Kulturamtsleiter Marc Gegenfurtner teilte den WKV-Direktoren die Entscheidung per ausführlicher Mail persönlich mit. „Das ursprüngliche Anliegen Ihres Antrages hat sich im Laufe der Zeit sowohl inhaltlich als auch personell forciert auf einen spezialisierten Seitenaspekt verlagert und der Veranstaltung eine deutlich politisierte Komponente und einseitige Konnotation verliehen, die im Fachbereich so nicht verortet ist.“ Die ursprüngliche Förderzusage der Jury sei „an die inhaltlich philosophische Ausrichtung sowie die Inanspruchnahme einer Beratung durch einen Philosophen“ gebunden gewesen. Dieser habe auch darauf hingewirkt, das Freiheitsthema breiter und internationaler aufzustellen. „Dies blieb offenbar unbeachtet und erreicht nun inhaltlich vielmehr eine gegenteilige und verengende Fokussierung, die der ursprünglichen Förderentscheidung nicht mehr entspricht.“
Gegenfurtner weiter: „Ich bedaure persönlich, dass die deutliche Änderung des Vorhabens so eigenständig erfolgte, weil eine wirklich thematisch offenere, philosophisch breitere und heterogen besetzte Veranstaltung zum ursprünglich befürworteten Thema ‚Von der Freiheit‘ wichtig gewesen wäre.“
Am Wochenende wird nun diskutiert
Der Württembergische Kunstverein hat die Vorwürfe der DIG in einer Pressemitteilung Anfang März entschieden zurückgewiesen. „Weder die Veranstaltung noch deren Teilnehmer*innen noch der WKV fördern oder relativieren Antisemitismus. Im Gegenteil.“ Hans D. Christ und Iris Dressler, die Direktor:innen des WKV, erkennen zwar an, dass die Stadt nicht diesen Vorwürfen folgt. Die finanziellen Mittel seien aber trotzdem, mit anderer Begründung, entzogen worden. Sie hätten sich „gerade angesichts der Diffamierung mehr Rückendeckung gewünscht“. In der Mitteilung heißt es: „Es sollte eine zentrale Aufgabe der Kulturpolitik sein, Institutionen, Kunst und Wissenschaft vor jenem politischen Druck zu schützen, mit dem unter Berufung auf die Bekämpfung von Antisemitismus oder Extremismus nicht tatsächlich Antisemitismus oder Extremismus bekämpft wird – was wünschenswert wäre –, sondern unliebsame kritische Stimmen torpediert, diffamiert und kriminalisiert werden.“
Die Auseinandersetzung um das Symposium reiht sich – viel kleiner – damit ein in die Debatten um die documenta 15 (2022), die Berlinale 2024 und noch ganz frisch die Berlinale 2026. Es werden nicht die letzten Konflikte über die Auslegung, wo Antisemitismus anfängt, gewesen sein. Fortsetzung folgt, vermutlich am kommenden Wochenende beim durch viele Spenden ermöglichten Symposium. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, egal aus welcher Branche, welchem Genre, welcher Wissenschaftsdisziplin und welcher Denkhaltung, werden dabei sicher ganz genau hinhören.