Nach Abschluss der mehrmonatigen Bauphase erweitert Volkswagen sein Geschäftsmodell um stationäre Energieinfrastruktur: In Salzgitter hat die Energietochter Elli den ersten Großspeicher an das Stromnetz angeschlossen. Er verfügt über eine Leistung von rund 20 Megawatt (MW) und eine Speicherkapazität von 40 Megawattstunden (MWh). Damit steigt Elli operativ in den Energiespeicher- und Energiehandelsmarkt ein.

Parallel beginnen Leistungstests für den Handel an der europäischen Strombörse EPEX. Das Projekt ist laut dem Unternehmen ein zentraler Baustein der konzernweiten E-Mobilitätsstrategie – denn der Hochlauf der Elektromobilität erfordere nicht nur Fahrzeuge und Batterien, sondern auch eine stabile, flexible und marktfähige Energieinfrastruktur. Weitere Speicherprojekte seien bereits in Planung. Die Energiewende gelinge nur, wenn erneuerbare Energie dann verfügbar ist, wenn sie gebraucht wird. Großspeicher würden Energie bei Überschuss einsammeln und sie in Dunkelphasen wieder abgeben.

„Für uns sind Energiespeicher und Energiehandel ein neues strategisches Geschäftsfeld mit Wachstumschancen. Als Volkswagen Konzern elektrifizieren wir Fahrzeuge und berücksichtigen dabei das gesamte System. Mit der PowerCo stärken wir unsere technologische Souveränität – mit Elli steuern, speichern und handeln wir Energie marktorientiert. Ein technologisches Element auf unserem Weg zum Global Automotive Tech Driver“, sagt Oliver Blume, CEO der Volkswagen AG.

Technologische Basis des Projekts sind Batteriesysteme der konzerneigenen Batterietochter PowerCo. Mit ihrem Geschäftsbereich Energy Storage Solutions (ESS) entwickelt und produziert PowerCo industrielle Großspeicherlösungen auf Grundlage des „Unified Cell Formats“. Unified Cell ist die konzernweite Standardzelle für Elektromobilität und bildet zugleich die Plattform für stationäre Speicheranwendungen. Die PowerCo liefert damit erstmals auch Energiespeicherlösungen für industrielle Anwendungen. Am Standort Salzgitter entsteht so ein geschlossenes Batterie-Ökosystem, von der Zellfertigung über stationäre Speicher bis zur marktbasierten Vermarktung durch Elli.

Elli-Power-Center-Einheitszelle

(Zum Vergrößern anklicken) Bild: Elli

Thomas Schmall, Konzernvorstand Technik: „Elektrofahrzeuge und nachhaltiger Strom gehören zusammen. Der Ausbau erneuerbarer Energien erfordert leistungsfähige Möglichkeiten zur Zwischenspeicherung – genau hier setzt unser PowerCenter an. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien und nutzen zugleich das geballte Batterie- und Energie-Know-how unseres Teams. Mit Elli, PowerCo und Volkswagen Group Components schaffen wir ein ganz neues industrielles Ökosystem. Die Unified Cell ist dabei die weltweite Technologie-Plattform für beide Welten: Mobilität und Energie.“

Elli als aktiver Marktteilnehmer

Das in 13 Speichercontainer integrierte, virtuelle Kraftwerk wird im Multi-Market-Ansatz eingesetzt. Ein Elli-Trading-Team handelt und optimiert die Anlagen 24/7 algorithmisch und mit eigenem Marktzugang, um Erlöse zu maximieren und zugleich Systemdienstleistungen bereitzustellen.

„Mit dem PowerCenter übernehmen wir erstmals die Rolle eines aktiven Speicherbetreibers im europäischen Energiemarkt. Das ist der Auftakt für unser Managed Battery Network: eine Plattform, die Großspeicher, perspektivisch Fahrzeugbatterien und weitere Assets intelligent verknüpft. Aus physischer Speicherkapazität wird digitale Systemintelligenz. So entwickeln wir Elli konsequent vom Ladeanbieter zum Energieunternehmen, das im Auftrag unserer Kunden Flexibilität handelt und bereitstellt.“ erklärt Giovanni Palazzo, CEO von Elli (Volkswagen Group Charging GmbH).

„Energiewende entscheidet sich an der Verfügbarkeit von Leistung“

Mit der zunehmenden Elektrifizierung des Verkehrs steigen Anforderungen an Netzstabilität und Flexibilität. „Die Energiewende entscheidet sich an der Verfügbarkeit von Leistung: Erneuerbare Energie muss genau dann nutzbar sein, wenn Industrie, Mittelstand und Verbraucher sie benötigen“, unterstreicht Elli. „Großspeicher übernehmen dabei eine Schlüsselrolle, denn sie schaffen diese zeitliche Flexibilität. Sie nehmen Strom bei Überschuss auf und stellen ihn in sogenannten Dunkelphasen wieder bereit. Damit stabilisieren sie Netze, unterstützen die Integration erneuerbarer Energien und sichern den Hochlauf der Ladeinfrastruktur ab. Elektromobilität und Energieinfrastruktur gehören damit strategisch zusammen.“

Mit dem operativen Start des PowerCenters erweitere die Volkswagen Group ihre Rolle vom Automobilhersteller zum integrierten Energieakteur, so die Wolfsburger. Die Verbindung von Mobilitäts- und Energiewende sei ein strategisches Kernelement der Transformation des Konzerns.

Der Produktionsstandort Salzgitter steht laut Volkswagen exemplarisch für den integrierten Ansatz: „Hier kommen Zellproduktion, Batteriesystemkompetenz, stationäre Großspeicher und digitale Energieplattformen in einem konzernübergreifenden Gemeinschaftsprojekt von Elli, Volkswagen AG, PowerCo und weiteren beteiligten Einheiten zusammen. Durch das partnerschaftliche Zusammenspiel von Zellfertigung, Energiespeicherlösungen, digitaler Handelsplattform und operativem Marktzugang entstehen Synergien entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette – in einer Integrationstiefe, wie sie in dieser Form nur der Volkswagen Konzern abbilden kann. Das Elli PowerCenter markiert damit den konkreten Übergang vom Ladeanbieter zum integrierten Technologie- und Energieunternehmen.“