Keine drei Jahre ist es her, dass der Regionalmarkt in der „Stanze“, einem ehemaligen Fabrikgebäude, eröffnet wurde. Die Stadt hatte mit dem Gemeinschaftsprojekt einer Agrargenossenschaft beim Innenstadt-Wettbewerb „Ab in die Mitte“ 20.000 Euro Preisgeld gewonnen. Doch nur Teile des Lebensmittelmarktes hatten funktioniert, wie Marco Metzler erklärt. Er ist in der Stadtverwaltung für Wirtschafts- und Tourismusförderung zuständig.

„Beim Mittagstisch im Imbissbereich im Regionalmarkt hat sich die halbe Stadt getroffen“, so Metzler. Imbiss und Tierfutter seien gut gelaufen. Aber davon alleine hätte der Markt auf Dauer nicht existieren können.

„Die regionalen, frischen Lebensmittel waren preislich auf einem sehr hohen Niveau. Es gab allgemein auf vielen Ebenen Preissteigerungen in den vergangenen Jahren. Das Geld ist knapper geworden. Wir haben gelernt, dass es nicht möglich war, das profitabel zu betreiben“, so das Resümee des Wirtschaftsförderers der Stadt.

Leerer Markt reißt Lücke

Im Schreibwarenladen Nothnagel nebenan im Einkaufspark „Stanze“ ist es schon zu spüren, dass die Kunden des Lebensmittelmarktes fehlen. Zum Glück hätten sie aber auch Geschäftskunden und Standards wie Lotto, Zeitungen und Paket-Shop, sagt Verkäuferin Katrin Stowasser. Vor allem für ältere Kunden sei der Regionalmarkt das einzige große Lebensmittelgeschäft in der Innenstadt gewesen, das ohne Auto oder Bus erreichbar gewesen war. So seien sie jetzt immer auf Hilfe angewiesen, um einkaufen zu fahren.

Mittagstisch läuft immer

Hinten im Gang der restlichen kleinen Ladenstraße im Park läuft eine rote LED-Laufschrift: „Mittwoch Schnitzeltag, Donnerstag Rippchentag. Das Auge isst mit“, heißt es da unter anderem in Dauerschleife. Wirtin Jacqueline Ufer hat es eilig. Sie muss den Mittagstisch in der „Bauernstube“ vorbereiten. Den Wegfall des Regionalmarktes habe sie vom Umsatz her nicht wahrgenommen. Schade sei es trotzdem.

300 Meter weiter auf dem Markt wurde in einige Schaufenster schon lange nicht mehr reingeblickt. In der früheren Drogerie stehen noch die leeren Verkaufsregale. Warum kommt hier kein neuer Nutzer rein – in ein Haus mit bester Lage am Markt? Am Mietpreis kann es nicht liegen: Ein Aushang im Fenster wirbt mit nicht mal 600 Euro Gesamtkosten für 195 qm Fläche.

Am Mietpreis liegt es nicht, das sieht auch Marco Metzler so. Die Kaufkraft in solchen Kleinstädten reiche einfach oftmals nicht aus, um genügend Umsätze zu erzielen. „Es sind jetzt Konzepte gefragt, die von der eigentlichen Laufkundschaft vor Ort unabhängig sind. Es wäre schön, wenn jemand einen erfolgreichen Onlinehandel betreibt und noch einen Raum braucht für stationären Verkauf.“

Die „Nische“ finden

Doch es gibt auch Spezialgeschäfte am Markt, die laufen gut. Ein Süßwarenladen zum Beispiel oder der Herrenausstatter Bellmann. Der hat sich spezialisiert auf Übergrößen. Das sind nicht nur Anzüge mit großem Bauchumfang. „Unser größter Kunde ist 2,24 Meter hoch. Der findet nirgends was, außer bei uns“, sagt Verkäuferin Diana Hartmann. Viele Kunden kämen von weiter her, sogar von der Ostsee hätten sie Stammkunden.

Gute Nachrichten für die „Stanze“

Im schwierigen Geschäft der Innenstadtbelebung wechseln sich Rückschläge und Fortschritte ab. Im lange geschlossenen Restaurant, zwei Häuser neben dem Rathaus gelegen, ist ein Handwerker zugange. Er sagt, hier mache bald wieder ein Restaurant auf.