Wenn die beiden großen Kirchen im Sommer ihre Mitgliederzahlen vorstellen, stehen die Schlagzeilen im Grunde schon fest: Denn die evangelische wie auch die katholische Kirche in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verlieren seit Jahren Mitglieder. Es sterben mehr Menschen, als Kinder getauft werden. Und es treten mehr Menschen aus, als neu in die Kirche eintreten.

Seit Corona stärkeres Interesse am Glauben

Doch in der katholischen Kirche ist in diesen Tagen auch ein, freilich kleiner, gegenläufiger Trend zu sehen. Rund 180 Erwachsene wollen sich in der Osternacht im katholischen Erzbistum Berlin taufen lassen, und mehr als 50 Menschen wollen aus einer anderen Konfession in die katholische Kirche übertreten oder als einst Ausgetretene zurückkehren. Vor einem Jahr waren es 150 Taufbewerber und 34 Wiedereintritte.

Das ist deutlich mehr, als in den Vorjahren: 2022 wollten sich nur 55 Menschen taufen lassen, und 15 in die katholische Kirche über- oder wiedereintreten. Und 2021 waren es nur 35 Taufbewerber und fünf Konvertiten.

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„Seit der Coronazeit gibt es ein deutlich stärkeres Interesse an expliziten Glaubenskursen“, sagt Pfarrer Matthias Patzelt aus der Pfarrei „Heilige Dreifaltigkeit“ im Havelland, zu der die katholischen Gemeinden in Brandenburg (Havel), Rathenow und Bad Belzig gehören. „Während wir im letzten Jahr nur einen Taufbewerber haben, sind es jetzt sieben.“ Viele hätten über das Internet Interesse an der katholischen Kirche gefunden. „Oft geschieht das über englischsprachige Webseiten, so dass die Taufbewerber dann mit englischem Vokabular ankommen, das dann erst ins Deutsche übersetzt werden muss.“ Ein Beispiel dafür seien die missionarischen Videos des amerikanischen Bischofs Robert Barron, die auch in Deutschland Zuschauer hätten.

Über soziale Medien zur Kirche gefunden

Ganz ähnliche Beobachtungen macht auch der katholische Pfarrer von Stralsund, Johannes Schaan. „Der Eindruck ist ganz klar, dass die Zahl der Taufbewerber in jedem Jahr steigt.“ Und auch in Vorpommern fänden viele Menschen über die sozialen Medien in die Kirche. Aus seiner Pfarrei St. Bernard Vorpommern-Rügen hätten sich in diesem Jahr vier Erwachsene für die Taufe angemeldet, drei weitere wollten in die katholische Kirche eintreten. „So viele waren es noch nie.“

Dabei legt die katholische Kirche Wert darauf, dass Menschen, die in die Kirche eintreten, vorher an ausführlichen, mehrmonatigen Glaubenskursen teilnehmen. „Einfach nur ein Video im Internet gucken und hingehen, reicht nicht“, sagt der Brandenburger Pfarrer Patzelt. Wichtig sei vielmehr, dass die Menschen Kontakte in die Pfarrei hinein bekämen. Das geschehe durch die Glaubenskurse, und manchmal auch durch ehrenamtliche Tätigkeiten.

Aufs große Ganze betrachtet bleibt das Wachstum der Taufbewerber freilich nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. Denn mehr als 9.000 Menschen traten allein 2024 aus dem Erzbistum Berlin aus. Da bewahrheitet sich wohl eher das Bonmot, das der verstorbene Berliner Theologieprofessor Wolf Krötke einst geprägt hat: „Die Menschen haben die Kirche in Scharen verlassen – wir werden sie nur als Einzelne zurückgewinnen.“