Bielefeld/Bad Driburg. Bielefelder Henrik Seltenheim hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Schon als Jugendlicher kämpft der heute 48-Jährige mit starkem Übergewicht. Schließlich setzten Pandemie, Homeoffice und der Verlust der Arbeitsstelle eine Abwärtsspirale in Gang. Der Maschinenbauingenieur nahm stark zu, verließ kaum noch seine Wohnung. Zum Schluss wog er rund 230 Kilo. Dann holte er sich Hilfe im Adipositaszentrum in Bad Driburg. Mit beeindruckendem Erfolg.

Die Erleichterung ist groß: genau genommen 108 Kilo. So viel hat Seltenheim seit Beginn seiner Behandlung im Referenzzentrum Adipositas Hochstift vor knapp einem Jahr abgenommen und damit sein Gewicht beinahe halbiert. Der 48-Jährige hat sich ins Leben zurück gekämpft. Das behandelnde St. Josef Hospital erklärt, wie das gelingen konnte.

Adipositas sei eine chronische Erkrankung, die weit über starkes Übergewicht hinausgehe, stellt die Klinik in einer Mitteilung klar. Die Krankheit beeinflusse Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität. Seltenheims Geschichte führe vor Augen, wie wichtig eine frühzeitige, professionelle und ganzheitliche Behandlung sei.

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Bielefelder verlässt kaum noch seine Wohnung

Denn die Gewichtsprobleme begleiten Seltenheim bereits seit seinem 13. Lebensjahr. Über viele Jahre hinweg habe er ein wiederkehrendes Auf und Ab erlebt, so das Adipositaszentrum. Phasen der Gewichtszunahme wechseln sich mit Abnehmphasen ab. Die Corona-Pandemie, der Rückzug ins Homeoffice und der Verlust seines Arbeitsplatzes nach einer Insolvenz setzen dem Maschinenbauingenieur zu, er zieht sich mehr und mehr zurück, meidet soziale Kontakte.

Seltenheim sagt: „Ich bin nach und nach immer antriebsloser geworden.“ Alleinlebend und ohne Motivation zu kochen, bestellt er damals immer häufiger beim Lieferservice, isst immer mehr. In dieser Zeit nimmt er so zu, dass selbst Treppen zur kaum überwindbaren Hürde wurden. Er kann nicht mehr schmerzfrei laufen, nicht mehr Autofahren.

Sein Schwager rät ihm schließlich dazu, sich im Adipositaszentrum des St. Josef Hospitals der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE) Hilfe zu holen. „Erst auf der Fahrt ins Krankenhaus ist mir richtig bewusst geworden, wie schlecht es mir ging“, sagt Seltenheim heute.

Aufgrund der Dringlichkeit erhält der Bielefelder kurzfristig einen Termin für eine Schlauchmagen-Operation. Die Zeit vor dem Eingriff sei von Nervosität, aber auch von der Hoffnung geprägt gewesen, wieder mobil und selbstständig zu werden und einen neuen Job zu finden, zu reisen.

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Bielefelder nimmt in vier Wochen 35 Kilo ab

Der erste große Erfolg stellte sich nur vier Wochen nach dem Eingriff ein: Seltenheim nimmt in der kurzen Zeit 35 Kilo ab. Ein Weg, der sich fortsetzt. Innerhalb nur eines Jahres kann der Bielefelder sein Körperwicht um beinahe die Hälfte reduzieren. Inzwischen fährt er wieder selbst Auto, geht täglich spazieren und hat eine Therapie wegen Diabetes abwenden können.„Ich spüre jeden Tag Verbesserungen. Es macht Spaß, den Erfolg zu sehen.“

Auch dank einer konsequenten Ernährungsumstellung und Physiotherapie. Denn die Operation ist nur ein Baustein von Seltenheims ganzheitlicher Behandlung im Kampf gegen Adipositas. Sein Verhältnis zum Essen hat sich grundlegend verändert: Der bewusste Umgang mit Eiweiß, neue Essensstrukturen und der Verzicht auf zugesetzten Zucker gehören nun selbstverständlich zum Alltag des Bielefelders dazu. „Aromen schmecken heute viel intensiver. Früher war ich durch das sehr fettige Essen vor allem salzige und süße Geschmacksrichtungen gewohnt – das hat vieles überdeckt.“

Seltenheims Geschichte mache deutlich, dass Adipositas eine ernst zu nehmende Erkrankung sei, die professionelle Unterstützung erfordere, sagt Chefarzt Florian Dietl von der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie (KHWE), der den Bielefelder bei seiner Behandlung begleitete. Der Mediziner macht Betroffenen Mut: „Mit einem interdisziplinären Behandlungskonzept, enger Begleitung und der Motivation der Betroffenen lassen sich nachhaltige Veränderungen erreichen.“

Seltenheim wieg heute noch 122 Kilogramm. Und er wartet auf seine nächste Operation, die den langfristigen Behandlungserfolg sichern soll. Durch einen Magenbypass. Sein Weg zurück in ein dauerhaft selbstbestimmtes und gesünderes Leben, er ist noch nicht zu Ende.

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INFORMATION

Info zum Adipositaszentrum

Bereits vor 16 Jahren hat das St. Josef Hospital in Bad Driburg nach eigenen Angaben mit der umfassenden Behandlung der Adipositas-Erkrankung begonnen. 2018 wurde die Klinik erstmals als Kompetenzzentrum zertifiziert, 2025 erfolgte die erneute Zertifizierung als eines von 20 Referenzzentren deutschlandweit.

Jährlich werden hier mehr als 2.000 Patientinnen und Patienten auf ihrem Weg begleitet – von der konservativen Therapie über Ernährungs- und Bewegungskonzepte bis hin zu chirurgischen Eingriffen wie Schlauchmagen- oder Magenbypass-Operationen sowie der anschließenden Wiederherstellungschirurgie.