Nach dem schweren Stromausfall vor zwei Monaten in Berlin hat die Stadt Düsseldorf öffentlich vorgestellt, wie sie auf einen solchen Krisenfall vorbereitet wäre. Durch einen Brandanschlag waren Anfang des Jahres in der Hauptstadt mehr als 45.000 Haushalte von einem sogenannten Blackout betroffen – auch die Heizungen oder das Mobilfunknetz funktionierten zeitweise nicht.
„Düsseldorf ist nicht Berlin und das ist auch gut so“, erklärte nun Stadtdirektor Burkhard Hintzsche im zuständigen Fachausschuss des Rates. Er hatte zuletzt unter anderem den Corona-Krisenstab geleitet. Um aufzuzeigen, dass die Landeshauptstadt auch in einer angespannten Lage grundsätzlich sehr gut aufgestellt und sehr schnell handlungsfähig wäre, zog er ein Beispiel von vor einigen Jahren heran. Damals war nach dem Fund einer Weltkriegsbombe in Derendorf für rund 35.000 evakuierte Menschen eine kurzzeitige neue Bleibe geschaffen worden.
Dass man sich speziell auf einen möglichen, großflächigen Stromausfall schon lange vorbereite, erklärte Feuerwehrchef David von der Lieth. Er präsentierte jüngst in der Sitzung des Ausschusses für öffentliche Einrichtungen, Stadtökologie, Abfallmanagement und Bevölkerungsschutz, was in einem solchen Fall in Düsseldorf geschehen würde.
Anlaufpunkte Sollte es zu einem Blackout kommen, würden in der Stadt so schnell wie möglich 60 Anlaufpunkte eingerichtet. Diese wären nicht nur beleuchtet, sondern auch personell besetzt. Düsseldorfer könnten vor Ort also Hilfe und Informationen erfragen. Die Standorte sind außerdem so gewählt, dass ein maximal halbstündiger Fußmarsch nötig wäre, um sie zu erreichen.
Wie von der Lieth erklärte, wäre es allerdings bereits vorher essenziell, die Menschen in der Stadt über das Geschehen zu informieren. Das liege auch daran, dass ungewiss sei, wie lange der Mobilfunk noch funktioniere. In einem solchen Krisenfall wären Polizei und Feuerwehr deshalb sehr präsent in allen Stadtteilen, betonte der Feuerwehrchef. „Wir werden jederzeit ansprechbar sein, um Notfälle anzunehmen.“ Außerdem würde es auch über die Einsatzfahrzeuge per Lautsprecher Warndurchsagen geben.
Stromversorgung In Düsseldorf gibt es rund 207 Gebäude, die eine eigene Notstromversorgung besitzen. Dazu gehören beispielsweise Krankenhäuser, Polizei- und Feuerwachen, verschiedene Pflegeeinrichtungen oder sogar Tankstellen. Zusätzlich gebe es in Nordrhein-Westfalen viele mobile Stromerzeuger bei Feuerwehren und Technischem Hilfswerk (THW), so von der Lieth. Mit der Hilfe Letzterer wäre eine Versorgung allerdings nur bedingt möglich: „Es ist nicht so, dass man Gebäude, die nicht auf eine Einspeisung vorbereitet sind, einfach anschließen kann“, erklärte der Experte. Dazu seien Fachkräfte nötig, unter anderem müssten Anschlüsse freigebuddelt werden. Dennoch sei man vorbereitet und habe auch in Berlin die Erfahrung gemacht, wie man Häuserblöcke durch die mobilen Anlagen wenigstens mit Licht versorgen könne.
Trinkwasser Weil Pumpwerke bei einem Blackout nicht mehr funktionieren, würde auch die gewohnte Trinkwasserversorgung ausfallen. Sollte das bei einem großflächigen Stromausfall zum Problem führen, gibt es in der Stadt rund 70 Notbrunnen. „Die werden jährlich überprüft und sind auch gut versteckt“, sagte von der Lieth. An diesen Brunnen würden bei einer Krise Entnahmestellen eingerichtet. Um die Trinkwasserqualität sicherzustellen, lagert die Stadt 12 Millionen Chlortabletten in Gefahrgutcontainern ein. Diese würden an den Entnahmestellen verteilt.
Schon 2015 haben Feuerwehr, THW und Stadtwerke zusätzlich einen anderen Weg der Trinkwasserversorgung getestet. Damals nahm man ein Düsseldorfer Wasserwerk vom Netz – und betrieb dieses ausschließlich über mobile Netzersatzanlagen. „Wir sind der Überzeugung, dass ein Großteil der Frischwasserversorgung damit abgedeckt werden kann“, erklärte David von der Lieth. Man sei deshalb zuversichtlich, auf die Notbrunnen verzichten zu können.
Krisenstab Auch auf Management-Ebene ist die Landeshauptstadt auf einen Blackout vorbereitet: Innerhalb von 60 bis 90 Minuten sei das Krisenmanagement voll handlungsfähig, betonte Burkhard Hintzsche. Die dazugehörigen Einrichtungen besitzen eine Notstromversorgung und seien dauerhaft betriebsbereit.
Bereits im Dezember hatte Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) außerdem eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe einberufen, die Maßnahmen zur Steigerung der Resilienz der Stadtverwaltung identifizieren und umsetzen soll.