
Eine Frau hält beim Aufruf zum weltweiten Frauen-Generalstreik bei einer Demonstration vor dem Brandenburger Tor ein Schild mit der Aufschrift »ohne uns steht alles still« hoch.
Foto: dpa/Fabian Sommer
Mehre hundert Frauen haben sich am Montag an einer Aktion zum »Frauen*Generalstreik« beteiligt. Die Initiative »Enough! Genug!« hatte dazu aufgerufen, »bezahlte und unbezahlte Arbeit symbolisch zu unterbrechen und sichtbar zu machen, wie stark Gesellschaft und Wirtschaft von der Arbeit der Frauen* abhängt«. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich an der vom Bündnis organisierten Kundgebung am Brandenburger Tor rund 700 Personen. Die Veranstalter*innen zählten 1200. Auf Plakaten war unter anderem zu lesen: »Frauen sind die stabilste Säule der Gesellschaft«, »Ohne uns steht alles still« und »Verbrennt das Patriarchat. Es war lange genug da«.
Frauen stellen rund die Hälfte der Weltbevölkerung, haben aber weiterhin deutlich weniger politische und wirtschaftliche Macht als Männer, hieß es von der Initiative. Um dagegen vorzugehen, seien schärfere Instrumente als Petitionen und »geduldige Demonstrationen« nötig. Daher nun der »Streik«.
Diese Versammlung war aber nur eine von vielen in der Hauptstadt, die unter dem Dach von »Enough! Genug!« stattfanden. Unter anderem Einrichtungen wie die Charité, die Alice-Salomon-Hochschule und zivilgesellschaftliche Organisationen wie BIG – Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen wollten sich beteiligten.
Eine der Initiatorinnen, die ehemalige Berliner Kultursenatorin Adrienne Goehler, sagte dem RBB, dass man nicht »marschieren« werde. Die Frauen trafen sich demnach ohne Kundgebungen zum gemeinsamen Sitzen, Picknicken und Diskutieren, »zu einer faulen Demo«. Nach Angaben der Sprecherin Rita Schuhmacher gingen unter anderem auch in Bonn, Köln, Tübingen, München und Bremen Menschen auf die Straße.
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Anders als »Enough! Genug!« rief am Montag das Bündnis »Frauenstreik Berlin« zu einer Demonstration auf. Sie zog vom Kottbusser Tor in Kreuzberg zum Roten Rathaus in Mitte. Zu ihr gingen auch die nd-Kolleginnen. Insgesamt kamen hier rund 500 Demonstrant*innen zusammen. Aufgerufen waren Frauen und nicht-binäre Personen. Zentrale Forderung sei »2,1 Milliarden Euro für Gewaltschutz und Frauenhäuser statt für die Polizei«, so das Bündnis in einer Pressemitteilung. »Ich streike heute, weil in Berlin mehr Geld ausgegeben wird für die Polizei als für die sozialen Stellen, als für Frauenhäuser, als für Jugendclubs. Und das ist eine absolute Schande«, sagte eine Teilnehmerin auf Instagram.
In Deutschland werde nahezu täglich eine Frau Opfer eines Femizids, so das Bündnis. Auch trans Frauen erlebten brutale Angriffe, migrantische Frauen und LGBTI+ Personen erhielten oft keinen ausreichenden Schutz. »Vor diesem Hintergrund richtet sich der Frauenstreik auch gegen Femizide und sexualisierte Gewalt.«
Am feministischen Kampftag selbst, dem Sonntag, hatten in Berlin mehrere zehntausend Menschen demonstriert. Laut Angaben der Berliner Polizei beteiligten sich insgesamt 40 000 Menschen an den diversen Veranstaltungen. Zu der größten von zahlreichen Kundgebungen und Demonstrationen, der vom Deutschen Gewerkschaftsbund organisierten Demonstration »Feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich« kamen rund 27 000 Teilnehmer*innen. mit dpa