13 Produktionen, 32 Aufführungen, 11 Bühnen in Dresden – das ist die Tanzplattform 2026 in Zahlen. Dafür hat sich eine Fachjury 550 Produktionen aus ganz Deutschland angeschaut, um herausragende Stücke zu versammeln.
Dresden zum zweiten Mal Gastgeber der Tanzplattform
Das Festival findet seit 1994 alle zwei Jahre an wechselnden Orten statt. Dresden war zuletzt 2012 Austragungsort. Das sächsische Kulturministerium fördert die Plattform mit insgesamt 209.000 Euro. Gastgeber in diesem Jahr ist Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste.
„Jede Stückauswahl der Tanzplattform Deutschland 2026 ist ein Beispiel für die Vielfalt und den Reichtum der gesamten zeitgenössischen Tanzszene“, heißt es in einer Jury-Erklärung.
Wir laden ein, unsere Körper zu versammeln, uns gemeinsam zu bewegen und damit gemeinsam Hoffnung zu praktizieren.
Statement der Tanzplattform-Jury
Die Auswahl soll aber nicht nur die wichtigsten Entwicklungen und Strömungen im Tanz aufzeigen, sondern in politisch und kulturpolitisch schwierigen Zeiten ein positives Signal setzen: „Zugleich laden wir dazu ein, unsere Körper zu versammeln, uns gemeinsam zu bewegen und damit gemeinsam Hoffnung zu praktizieren.“
Neue Perspektiven schaffen
Auch MDR-KULTUR-Kritikerin Heike Schwarzer betont das politische Moment der diesjährigen Auswahl. Viele Stücke lüden zum Perspektivwechsel ein. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Produktion „Spiegelneuronen“ von Stefan Kaegi, die in Kooperation mit Rimini Protokoll und Sasha Waltz & Guests entstand. Ein Raum, ein Spiegel und das Publikum als Hauptakteur: Das Stück verzichtet auf die klassische Bühne mit Zuschauerraum und macht die Zuschauer selbst zum Teil der Inszenierung.
Um gesellschaftliche Teilhabe geht es auch in Claire Cunninghams Solostück „Songs of the Wayfarer“. Die Künstlerin, die zur Fortbewegung auf Krücken angewiesen ist, erkundet mit ihrem Körper Grenzen und Möglichkeiten des Wanderns. Auf diese Weise thematisiert sie tiefgreifende Verluste und Veränderungen im Leben.
Wichtig bei Cunningham sei „universal accessibility“, also Barrierefreiheit, so Jury-Mitglied Christoph Bovermann: Die Arbeit finde auf einer flachen Bühne statt, so dass auch Menschen mit Gehbehinderung Zugang hätten.
Tanzen bis zur Entschleunigung
Ein weiterer Schwerpunkt ist laut Bovermann das Thema Zeit. Mehrere Produktionen setzten bewusst auf Reduktion und Entschleunigung. Choreografinnen und Choreografen würden sich wieder mehr Zeit nehmen und wirkten damit der Schnelllebigkeit und dem Medienkonsum entgegen.
So dauert „This resting, patience“ von Ewa Dziarnowska drei Stunden und ist als eine Art installativer Performance angelegt, in die das Publikum ein- und abtauchen kann. Und „Lovedance“ von Katharina Senzenberger entfaltet über zwei Stunden – mit Pause – ein romantisches Duett.
Branche trifft sich in Hellerau
Ein Ort der Begegnung ist die Tanzplattform auch für die Branche. 400 Fachbesucher haben sich laut den Veranstaltern akkreditiert: „Also wird Dresden wirklich zu einem Treffpunkt für die europäische und bundesweite Szene“, freut sich Elisabeth Krefta vom Leitungsteam: „Es wird genetzwerkt, es wird gesprochen, es wird im Festivalzentrum hier in Hellerau gesessen, gearbeitet, miteinander ins Gespräch gekommen.“
Weitere Schauplätze der Tanzplattform sind das Staatsschauspiel Dresden, die Staatsoperette, das Theater Junge Generation, das Societaetstheater und die Villa Wigman. Mit dem Rahmenprogramm „Plattform Plus“ richtet sich das Festival zugleich an die Stadtgesellschaft: mit täglichen „Mornings on Fire“ (Frühsport am Goldenen Reiter), Publikumsgesprächen und Gesprächsformaten mit der Jury sowie einer großen Tanzplattform-Party am Samstagabend.
Quelle: MDR KULTUR (Heike Schwarzer), Tanzplattform Deutschland 2026,
Redaktionelle Bearbeitung: lm