Die roten Pfeile sind die Alarmzeichen, sie weisen immer nach unten. In der Auswertung ihrer Frühjahrsumfrage unter den 60 Mitgliedsverbänden haben die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) überwiegend rote Pfeile platziert. So wird in fünf von elf Branchen die aktuelle Lage als schlecht beschrieben, in vier von elf erscheinen auch die Aussichten für dieses Jahr schlecht.

Besonders viele rote Pfeile finden sich in der Kategorie Beschäftigung. Sieben Branchen rechnen mit einem Personalabbau in diesem Jahr, darunter die Metall- und Elektroindustrie, der Maschinenbau, die Chemie- und Pharmabranche, die Papierverarbeitung, die Holz- und Kunststoffindustrie, die Kunststoffverarbeitung und die Ernährungswirtschaft.

Insgesamt bewerten 39 Prozent der Verbände die Lage als „schlecht“, 43 Prozent als „mittelmäßig“ und nur 18 Prozent als „gut“. Bei den Aussichten für das laufende Jahr tendieren die Zahlen noch mehr ins Negative.

39

Prozent der Branchenverbände beurteilen ihre wirtschaftliche Lage als „schlecht“.

Grüne Pfeile stehen für Aufschwung und sind vorwiegend bei der Energiewirtschaft zu finden. Gemeint sind die Profiteure der Energiewende wie Siemens Energy, Gasag, Vattenfall, der Netzbetreiber Stromnetz Berlin oder die Enertrag in Brandenburg.

Leuchttürme in einem zumeist trüben Konjunkturumfeld sind auch die großen Turbinenhersteller MTU und Rolls-Royce, die vom weltweiten Boom der Luftfahrt profitieren. Eine „Riesenperspektive für das Land Brandenburg“ seien auch die großen Rechenzentren, die aktuell angesiedelt werden, sagte Alexander Schirp, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände, am Dienstag.

Die Verfügbarkeit von Rechenleistung ist ein riesiger Standortvorteil für Brandenburg.

Alexander Schirp, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände (UVB)

In Lübbenau (Kreis Oberspreewald-Lausitz) baut die Schwarz-Gruppe (Lidl) ein großes KI-Rechenzentrum für elf Milliarden Euro. Der US-Datenriese Amazon Web Services (AWS) hat Investitionen von knapp acht Milliarden Euro angekündigt, unter anderem für neue Rechenzentren in Brandenburg. „Die Verfügbarkeit von Rechenleistung ist ein riesiger Standortvorteil“, sagte Schirp.

Etwas besser als in vielen Branchen läuft es auch im Handwerk und in der Start-up-Szene. Im Handwerk finden sich die meisten Grünpfeile im Garten- und Landschaftsbau und im Elektrogewerbe.

Themenfoto Heizungstausch. Heizungsbauer nimmt nach Einbau einer Waermepumpe Einstellungen vor. ? Die Heizungsinstallateure schauen nach guten Jahren wieder pessimistisch in die Zukunft.

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Die Heizungsinstallateure (SHK-Handwerk, Heizung, Sanitär, Klima) sind nach dem Boom für Wärmepumpen in den vergangenen Jahren deutlich verhaltener in ihrer Prognose. Ihr Ausblick für dieses Jahr ist insgesamt negativ, insbesondere bei Arbeitsplätzen und Investitionen. Wesentlicher Grund dafür dürfte der Wegfall der Pflicht zu erneuerbaren Energien beim Heizen sein.

Die Konjunkturumfrage war bereits abgeschlossen, als der Krieg am Golf ausbrach. Die drastisch gestiegenen Preise für Öl und Gas könnten die wirtschaftliche Dynamik weiter abbremsen, sagte Schirp. „Insbesondere die bereits angeschlagene chemische Industrie ist hier betroffen, aber auch die Bereiche Stahl, Baustoffe, Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie.“

Sollte der Krieg in Kürze vorbei sein, wie US-Präsident Donald Trump kürzlich andeutete, rechnen die Unternehmensverbände mit einem Wachstum in Berlin von einem Prozent, in Brandenburg dagegen nur mit einer „schwarzen Null“.

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Das wären ähnliche Daten wie im vergangenen Jahr. Die Investitionsbank Berlin hatte noch im Dezember deutlich optimistischer für Berlin mit einem Wachstum von 1,8 Prozent für 2026 gerechnet.