu einem Pflichtjahr werden, um Kinder besser auf die Schule vorzubereiten. Die Maßnahme würde für die Eltern kostenfrei sein.
Lehrerin Ulrike Petzold konfrontiert ihn daraufhin mit der grün-schwarzen Regierungsbilanz. „Seit zehn Jahren sind Sie doch in der Landesregierung. Deswegen wundert es mich, warum da so lange nicht reagiert wurde“, sagt sie. Hagel entgegnet: „Ja, aber was ist denn die Alternative, dass wir jetzt nichts machen?“ Petzold bleibt skeptisch und erwidert: „… dass es reines Blablabla war im Wahlkampf.“
Manuel Hagel blockt Lehrerinnen-Nachfrage ab: „Ich rede gerade mit dem Schüler!“
Auch das Thema Inklusion kommt zur Sprache. Auf die Frage eines Schülers erklärt Hagel in dem Ausschnitt des ARD-Mittagsmagazins: „Weil wir dazu wenig Stellen haben und zu wenig Lehrer ausbilden. Und das wollen wir korrigieren, dass wir hier mehr Lehrerinnen und Lehrer haben.“
Als Lehrerin Petzold anschließend erneut nachhaken will, reagiert Hagel deutlich schroff und unterbricht sie vor der gesamten Klasse: „Ich rede gerade mit dem Schüler!“ Der Ton im Klassenzimmer kippt damit sichtbar.
Hagels Wahlkampf in Baden-Württemberg unter Druck: Videos und Umfragen
Der Schulclip fällt in eine Phase, in der Hagel ohnehin mit Video-Debatten im Wahlkampf konfrontiert ist. Kurz vor der Landtagswahl am 8. März sorgte bereits ein acht Jahre alter Interview-Ausschnitt für Kritik, in dem Hagel über eine Schülerin mit „rehbraunen Augen“ gesprochen hatte.
Eine YouGov-Umfrage im Auftrag der dpa zeigt zudem mögliche Auswirkungen: Von den Befragten, die das Video kannten, sagten 47 Prozent, es beeinflusse ihr Bild von Hagel eher negativ. 13 Prozent berichteten von einem positiveren Bild, während 38 Prozent keinen Einfluss sehen. Gleichzeitig erklärten 48 Prozent der Befragten, von der Debatte nichts mitbekommen zu haben.
Steckbrief: CDU-Spitzenkandidat Hagel
Landtagswahl Baden-Württemberg: Enges Rennen zwischen Hagel und Özdemir
In Umfragen liegt die CDU vor der Landtagswahl nur knapp vor den Grünen. Das Rennen zwischen Hagel und Grünen-Kandidat Cem Özdemir gilt als offen. Auch in sozialen Medien wird der Wahlkampf intensiv geführt. Während Hagel auf Plattformen wie LinkedIn relativ stark performt, erreicht Özdemir auf Instagram und TikTok deutlich höhere Reichweiten, analysiert das Fachportal politik-kommunikation.de.
Der 37-jährige Hagel gilt innerhalb der Südwest-CDU als Aufsteiger, der politisch eine steile Karriere hingelegt hat – vom Sparkassen-Filialleiter über den Landtag bis zum Spitzenkandidaten. Beobachter sehen in ihm ein politisches Talent, kritisieren aber zugleich, dass seine Positionen im Wahlkampf teilweise vage bleiben.
In der Schlussphase verschärft sich zudem der Ton zwischen CDU und Grünen. In der CDU wird von einer „Schmutzkampagne“ gesprochen, während die Grünen diesen Vorwurf zurückweisen. Der Ausgang der Landtagswahl am 8. März bleibt damit offen. Die letzte Umfrage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 deutet einen Wahl-Krimi an. (Quellen: ARD-Mittagsmagazin, Bundesumweltamt, dpa, politik-kommunikation.de) (chnnn)