(naf) Sie führen Betriebe, treffen Entscheidungen, tragen zur Ernährungssicherheit bei. „Frauen sind tragende Säulen in der Landwirtschaft“, sagt Margareta Büning-Fesel, Präsidentin der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). „Leider sind ihre Leistungen häufig nicht sichtbar.“ Um dies zu ändern, für mehr Akzeptanz zu sorgen und die Frauen zu stärken, haben die Vereinten Nationen 2026 zum internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft erklärt. Dies nahm die BLE jetzt zum Anlass für ein Netzwerktreffen mit zehn Teilnehmerinnen aus der Region auf dem Stautenhof in Anrath.

Neben der Präsidentin der BLE war als Vertreterin des Rheinischen Landfrauenverbands Anne Panzer vom Vorstand des Kreisverbands Viersen nach Anrath gekommen. Der biologisch wirtschaftende Stautenhof war nicht zufällig als Treffpunkt gewählt: Er ist ein Demonstrationsbetrieb im Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL), wird von einer Frau mitbetrieben – und demnächst geleitet. Es stehe noch der Bau eines Schweinestalls an, sobald das Projekt abgeschlossen ist, werde der Hof von ihrem Vater an sie übergeben, kündigte Theresa Coßmann an. Sie freue sich darauf, diese Verantwortung zu übernehmen. Ein Hof sei mehr als ein Unternehmen, er sei ein Lebenswerk, betonte die 33-Jährige.

Laut einer vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Studie werden rund elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland von Frauen geleitet. In der ökologischen Landwirtschaft sei die Zahl etwas höher, berichtete BLE-Präsidentin Büning-Fesel. Worauf sie hinwies: Zugang zu Land, Kapital und Förderstrukturen zu bekommen, sei für Frauen in der Landwirtschaft schwierig, sie seien eben nicht so sichtbar, zu wenig in Verbänden vertreten. Was die Frauen außerdem vor Herausforderungen stellt: „Auf ihnen liegt nach wie vor die Hauptlast der Care-Arbeit.“

Das Aktionsjahr biete nun die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, für mehr Chancengleichheit, Sichtbarkeit und Akzeptanz für Frauen in der Landwirtschaft einzutreten. Wichtig sei auch, Netzwerke zu etablieren, in denen Frauen ihre Anliegen äußern, sich gegenseitig stärken und Erfahrungen austauschen können, erläuterte Büning-Fesel.

Zu den bestehenden Netzwerken gehört der Rheinische Landfrauenverband. Anne Panzer vom Kreisvorstand zählte ebenfalls Herausforderungen für Frauen in der Landwirtschaft auf, darunter Altersarmut und strukturelle Benachteiligung. Frauen leisteten in der Landwirtschaft weltweit einen wichtigen Beitrag – deshalb fordert auch der Landfrauenverband für sie mehr Anerkennung und Gleichberechtigung, außerdem gute Zukunftsperspektiven.