Standdatum: 8. März 2026.
Autorinnen und Autoren:
Verena Patel
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Bei Frauen im Land Bremen waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Jahr 2024 die häufigste Todesursache.
Bild: dpa | Zoonar/Ben Schonewille
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Herzinfarkte und andere Krankheiten werden bei Frauen oft später erkannt. Schon im Medizinstudium muss sich einiges ändern, fordert eine Expertin.
Bei Frauen im Land Bremen waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Jahr 2024 die häufigste Todesursache, wie das Statistische Landesamt auf Anfrage von buten un binnen mitteilt. Mehr als ein Drittel der Sterbefälle (34,4 Prozent) wurde diesem Bereich zugeordnet. Damit bestätigt sich auch in Bremen ein Bundestrend. Zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören neben dem Herzinfarkt unter anderem auch Schlaganfall und Koronare Herzkrankheit.
Gleichzeitig gibt es Kritik an der Statistik. Denn sie basiert auf den Angaben von Ärzten auf den sogenannten Totenscheinen. Dort wird aber nur eine Ursache für den Tod abgefragt. Das heißt: Dahinter stehende Krankheiten der Verstorbenen tauchen möglicherweise nicht auf.
Medizin muss Unterschiede der Geschlechter berücksichtigen
Mo Urban, Referentin für Frauengesundheit bei der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) sieht Änderungen in der medizinischen Forschung und im Medizinstudium angebracht: Gendermedizin müsse verpflichtend in den Lehrplan aufgenommen werden, die Forschung zumindest mögliche Unterschiede der Geschlechter in den Blick nehmen.
„Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen heißt das, nicht nur die klassischen männlichen Symptome wie Armschmerzen und Druck auf der Brust zu lehren, sondern den Blick für die Symptome bei Frauen zu schärfen“, teilt sie auf Anfrage von buten un binnen schriftlich mit.
Ungleiche Symptome bei Herzinfarkten
Auch das Bremer Gesundheitsressort spricht sich für eine gendersensible Medizin aus. Zum Thema traf die Gesundheitsministerkonferenz 2025 einen entsprechenden Beschluss. Gerade beim Thema Herzinfarkt komme es zu Fehlinterpretationen von Beschwerden.
„Während die klassischen ‚männlichen‘ Herzinfarktsymptome, zum Beispiel stechender Brustschmerz, Schmerzen im linken Arm oder Kiefer, kalter Schweiß, oftmals geläufig sind, werden die ‚weiblichen‘ Symptome, zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Rückenschmerzen oft zunächst Magenverstimmungen, Muskelverspannungen oder Stress zugeordnet“, schreibt eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde auf Anfrage.
Klar ist: Eine an Männern ausgerichtete medizinische Forschung benachteiligt Frauen. Denn das schnelle Erkennen und Zuordnen von unterschiedlichen Symptomen bei gleichem Krankheitsbild oder die richtige Dosierung von Medikamenten sind entscheidend, und das muss auch für Frauen passgenau möglich sein.
Claudia Bernhard (Linke), Bremer Gesundheits- und Frauensenatorin
Ersthelfende scheuen sich bei Frauen eher vor Druckmassage
Frauen suchten außerdem später ärztliche Hilfe und ihre Beschwerden würden oft weniger ernst genommen, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Herzstiftung. Und noch ein Aspekt macht Notfallsituationen für Frauen schwierig: „Frauen haben schlechtere Chancen, im Rahmen von Erster Hilfe gerettet zu werden, da sich Ersthelfende eher scheuen, eine weibliche Brust für Druckmassage freizulegen“, teilt Urban mit. „Entsprechend muss auch an weiblichen Puppen mit Brust geschult werden, um Hürden abzubauen.“
Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
butenunbinnen.de, Dein Audio-Update, 6. März 2026

