In Leipzig haben Ermittler am Mittwochmorgen die Wohnung von Beatrix P. durchsucht. Sie ist die Tochter des mutmaßlichen Hauptbeschuldigten in dem Ermittlungsverfahren gegen den rechtsextremen Buchversand „Der Schelm“ und soll eine wichtige Rolle bei der Organisation des Versandhandels gespielt haben.
Nach Recherchen von rbb24 und MDR Investigativ soll sie für ihren Vater Konten eingerichtet haben, über die Zahlungsströme organisiert wurden. So könnten Einnahmen verschleiert und der Weiterbetrieb des rechtsextremen Buchversands ermöglicht worden sein. Nach Recherchen hat der Verlag über Jahre hinweg nationalsozialistische und antisemitische Literatur an tausende Kunden weltweit verschickt. Den Recherchen zufolge wurden Konten in mehreren Ländern eingerichtet, darunter in Estland und Schweden.
Hauptbeschuldigter offenbar in Russland
Als zentrale Figur des Netzwerks gilt der Verlagsinhaber Adrian P., ein seit Jahren aktiver Rechtsextremist, der ebenfalls früher in Leipzig wohnte. Nach Recherchen von rbb 24 und MDR soll er sich bereits vor früheren Verfahren in den Großraum Moskau abgesetzt haben und dort leben. Nach Recherchen soll der Versandhandel auch von dort aus weiter gesteuert worden sein.
Durchsuchungen in mehreren europäischen Ländern
Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe durchsuchen Ermittler am Mittwoch Gebäude an insgesamt elf Orten in Europa. Betroffen sind eine Druckerei in Polen, ein Objekt in Spanien sowie mehrere Wohnungen und Geschäftsräume in fünf Bundesländern in Deutschland, darunter auch Sachsen.
Die Ermittlungen richten sich gegen zwei Frauen und sechs Männer, die Teil eines internationalen Netzwerks hinter dem Versandhandel sein sollen. Nach Recherchen von rbb 24 und MDR hat der Verlag in den vergangenen Jahren Bücher an rund 11.000 Kunden weltweit verschickt.
Rechtsextreme Propaganda im Sortiment
Der Online-Versand vertreibt seit mehr als zehn Jahren zahlreiche unkommentierte Nachdrucke aus der Zeit des Nationalsozialismus. Insgesamt sollen rund 100 verschiedene Titel im Angebot gewesen sein. Darunter befinden sich auch Schriften mit antisemitischen Inhalten sowie Bücher, in denen der Holocaust geleugnet wird – viele davon sind in Deutschland verboten.
Thomas Salzmann von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien beschäftigt sich seit Jahren mit entsprechenden Verbotsverfahren. „Wir hatten insgesamt fünf abgeschlossene Verfahren zu Büchern, die dem Schelm-Verlag zuzurechnen sind. Das sind Nachdrucke von Nazi-Literatur aus der NS-Zeit, stark antisemitisch geprägt“, sagt Salzmann. Neben bekannten Propagandatexten aus der NS-Zeit wurden auch Bücher verbreitet, die damals gezielt zur ideologischen Erziehung eingesetzt wurden.
Antisemitische Kinderbücher im Angebot
Besonders brisant aus Sicht von Jugendschützern: Unter den angebotenen Titeln befinden sich auch antisemitische Kinderbücher aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Ein Beispiel ist das Propagandabuch „Der Giftpilz“, das im Dritten Reich zur ideologischen Beeinflussung von Kindern eingesetzt wurde. „Das Buch vermittelt ein stark rassistisches Weltbild und stellt Juden als das absolut Böse dar“, sagt Salzmann. Solche Inhalte könnten zu Hass und Volksverhetzung beitragen.
Früheres Verfahren gegen Netzwerkmitglieder
Bereits in der Vergangenheit hatten Ermittler gegen das Umfeld des Verlags ermittelt. 2024 verurteilte das Oberlandesgericht Dresden mehrere Beteiligte wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Volksverhetzung. Erst im Oktober 2025 hatte der Bundesgerichtshof das Verfahren erneut an das Oberlandesgericht Dresden verwiesen, mit den Hinweis es müsse die Gesamtstrafen neu bestimmen. So seien zusätzliche Vergehen beim Strafmaß einzubeziehen.