Warwara Worontschichina hat als erste Sportlerin aus Russland bei den Winter-Paralympics in Italien eine Goldmedaille gewonnen. Zwei Tage nach Rang drei in der Abfahrt siegte die 23-Jährige in Cortina d’Ampezzo im Super-G der stehenden Klasse. Erstmals seit den Paralympics 2014 in Sotschi ist damit bei der Siegerehrung eines sportlichen Großereignisses nicht nur die russische Fahne gehisst, sondern auch die Hymne gespielt worden.
Wegen staatlich organisierten Dopings und vor allem wegen des seit vier Jahren andauernden Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine durften einzelne Sportler aus dem Land des Aggressors zuletzt allenfalls als neutrale Athleten antreten – ohne Flaggen, Symbole und Hymne. Gleiches galt für Belarus als Unterstützer der Invasion.
Das Internationale Paralympics Komitee (IPC) unter Führung des Brasilianers Andrew Parsons hatte den Bann im vergangenen September aufgehoben. Die vier Weltverbände für Ski und Snowboard, Biathlon, Curling sowie Para-Eishockey, die Wettbewerbe bei Paralympics austragen, sperrten sich zunächst dagegen. Doch der Internationale Sportgerichtshof (Cas) urteilte nach einem Einspruch Russlands, dass der pauschale Ausschluss nicht rechtens ist. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hatte die Zulassung russischer Athletinnen und Athleten mit allen Symbolen kritisiert.
Hinter Aurelie Richard aus Frankreich und der Schwedin Ebba Aarsjoe wurde Andrea Rothfuss als Vierte beste Deutsche. Im Super-G der sitzenden Klasse schied die Monoskifahrerin Anna-Lena Forster aus. Zwei Tage nach ihrem Abfahrtssieg erwischte die 30-Jährige auf der Tofana-Piste einen zu weiten Sprung und verpasste ein Tor. An diesem Dienstag hat Forster die nächste Chance auf eine Medaille in der Super-Kombination.