Das Pilz-Schaumsüppchen mit nach allen Regeln der Loriot’schen Wachsweich-Methode gegarten Wachtelei erwies sich als Soulfood der heiter-leichteren Art. Vom Geschmack schön pilzig, ohne dumpf und schwer zu sein – auch weil herrlich aufgeschäumt. Moderne böhmische Küche? So könnte sie gehen! Das ließ sich wunderbar löffeln, und der zum Gang ausgewählte Grauburgunder hatte es mir schon während des Podcastens angetan. Rulandské Šedé nennen die Tschechen diese Rebsorte und sind damit nahe dran am deutschen Ruländer: so ist der Grauburgunder bei uns klassifiziert. Wer Ruländer bestellt, bekommt aber zumindest im Südwesten der Republik eine eher schwere, süße Variante. Die Špaleksche Version ist allerdings wieder knochentrocken, bringt aber dennoch einen zur Suppe passenden Schmelz mit.

Zum Hauptgang war Svíčková angesagt. Wer das googelt, landet bei Rinderfilet in Sahnesauce und lernt auch schnell: es muss gar kein Filet sein, aber es sollte viel Sauce (aus Wurzelgemüse und eben Sahne) für die Knödel vorhanden sein. Mira Matus hatte sich für eine feinere Variante mit geschmortem Hirsch und Süßkartoffel-Hefeknödel mit Kräutern entschieden, natürlich mit reichlich Sauce. Das kam in der Optik (bis auf einen Schaum auf der Fleischscheibe) dem nahe, was man so kennt, der Kopf war also schon mal zufrieden. Die Knödel aus Süßkartoffeln zu machen, erwies sich als gute Idee, sie in einer vorzüglichen Sauce baden zu lassen (pardon: vornehm zu ditschen, natürlich), führte zu großem Vergnügen am Gaumen. Mit Hirsch statt Rind bekam das Gericht den letzten Kick – auch wenn das Fleisch nach meinem Geschmack beim Schmoren an diesem Abend dann doch zu trocken geraten war. Für schnellen Trost sorgten dann mal wieder die Weine (ja: die, denn es gab zwei zum Hauptgang): einen trockenen Spätburgunder und einen halbtrockenen Rosé vom Zweigelt. Der Rosé war sehr jung, aber soll wohl auch so getrunken werden – fruchtig und leicht und gar nicht sooo süß wie befürchtet – gerade das richtige Maß für guten Trinkfluss, quasi. Mein Favorit war dennoch der 21er Spätburgunder, der im Weingut auf nur einem halben Hektar angebaut wird. Das war eine harmonisch runde Sache, mit wenig Alkohol (12% sind bei den derzeitigen Sommern schon eine Herausforderung beim Weinmachen) mit langem Nachhall und mit Špalekscher Trockenheit – ein toller Spätburgunder.