Um fünf Uhr morgens ging die Heimreise los. Klaus Kratzer und seine Frau Sabine hatten die vergangenen zehn Tage in Bahrain verbracht und fast jede Nacht riss sie der Raketenalarm aus dem Schlaf. Nach Angriffen Israels und der USA auf den Iran begann dieser, mehrere Länder zu attackieren – auch den Golfstaat Bahrain. Als sich die Angriffe dort zuspitzten, trafen die Kratzers eine Entscheidung: Sie reisten auf eigene Faust von Bahrain über Saudi-Arabien und Ägypten nach Hause, nach Gersthofen bei Augsburg. Was sie selbst nicht erwartet hatten: Der herausforderndste Teil kam erst in Deutschland auf sie zu.

Vor ihrem Fenster konnten sie die Spuren abgeschossener Drohnen beobachten

Ursprünglich hatten die Kratzers eine Kreuzfahrt geplant, als sie am 26. Februar nach Bahrain flogen. Stattdessen verbrachten sie die Tage im Hotel. Viele Gäste reisten ab; sie blieben dort, auch auf Anraten des Reiseanbieters. Sie hofften auf den geplanten Rückflug am 9. März. Doch einen Tag vor Abflug kam die Nachricht, auf die sie sich schon eingestellt hatten: Ihr Flug wurde wegen der anhaltenden Angriffe gestrichen. „Die haben abgewartet bis zum letzten Tag und uns ist es dann einfach zu gefährlich geworden“, sagt der 66-Jährige.

Vor ihrem Fenster konnten sie weiße Streifen am Himmel beobachten – die Spuren abgeschossener Drohnen, die die nahe US-Militärbasis zum Ziel hatten. Mehrere Menschen waren in den vergangenen Tagen bei Angriffen in Bahrain verletzt worden. Kratzer sah im Fernsehen, dass in Dubai ein Mann starb, nachdem er in seinem Auto von Trümmern getroffen worden war. Der Reiseanbieter versicherte ihnen immer wieder, nach Ausreisealternativen zu suchen, doch es habe keine Fortschritte gegeben.

Andere Reisende hatten berichtet, die Reise über Saudi-Arabien sei „unkritisch“

Deshalb beschlossen sie, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Mit einem anderen Paar aus ihrer Reisegruppe buchten sie einen Transporter, ein arabischsprachiger Fahrer sollte sie über die Grenze nach Saudi-Arabien bringen. Die Route über den Nachbarstaat hätten auch schon andere Touristen aus ihrem Hotel gewählt. „Die hatten berichtet, die Reise nach Saudi-Arabien sei eigentlich unkritisch“, erzählt Kratzer.

Am 9. März ging es dann also tatsächlich für sie nach Hause – wenn auch anders als ursprünglich geplant. Schon frühmorgens seien „viele Autos auf der Straße“ gewesen, ansonsten sei es ruhig gewesen. „Wir sind extra früh losgefahren, weil wir dachten, dass es an der Grenze womöglich Probleme gibt.“ Aber alles lief reibungslos. Nach etwa zweistündiger Fahrt erreichten sie den Flughafen in Dammam, einer Hafenstadt nahe der Grenze zu Bahrain. „In Saudi-Arabien hat es ausgeschaut, als ob überhaupt nichts wäre“, berichtet Kratzer.

Alle Flüge waren pünktlich – nur die Deutsche Bahn nicht

Pünktlich ging es mit dem Linienflug nach Kairo. Von dort aus erreichten sie nach insgesamt zehn Stunden Flug und eineinhalb Wochen Urlaubs-Odyssee den Flughafen Frankfurt am Main. „Es lief wirklich eigentlich entspannt, alle Flüge waren pünktlich. Das einzige Problem, das wir hatten, war, von Frankfurt nach Augsburg zu kommen“, sagt Kratzer. Denn die Deutsche Bahn war im Gegensatz zu den Flügen nicht so pünktlich.

Direkt nach Augsburg oder München fuhren zur späten Uhrzeit keine Züge mehr, deshalb wählten sie eine Bahn nach Mannheim – wo sie aber den Anschluss nach Augsburg verpassten. Doch schließlich kamen sie gegen 2 Uhr, fast 24 Stunden nach ihrer Abreise aus dem Hotel, wieder in Gersthofen an. „Wir sind froh, dass wir die Nacht durchschlafen können. Kein Alarm, kein Aufwecken, das ist das Wichtigste überhaupt. Das Gefühl, in Sicherheit zu sein, ist sehr viel wert.“ Auch der Rest ihrer Reisegruppe konnte inzwischen wohl über Saudi-Arabien ausreisen.

  • Sina-Lara Nachtrub

    Icon Haken im Kreis gesetzt

    Icon Plus im Kreis

  • Bahrain

    Icon Haken im Kreis gesetzt

    Icon Plus im Kreis

  • Klaus Kratzer

    Icon Haken im Kreis gesetzt

    Icon Plus im Kreis