Für das Jahr 2026 haben die deutschen Landesmusikräte das Akkordeon zum „Instrument des Jahres“ gekürt. Grund genug, das Instrument und seine vielen Facetten näher zu betrachten und über seine Musik zu berichten. In Wuppertal gibt es drei Akkordeon-Ensembles. Zwei von ihnen – die Wupperspatzen und Villakkordeon – proben gemeinsam. Die Reporterin der WZ durfte eine Probe besuchen und wurde vom Instrument des Jahres sehr beeindruckt.
Im CVJM-Haus am Langerfelder Hedtberg ist flotte Musik zu hören. „Easy Lover“ von Phil Collins wird geprobt. Im Raum spielen etwa 20 Akkordeonisten, einige Gitarristen, eine Flötistin, ein Perkussionist. Oliver Kruck – Dirigent des Ensembles – spielt Schlagzeug. Kurz darauf wird er jedoch abgelöst und leitet die Probe, bei der intensiv gearbeitet und auch viel gelacht wird. Zwei Akkordeon-Ensembles musizieren hier gemeinsam: Villakkordeon, gegründet 1993, und die 40 Jahre älteren Wupperspatzen. Wer Mitglied in welchem Ensemble ist, kann man nicht erkennen. Gespielt wird in vier Stimmgruppen, die für Melodie, Harmonie und Rhythmus sorgen – all das kann man auf dem Akkordeon spielen. Beide Ensembles haben aktuell etwa 20 Mitglieder – die aber nicht an jedem Mittwoch bei der Probe anwesend sind. Im Jahr 2024 hatten Wupperspatzen und Villakkordeon ihr erstes gemeinsames Konzert. Seitdem spielen sie vereint und geben in jedem Jahr ein Konzert. Der älteste „Wupperspatz“ ist 70 Jahre alt, bei Villakkordeon gibt es mehr jüngere Spielerinnen und Spieler. Sie alle nennen gute Gründe, warum sie Akkordeon spielen: „Man kann alles spielen – von Rock und Pop bis Klassik. Es ist super vielseitig. Man hat ein ganzes Orchester mit vielen Klangfarben in einem einzigen Instrument. Es ist leicht zu transportieren und man kann es überall hin mitnehmen“, heißt es in der Pause. In allen Ecken zeugen große Koffer und Taschen vom Transport.
Tatsächlich hat sich das Akkordeon seit seiner Erfindung 1829 zu einem weltweit geschätzten Konzertinstrument entwickelt – vielseitig, ausdrucksstark und in vielen musikalischen Bereichen zu Hause. „Manche kennen es nur als „Quetschkommode“ oder „Schifferklavier“ für Shanty-Chöre, aber es ist viel mehr“, sind sich hier alle einig.
Ein ganzes Orchester mit vielen Klangfarben in einem Instrument
Hansgeorg Grineisen spielt seit 47 Jahren bei den Wupperspatzen. Seitdem sitzt er neben Ursula Dergel in einer Stimmgruppe. „Wir sitzen seit 100 Jahren nebeneinander, aber wir sind kein Paar“, lachen die beiden. Viele Akkordeonisten sind durch Familienmitglieder zu diesem Instrument gekommen. „Ich bin von meiner Mutter gezwungen worden, weil meine großen Brüder auch Akkordeon spielten“, erzählt Oliver Kruck – bereut habe er die Wahl des Instruments nie. Bei Sabine Gerbracht gab der Großvater den Anstoß. „Mein Opa wollte gerne, dass ich Akkordeon spiele“, erinnert sie sich. „Im Jugendorchester habe ich auf meinem kleinen Akkordeon geübt und geübt, bis ich „Tausend Finger“ spielen konnte. Dann durfte ich im großen Orchester mitspielen — da war ich neun Jahre alt und super stolz auf mich.“ Seitdem spielt sie bei den Wupperspatzen. Neben ihr in der Stimmgruppe sitzt Xenia Hartmann von Villakkordeon. Das Akkordeon vereint auch Generationen. Die Tochter des Wupperspatzen-Gründers Harald Heinz spielt im Ensemble und der Enkel spielt hier Gitarre.
Die Probe geht mit Songs von Freddie Mercury und Queen weiter. Für den 22. November ist ein Konzert mit Popmusik geplant, es wird aber auch eine klassische Serenade dabei sein, verrät der Dirigent. Das Queen-Medley klingt dramatisch und lyrisch, temperamentvoll, zart und rockig. Vierstimmig bekommt „We Are The Champions“ kraftvolle Klangfarben. Die Reporterin kann gar nicht alles erfassen, was in einem Akkordeon steckt. Hunderte Stimmzungen werden durch Ziehen und Drücken des Luftbalgs in Schwingung versetzt. Beim Öffnen und Schließen des Balgs strömt Luft durch diese metallenen Zungen und erzeugt die Töne. Wie bei einer Orgel können Register verschiedene Klangfarben erzeugen.
Man kann wirklich neugierig werden auf dieses Instrument. 2026 ist die ideale Zeit, das Akkordeon zu entdecken.