Die Stichwahl ist eine Art demokratischer Zweikampf. Einer freilich, bei dem nicht selten einer der Duellanten, meist ein machtgewohnter Amtsinhaber, es als Zumutung empfindet, ihn überhaupt führen zu müssen. So hat sich zum Beispiel Münchens SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter seinem grünen Herausforderer Dominik Krause zu stellen, da der OB zu seinem erkennbaren Verdruss die absolute Mehrheit bei der Kommunalwahl verpasste. Also kommt es zur Stichwahl, die in Deutschland nur bei Bürgermeister- und Landratswahlen vorgesehen ist für den Fall, dass kein Bewerber oder keine Bewerberin mehr als die Hälfte der Stimmen erhält. Sie folgt in aller Regel 14 Tage später. Die beiden Kandidaten mit dem höchsten Stimmanteil stellen sich noch einmal zur Wahl, alle anderen sind aus dem Rennen. Nun gilt es, Wählerinnen und Wähler von Parteien, denen keiner der beiden angehört, zu gewinnen. So verhalf 2019 ein breites Bündnis der demokratischen Mitte dem CDU-Kandidaten in Görlitz zum knappen Sieg als Bürgermeister gegen einen Herausforderer der teils rechtsextremen AfD. In Frankreich gibt es sogar mögliche Stichwahlen bei der Wahl des Präsidenten.