Die Biontech Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci sind Inhaber des Verdienstordens des Landes RLP.

Stand: 10.03.2026 • 20:11 Uhr

Die beiden Mitgründer Özlem Türeci und Ugur Sahin verlassen BioNTech. Das Ehepaar kündigte ein neues Unternehmen an, das sich auf mRNA-Forschung konzentrieren soll.

Von Sabine Geipel, Theresa Rauffmann, Jutta Kaiser

Einen Namen hat das neue Projekt noch nicht. Aber die Zielsetzung der beiden BioNTech-Gründer ist klar: „Özlem und ich wollen ein weiteres Mal als Pioniere neue Wege beschreiten“, wird Firmenchef Ugur Sahin in einer Mitteilung von BioNTech zitiert.

In einer ersten Reaktion auf die Neuigkeiten haben die BioNtech-Aktien um mehr als zehn Prozent nachgegeben.

Wir wollen ein weiteres Mal als Pioniere neue Wege beschreiten.
Ugur Sahin

Abschied von BioNTech – aber Zusammenarbeit gewünscht

Schon immer sei es ihre Vision gewesen, Wissenschaft in Fortschritte für Patientinnen und Patienten zu überführen, heißt es in der Mitteilung weiter. Jetzt biete sich die Chance, die nächste Generation bahnbrechender Innovationen zu erschließen. Demnach soll sich das neue Unternehmen auf die nächste Generation von mRNA-Medikamenten konzentrieren. Vom Ursprungsunternehmen BioNTech sollen Rechte und Technologien in die Neugründung eingebracht werden. Im Gegenzug soll BioNTech eine Minderheitsbeteiligung am neuen Unternehmen bekommen.

Die bisherigen Medikamenten-Entwicklungen unter dem BioNTech-Dach sowie das Corona-Impfstoffgeschäft sollen von den Plänen nicht betroffen sein, Forschungs-Kooperationen werden aber ausdrücklich in Betracht gezogen. Sahin und Türeci werden der Mitteilung zufolge bis Ende des Jahres in ihr neues Unternehmen wechseln. Wer ihren Platz im BioNTech-Vorstand einnehmen wird, steht noch nicht fest. Der BioNTech-Aufsichtsrat hat aber bereits mit der Suche nach passenden Nachfolgern und Nachfolgerinnen begonnen.

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BioNTech – eine Erfolgsgeschichte

Das Unternehmen hatte durch seinen Corona-Impfstoff eine Menge Geld verdient und Milliardengewinne gemacht – zu Hochzeiten setzte das Unternehmen mit dem mRNA-Impfstoff knapp 19 Milliarden Dollar um.

Nach dem Ende der Pandemie sind die Einnahmen zwar geschrumpft, nach wie vor hat BioNTech aber Milliarden an Cash auf der hohen Kante, um die Forschungs- und Entwicklungsprojekte für unterschiedliche Krebsmedikamente voranzutreiben.

Insgesamt testet BioNTech derzeit mehr als 20 potenzielle Medikamente in den klinischen Phasen 2 und 3. Bevor ein Medikament auf den Markt kommen kann, müssen Pharmaunternehmen es in insgesamt drei Phasen testen – erst dann können sie eine Zulassung beantragen.

Knowhow auch durch Partnerschaften und Übernahmen

BioNTech hatte den einstigen Tübinger Konkurrenten Curevac übernommen – zu einer Bewertung von etwa 1,25 Milliarden Dollar. Die Tübinger waren bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs unterlegen, haben aber viel Knowhow im mRNA-Bereich, das sich BioNTech damit zugekauft hat.

Anders als es Curevac bis zum Ende verfolgte, konzentriert sich BioNTech nicht nur rein auf die mRNA-Technologie, sondern auch auf andere neuartige Technologien, die gegen Krebs helfen könnten. Dazu gehören neben den bispezifischen Antikörpern etwa auch sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC), die wie eine Chemotherapie aber zielgerichtet in der betroffenen Zelle, wirken sollen.

Unternehmenszahlen 2025: Mehr Umsatz, aber hoher Nettoverlust

Die Bilanz von BioNTech für das vergangene Jahr zeigt Licht und Schatten: Einerseits hat das Unternehmen mehr Umsatz gemacht: Insgesamt fast 2,9 Milliarden Euro – gegenüber knapp 2,8 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Grund dafür: Im vergangenen Jahr war BioNTech eine potenziell 11,1 Milliarden Dollar schwere Partnerschaft mit dem amerikanischen Pharmaunternehmen Bristol Myers Squibb (BMS) eingegangen. 1,5 Milliarden Dollar als Vorabzahlung sind bereits an die Mainzer geflossen.

Die Zusammenarbeit hat auch die Umsätze von BioNTech gesteigert. Der Nettoverlust von BioNTech hat sich allerdings 2025 nahezu verdoppelt: Von 665 Millionen Euro im Jahr 2024 auf mehr als 1,1 Milliarden Euro 2025.

Südwestrundfunk