Initiative gegen hohe Mieten in Halle
Das Gemeinschaftsamt will den Ort durch eigene Initiative wieder beleben und mehr Freiraum für kulturelle Entwicklung schaffen. „Es gibt einfach viele Kulturinstitutionen, aber auch Vereine oder Leute, die in der Kreativwirtschaft arbeiten und halt Räume suchen in Halle“, so Max König bei MDR KULTUR. „Es ist klar, dass mit den Gewerbemieten, die absurderweise trotz Leerstand immer weiter nach oben gehen, das für viele Leute immer schwieriger wird.“
Max König ist selbst Mitglied in der Genossenschaft. Platz gibt es ihm zufolge in dem alten Plattenbau genug. Er spricht von Clubs, Theatern, Konzerten, Fotografen, Bands, Sportvereinen oder Workshop-Gebern, die die Räumlichkeiten künftig nutzen könnten. Die einzige Bedingung: Man muss Mitglied der Genossenschaft sein.
130 Menschen und Vereine sind bereits dabei. Mitglied wird man, indem man mindestens zwei Anteile kauft. 200 Euro kostet einer. 100.000 Euro sind so seit der Gründung der Genossenschaft im September 2025 bereits zusammengekommen.
Kauf und Erhalt des Plattenbaus sind teuer
Wie viel die ehemalige Stasi-Zentrale tatsächlich kostet, ist bisher nicht offiziell bekannt, da das Land Sachsen-Anhalt das Angebot noch nicht veröffentlicht hat. Die Genossenschaft rechnet mit einer halben bis einer Million Euro. Noch in diesem Sommer will sie das Gelände erwerben. Mit circa 300.000 Euro durch die Mitglieder, einem Kredit und einer Bürgschaft sollte es genügen, so das Gemeinschaftsamt.
Auf finanzielle Unterstützung durch die Stadt Halle kann die Bürgerinitiative aufgrund fehlender Haushaltsgelder nicht hoffen. Die Stadt begrüße jedoch das Vorhaben der Genossenschaft, wie es auf Anfrage von MDR KULTUR heißt, und biete unter anderem Beratung, Vernetzung oder auch Hinweise auf Fördermöglichkeiten an.
Ob sich bis zum Sommer genug Mitglieder finden, ist eine von vielen offenen Fragen. Kritik an dem Vorhaben wird vor allem in Kommentaren in den sozialen Medien laut: „Hat sich mal jemand überlegt, was der Unterhalt für die Ruine kosten könnte?“, „Asbest“, „Abriss ist billiger!“ steht unter den Videos vom Gemeinschaftsamt auf Instagram.
Im Außenbereich sind Scheiben eingeschlagen und Wände beschädigt. Innen sind Spuren von Vandalismus sichtbar. Hinzu kommen kaputte Decken, Parkett, das sich über dem Boden krümmt – und eine große Frage hängt in der Luft: Welche Materialien wurden hier eigentlich verbaut? Hinzu kommen die Wartung des denkmalgeschützten Gebäudes sowie die Sicherheit der Nutzenden, sobald der Bau erstmal erworben ist.
Dieser Probleme sind sich Max König und das Gemeinschaftsamt bewusst: „Wir sind eine Genossenschaft, die sehr inhomogen ist.“ Durch gut vernetzte Kulturschaffende – darunter erfahrene Projektmanager, Architektinnen, Bauingenieure – würden viele Kompetenzen im Gemeinschaftsamt zusammenkommen, betont Max König bei MDR KULTUR. Bereits jetzt setzten sich Arbeitsgemeinschaften innerhalb der Genossenschaft mit diesen Themen auseinander.
Geschichte der DDR trifft Zukunftsvision
Auch die historische Bedeutung des alten Stasi-Gebäudes, der zweitgrößten Zentrale in der DDR, ist dem Gemeinschaftsamt wichtig. Mit dem Stasi-Unterlagen-Archiv, das sich direkt gegenüber befindet, soll es eine Zusammenarbeit geben.
„Wir wissen, dieses Gebäude stellt für viele auch eine Wunde dar“, so Max König. „Wir wollen aber versuchen, durch das Projekt eben diese negative oder diese traumatische oder diese traurige Geschichte des Gebäudes zu überschreiben.“ Sie solle mit etwas Positivem, mit einer Zukunftsvision, versehen werden, sagt er. Im Idealfall würde das Projekt, so sein Wunsch, für Halle und die umliegenden Gebiete eine Perspektive bieten.
Wie Max König arbeiten die Mitglieder alle ehrenamtlich daran, dass ihre Vision Wirklichkeit wird. Schon im Sommer wollen sie die Grünflächen vor dem Plattenbau erstmals nutzen und Halle-Neustadt durch reine Bürgerinitiative um einen Kulturort bereichern.
Quelle: MDR KULTUR (Vivien Vieth), Gemeinschaftsamt, Stadt Halle
Redaktionelle Bearbeitung: bh, lm