Das Vera C. Rubin Observatory (VRO) hat ein neues Weitfeldteleskop auf dem Gipfel des Cerra Pachon in Chile in Betrieb genommen. Mit einem Durchmesser von 8,4 Metern vermisst das Teleskop in 2682 Meter Höhe das Universum mit bislang unerreichter Empfindlichkeit. Nun werden die gewaltigen Mengen an Daten, die dieses Teleskop aus den fernsten Regionen des Kosmos sammelt, der wissenschaftlichen Gemeinschaft in Echtzeit zugänglich gemacht. Dies geschieht über fünf Zugangsknotenpunkte – einer davon ist die AMPEL-Plattform. AMPEL – Alert Management, Photometry, and Evaluation of Light curves – wurde seit 2019 von der Arbeitsgruppe Experimentelle Astroteilchenphysik und Kosmologie am Institut für Physik der Humboldt-Universität zu Berlin entwickelt, um die Messdaten zu klassifizieren und so überhaupt für Forschende handhabbar zu machen. Gehostet wird die Plattform am DESY-Rechenzentrum in Zeuthen.
„Das neue Teleskop wird es uns erstmals ermöglichen, Zehntausende explodierender Sterne, die während Milliarden von Jahren im Laufe der Expansion des Universums entstanden sind, genau zu beobachten. Anhand dieser Daten können Astrophysiker:innen dann nicht nur die Entstehung des Universums nachzeichnen, sondern auch die Eigenschaften von Dunkler Materie und Dunkler Energie untersuchen, zwei mysteriösen Energiequellen, die die heutige Entwicklung des Universums dominieren“, sagt Jakob Nordin, der das Projekt an der HU leitet. „Angesichts der schieren Menge an Daten waren wir gezwungen, neue, auf Methoden des maschinellen Lernens basierende, Analysewerkzeuge zu entwickeln“, so Nordin weiter. „Daraus ist AMPEL entstanden – eine Plattform, auf der Wissenschaftler ihre Fragestellungen direkt als Analyseschema kodieren können.“ Durch die automatisierte Klassifizierung der Messdaten können Forschende gezielt Daten zu den Ereignissen herausfiltern, die sie für ihre Untersuchungen benötigen. AMPEL liefert Tests zufolge im Vergleich mit anderen Zugangspunkten die genaueste Klassifizierung.