11.3.2026 – Die Analysehäuser Valytics und Nordlight Research zeigen auf Basis einer aktuellen Umfrage, dass Banken und Sparkassen besonders gut für das Geschäft mit staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten positioniert sind. Demnach erwägen vier von zehn Riester-Sparern einen Wechsel in das neue System. Hierfür sehen nur wenige Befragte die Assekuranzen als bevorzugte Anbieter an.

Die steuerliche Förderung der privaten Altersvorsorge ist hierzulande im Umbruch (VersicherungsJournal 26.2.2026). Mit dem Altersvorsorgereformgesetz (Drucksache 21/4088; PDF; 2,3 MB) will die Bundesregierung unter anderem das Riester-Zulagensystem ersetzen (8.12.2025).

Demnach soll „ein einfacher Sparplan mit reduzierten Wahlrechten für den Altersvorsorgenden“ als ebenfalls förderfähiges Standarddepot neu eingeführt werden (4.9.2025). Hierfür solle ausdrücklich kein Garantiezwang herrschen, um höhere Renditechancen zu bieten.

Umfrage zur steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge

Bei den deutschen Verbrauchern, die von den geplanten Reformen profitieren sollen, sind die Ideen aber bislang kaum präsent. Laut der Trendstudie „Digitale Altersvorsorge 2026“ haben sich nur sechs Prozent der rund 2.000 befragten Finanzentscheider in Deutschland zwischen 18 und 60 Jahren aktiv hierüber informiert.

Bei der im Februar durchgeführten Online-Umfrage der Valytics GmbH und der Nordlight Research GmbH sollten die Teilnehmer dennoch unter anderem die neue Variante der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge beurteilen. Hierbei kamen  „klassische Garantieprodukte“ deutlich besser weg.

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Bewertung von Vorsorgeprodukten der neuen Art

Vorsorgeprodukte, die als „Neue Klassik“ mindestens 80 Prozent oder in der traditionellen Form sogar alle eingezahlten Beiträge plus staatliche Zulagen garantieren, finden 13 Prozent der Finanzentscheider „ausgezeichnet (1)“. Nur sieben Prozent beurteilen sie als „schlecht (5)“. Diese Werte seien über Alters- und Einkommensgruppen hinweg weitgehend stabil, so die Studienautoren.

Zusammen mit den drei weiteren Antwortoptionen „sehr gut (2)“, „gut (3)“ und „mittelmäßig (4)“ ergibt sich ein Mittelwert von 2,7. Deutlich negativer (Mittelwert: 3,1) beurteilen die Befragten ein „besonders kostengünstiges Standarddepot mit kundenindividueller Aufteilung auf zwei vorgegebene Fonds“. Dies finden nur sieben Prozent „ausgezeichnet (1)“, aber zwölf Prozent „schlecht (5)“.

Bevorzugte Optionen (Bild: Wenig)

Anbieterpräferenzen beim Abschluss des neuen Standarddepots

Trotzdem sehe es für die deutschen Lebensversicherer nicht rosig aus. Denn nach Angaben der Branchenanalysten „deutet sich erheblicher Transformationsdruck im Bestand an“. Von Kunden mit bestehenden Riester-Verträgen ziehen nämlich jeweils 40 Prozent einen Wechsel in das neue Fördersystem ernsthaft in Betracht oder sind noch unentschlossen.

Für den Abschluss des neuen Standarddepots kommen für 63 Prozent der Befragten Banken und Sparkassen infrage. Bei dieser Frage, bei der Mehrfachnennungen möglich waren, liegen Investmentfondsgesellschaften mit einem Zustimmungswert von nur 37 Prozent auf dem Silberrang.

Erst dahinter landen mit einem Anteil von 30 Prozent der repräsentativ Befragten im Alter zwischen 18 und 60 Jahren die Lebensversicherer. Für diese Anbietergruppe deuten die Umfrageergebnisse nach Angaben der Studienautoren auf einen „spürbar zunehmenden Wettbewerbsdruck“ hin.

Warnschuss an die Lebensversicherer

Patrick Dahmen (Bild: HDI)
Patrick Dahmen (Bild: HDI)

„Diese Antwort hat uns überrascht und macht sie umso relevanter. Obwohl Banken selbst keine Garantieprodukte als Produktanbieter anbieten – abgesehen von Garantiefonds –, schreiben die Befragten Banken auch bei dem Garantieprodukt mehrheitlich die Kompetenzvermutung zu“, sagt auf Nachfrage Dr. Patrick Dahmen, Gründer und Managing Partner von Valytics.

„Das bedeutet nichts anderes, als dass Kunden sich an ihre Bank wenden, die das Produkt dann über Bancassurance über eine Versicherung anbietet (zum Beispiel die Deutsche Bank über die Zurich-Gruppe). Entscheidend ist dabei jedoch, wer die Kundenschnittstelle bedient – und diese liegt bei der Bank“, so der ehemalige Vorstand bei Axa Versicherungen und CEO für die Bereiche Leben und Kapitalanlagen der HDI Deutschland AG (10.5.2023).

Dahmen bezeichnet dieses Ergebnis als „Warnschuss an die Lebensversicherer“, die in der Altersvorsorge nach der Reform an Bedeutung und Marktanteilen verlieren könnten. Bereits heute sei eine Tendenz erkennbar, dass Sparer in der Altersvorsorge zunehmend auf ETFs und Fondslösungen ohne Versicherungsmantel ausweichen.