
marktbericht
Der DAX kratzt wieder an der Marke von 24.000 Punkten. Die Anleger hoffen auf ein baldiges Kriegsende im Nahen Osten, der Ölpreis gibt deutlich nach. Aber Experten warnen: Der Jubel könnte verfrüht sein.
Der DAX legt im frühen Handel um mehr als zwei Prozent auf 23.920 Punkte zu. Gestern war der deutsche Leitindex mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 23.409 Punkten aus dem Handel gegangen.
Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump zu einem möglichen Kriegsende im Nahen Osten locken die Anleger zurück in den Aktienmarkt. „Trumps öffentliche Aussagen über ein baldiges Ende des Iran-Kriegs wirkten wie eine Notbremse auf den scheinbar bodenlosen Abverkauf“, stellen die Marktbeobachter des Brokers ActivTrades fest. Wer den Abverkauf bisher durchgehalten habe, schöpfe nun neue Hoffnung, dass das Schlimmste vorüber sei.
Aber die Fachleute warnen, dass jede weitere Eskalation in der Golfregion das fragile Vertrauen der Marktteilnehmer sofort wieder erschüttern könne. „Aktuell erleben wir eine Verlangsamung des Abverkaufs, doch das Zünglein an der Waage bleibt die Geopolitik. Solange die Nachrichtenlage rund um den Iran nicht endgültig deeskaliert, bleibt jede Aufwärtsbewegung ein Tanz auf dem Vulkan“, heißt es von ActivTrades.
Auch Luis Ruiz, Marktanalyst bei CMC Markets, bleibt vorsichtig: „Auch wenn US-Präsident Trump den Krieg schon für beinahe beendet erklärt, könnten sich die militärischen Aktionen am Golf noch deutlich länger als erwartet hinziehen.“
Unterstützt wird die heutige Erholungsbewegung am Aktienmarkt von einem sinkenden Ölpreis. Der US-Präsident soll Maßnahmen zur Marktberuhigung erwägen. Dazu würden eine Lockerung der Ölsanktionen gegen Russland sowie die Freigabe strategischer Reserven gehören, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider.
Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verlieren in der Spitze rund elf Prozent auf 88,05 beziehungsweise 84,43 Dollar je Fass. Am Montag waren die Ölpreise wegen Versorgungsängsten zeitweise bis auf 119,50 Dollar je Fass, den höchsten Stand seit Mitte 2022, gestiegen.
„Während es gestern eine Überreaktion nach oben gab, denken wir, dass es heute eine Überreaktion nach unten gibt“, sagt Suvro Sarkar von der DBS Bank.
An der Wall Street dürfte sich die Erholung ebenfalls fortsetzen. Dort hatten Trumps Äußerungen bereits gestern für steigende Kurse gesorgt: Der S&P 500 schloss 0,8 Prozent fester bei 6.795 Punkten, auch der Nasdaq Composite und der Dow Jones hatten zugelegt.
Bislang sieht es danach aus, als würden die US-Börsen mit weiteren Aufschlägen in den Handelstag starten.
Von Konjunkturseite gab es heute Wirtschaftsdaten aus China. China hat zum Jahresbeginn überraschend deutlich mehr importiert und exportiert als erwartet. Wie die Zollbehörde in Peking mitteilte, stiegen die Exporte im Januar und Februar in US-Dollar berechnet um 21,8 Prozent verglichen mit dem gleichen Vorjahreszeitraum. Die Importe legten demnach ebenfalls deutlich um 19,8 Prozent zu. Daraus ergab sich ein Handelsüberschuss von 213,6 Milliarden US-Dollar.
Die deutschen Exporteure sind dagegen mit einem Dämpfer ins Jahr 2026 gestartet. Im Januar wurden Waren im Wert von 130,5 Milliarden Euro in alle Welt verkauft, ein Minus von 2,3 Prozent zum starken Vormonat Dezember. Im Vergleich zum Vorjahresmonat legten die Exporte um 0,6 Prozent zu.
„Für die Exportwirtschaft wird entscheidend sein, ob sich die Zollkonflikte beruhigen und ob die Ölpreise fallen“, kommentiert Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. „Höhere Energiekosten wären für das globale verarbeitende Gewerbe eine schwerwiegende Belastung. Eine daraus resultierende geringe Investitionsneigung würde gerade die deutsche Industrie deutlich treffen.“
Der Gewinn des Volkswagen-Konzerns ist im vergangenen Jahr um knapp die Hälfte eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahr sei das Konzernergebnis nach Steuern 2025 um rund 44 Prozent von 12,4 Milliarden Euro auf 6,9 Milliarden Euro gesunken, teilte Europas größter Autobauer mit. Der Umsatz sank um 0,8 Prozent auf knapp 322 Milliarden Euro.
Trotz des Gewinneinbruchs 2025 geht es für die Aktien bergauf. Ein Händler führt das Kursplus vor allem auf eine Erholungsbewegung nach den Verlusten der vergangenen Tage zurück. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar hat die Aktie gut 13 Prozent verloren.