Stand: 08.03.2026 12:49 Uhr
In Hannover-Stöcken hat Unternehmer Simyo Othmann das erste Bagger-Café eröffnet. Von Donnerstag bis Sonntag surren hier zwischen Sandbergen kleine Baumaschinen, während Gäste am Cappuccino nippen.
Besucherinnen und Besucher lenken ferngesteuerte Radlader und Bagger durch eine rund 20 Quadratmeter große Sandlandschaft. Am Eröffnungstag waren neben Freunden auch ein paar neugierige Nachbarn vorbeigekommen. „Natürlich ist ein neues Konzept auch ein Risiko. Wir sind gespannt, ob das Bagger-Café wirklich so gut ankommt“, sagt Othmann.
Gäste steuern Mini-Bagger durch 1,7 Tonnen Sand

Simyo Othmann hat das erste Bagger-Café eröffnet.
Wer ein Zeitfenster von 45 Minuten für zehn Euro bucht, bekommt eine Fernsteuerung und darf einen Mini-Bagger oder Radlader bedienen. Rund 1,7 Tonnen grober Bausand liegen im großen Indoor-Sandkasten. Zehn Maschinen stehen bereit, sodass mehrere Gäste gleichzeitig fahren können. Nach rund 50 Minuten sind die Akkus leer und müssen mehrere Stunden laden. „Es kann natürlich auch nur Kaffee getrunken oder nur gebaggert werden“, erklärt Othmann.
Ein Video über das Café ging viral
Auf die ungewöhnliche Geschäftsidee kam der 28-Jährige vor wenigen Monaten. Inspiration fand er bei Social Media, denn ein ähnliches Konzept gibt es bereits in einem Café in Dubai und in einem in London. Ein kurzes Video über das geplante Café sorgte schnell für Aufmerksamkeit: Fast eine Million Mal wurde es geklickt, und zahlreiche Anfragen erreichten den Betreiber. „Die hohen Klickzahlen sind zwar ein gutes Feedback, aber bedeuten nicht automatisch auch viele Besucher“, sagt er.
Von Syrien nach Hannover

In einem vorgebuchten Zeitfenster kann man an den Geräten spielen und sich Getränke bestellen.
Der 28-Jährige lebt seit 2021 in Hannover. Ursprünglich stammt Othmann aus Nordsyrien. Sein Fachabitur machte er in der Türkei, doch der Abschluss wurde in Deutschland nicht anerkannt. „Mein Plan, zu studieren, hat deshalb nicht funktioniert“, sagt er. Stattdessen begann er zu arbeiten und sammelte Kapital für eigene Projekte. Schon 2018 machte sich Othmann selbstständig. Er baute einen Onlinehandel auf, doch die ersten Jahre seien schwierig gewesen. Erst mit der Zeit habe sich das Geschäft stabilisiert.
Geschäftsideen mit wenig Konkurrenz
Bei neuen Projekten verfolgt Othmann eine klare Strategie. Er sucht nach Produkten oder Konzepten mit Nachfrage, aber wenig Angebot. In Hannover hat er vor ein paar Jahren ein sogenanntes Head-Spa eröffnet, bei dem Gäste Kopfmassagen buchen können. Auch hier orientierte sich Othmann an Trends aus dem Ausland. „In den Niederlanden war das damals schon ein Hype“, sagt er. In Deutschland gehörte sein Geschäft zu den ersten dieser Art und läuft nach eigenen Angaben weiterhin gut.
Bagger-Café für große Kinder
Das Bagger-Café sieht der Unternehmer als weiteres Experiment. Die Maschinen bestellt er direkt beim Hersteller und zahlt rund 300 Euro für ein Modell. „Ich habe zehn Stück bestellt, damit zehn Gäste gleichzeitig spielen können“, sagt er. Wichtig sei ihm gewesen, dass die Geräte stabil und vergleichsweise leise sind. Ursprünglich dachte Othmann, das Angebot sei vor allem für Kinder interessant. „Doch tatsächlich sind es 90 Prozent Erwachsene, die sich bei uns melden.“
Zweite Filiale denkbar
Für die nächsten Wochen hat er neben einem Kindergeburtstag auch Reservierungen für Junggesellenabschiede und Unternehmensausflüge. Wie sich das Konzept langfristig entwickelt, will der Unternehmer erst noch beobachten. „Ich möchte die ersten sechs Monate abwarten und sehen, wie die Nachfrage ist“, sagt er. Sollte das Bagger-Café gut laufen, könnte er sich vorstellen, das Konzept auszubauen. „Dann wäre vielleicht auch eine zweite Filiale in Hannover denkbar oder auch woanders in Deutschland“, sagt er.

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