Eltern, die Kinder im konsolenfähigen Alter haben, müssen sich mit finalen Disziplinierungsmaßnahmen auskennen. Wenn jeglicher Appell an Vernunft und gemeinschaftliche Regeln verhallt, kommen rigorose Maßnahmen ins Spiel. Dann wird der Controller versteckt, der Account gesperrt, die Stromzufuhr gekappt.

Der Videoschiedsrichter wiederum scheint die Geduld einiger Fußballfans im ähnlichen Maß beansprucht zu haben wie pubertäre Zocker den Geduldsfaden ihrer Erziehungsberechtigten. Kaum eine Woche vergeht ohne Entscheidungen des VAR, die ähnlich irrational und verdrussträchtig sind wie Verhaltensweisen von renitenten Siebtklässlern. Warum zum Beispiel den Kölnern kein Handelfmeter zugesprochen wurde, obwohl BVB-Spieler Couto den Ball in Manier eines Volleyballers aus dem Sechzehner pritschte – man weiß es nicht. Und irgendwann – das scheint sich zumindest jemand in Münster gedacht zu haben – hilft es nur noch, den Stecker zu ziehen.

„Dem VAR den Stecker ziehen“ steht auf einem Transparent im Fanblock von Münster. Der Schiedsrichter konnte sich die Bilder für eine Strafstoßentscheidung nicht auf dem dafür vorgesehenen Monitor anschauen.

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„Dem VAR den Stecker ziehen“ steht auf einem Transparent im Fanblock von Münster. Der Schiedsrichter konnte sich die Bilder für eine Strafstoßentscheidung nicht auf dem dafür vorgesehenen Monitor anschauen.
Foto: Bernd Thissen, dpa

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„Dem VAR den Stecker ziehen“ steht auf einem Transparent im Fanblock von Münster. Der Schiedsrichter konnte sich die Bilder für eine Strafstoßentscheidung nicht auf dem dafür vorgesehenen Monitor anschauen.
Foto: Bernd Thissen, dpa

Der Schiedsrichter starrte minutenlang in einen schwarzen Bildschirm

Am Wochenende neigte sich die erste Halbzeit zwischen Preußen Münster und Hertha BSC dem Ende zu, als Schiedsrichter Felix Bickel wegen eines möglichen Foulelfmeters im Preußen-Strafraum zum Monitor lief. Bickel wollte sich die entsprechende Szene nochmals ansehen – und starrte auf einen schwarzen Bildschirm. „Dem VAR den Stecker ziehen“, war kurz zuvor noch auf einem Banner der Preußen-Fans zu lesen gewesen. Offenbar hatten die es damit ernst gemeint. Auf Bildern ist zu sehen, wie ein Vermummter in dem Moment aus dem Fanblock springt, als der Schiedsrichter zum Bildschirm läuft. Bickel hoffte vergeblich darauf, dass der Strom wieder fließt – und musste sich letztlich auf Video-Assistentin Katrin Rafalski im Kölner Keller verlassen. Die erkannte auf Strafstoß, den Herthas Fabian Reese sicher zum 1:0 verwandelte. Am Ende stand eine 1:2-Niederlage der Münsteraner.

Nun droht aber – anders als beim pubertären Vorbild aus dem echten Leben – Ärger für den Steckerzieher. Der DFB hat bereits mitgeteilt, ein Verfahren durch den Kontrollausschuss einzuleiten. Sehr wahrscheinlich wird es mindestens eine Geldstrafe geben. Sehr wahrscheinlich werden Vereine künftig auch angewiesen werden, Sicherheitspersonal am Monitor zu postieren. Die Reaktion von Vereinen zu dem Vorfall? Milde. Preußen-Kapitän Jorrit Hendrix sagte: „Dass ein Fan den Stecker rauszieht, finde ich eigentlich gut.“

Übrigens: Die neuen Regeln besagen, dass der VAR künftig sogar noch öfter einschreiten darf. Von wegen Stecker ziehen.

  • Florian Eisele

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