CHIPSebastian Feurer12.03.202606:21

Die Supermarktkette Tegut steht vor dem Aus, Tausende Jobs hängen an der Entscheidung. Edeka übernimmt den Großteil der Filialen, Rewe folgt mit Abstand.

Tegut wird als eigenständiges Handelsunternehmen abgewickelt, die Marke soll nach Unternehmensangaben bis spätestens Ende des Jahres vom Markt verschwinden. Am Morgen wurden rund 7400 Beschäftigte über die Entscheidung informiert. 

Nach Informationen der „Lebensmittel Zeitung“ (LZ) hat Edeka Verträge unterzeichnet, die dem Marktführer die Mehrzahl der Standorte sichern – vorbehaltlich der Zustimmung des Bundeskartellamts.

Edeka holt Filialnetz und Logistik, Rewe greift nach zweitem Paket

Die übernommenen Märkte sollen auf die Edeka-Regionen Hessenring, Südwest, Südbayern und Nordbayern verteilt werden. Zusätzlich gehen laut Migros Zürich das neue Logistikzentrum in Michelsrombach, die Bäckerei Herzberg sowie die Tegut-Schwester Smart Retail Solutions mit ihren rund 40 autonomen Teo-Märkten an die Edeka-Zentrale in Hamburg. 

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Rewe verhandelt nach LZ-Angaben über ein deutlich kleineres Paket von voraussichtlich unter 100 Filialen, ohne zentrale Verwaltungsstrukturen übernehmen zu müssen. Parallel verhandelt die Genossenschaft mit weiteren Händler, wie „Osthessen News“ anfügt.

Edeka und Rewe übernehmen – Supermarktkette verschwindet endgültig aus Deutschland. Edeka und Rewe übernehmen – Supermarktkette verschwindet endgültig aus Deutschland. IMAGO / Marc Stinger / CHIP Migros zieht Konsequenzen aus Verlusten im deutschen Markt

Der Beschluss markiert den vollständigen Rückzug der Genossenschaft Migros Zürich aus dem deutschen Lebensmittelhandel. Bereits Ende 2023 hatte der Eigentümer ein Darlehen in dreistelliger Millionenhöhe in Eigenkapital umgewandelt und hohe Wertberichtigungen vorgenommen, 2025 folgten weitere Abschreibungen von 270 Mio. Euro. 

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Zwar konnte das Jahresergebnis durch Kostensenkungen auf einen Verlust von 27,8 Mio. Euro verbessert werden, der Umsatz ging jedoch zurück und der von der LZ beschriebene Preisdruck im deutschen Markt verschärfte die Lage eines vergleichsweise kleinen Anbieters.

Fokus auf Schweiz, Jobperspektive bei Edeka

Migros-Zürich-Chef Patrik Pörtig verweist auf ein „sehr preisgetriebenes“ und „kostenintensives“ Umfeld in Deutschland und begründet den Schritt damit, dass sich hier langfristig kein tragfähiges Geschäft aufbauen lasse. 

Zugleich betont er, man wolle „das Buch konsequent schließen“ und sich auf das Kerngeschäft in der Schweiz konzentrieren, wo der Konzern ebenfalls vor größeren Aufgaben steht. 

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Nach Angaben von Migros hat sich Edeka verpflichtet, die Belegschaften der übernommenen Filialen zu übernehmen – ein Punkt, den Pörtig und Sanierer Karl-Christian Bay mit Blick auf eine zügige und rechtssichere Umsetzung der Transaktionen hervorheben.

Migros will sich wieder mehr auf den Markt in der Schweiz konzentrieren. Migros will sich wieder mehr auf den Markt in der Schweiz konzentrieren. IMAGO / Geisser Edeka vs. Rewe: So verteilt sich das Filialnetz in Deutschland

Obwohl Rewe und Edeka gemeinsam die Spitze des deutschen Lebensmittelmarktes bilden, klafft bei der Größe der Filialnetze eine weite Lücke. Während Rewe auf etwa 3.800 Märkte kommt, betreibt Edeka mit über 11.000 Standorten fast die dreifache Menge, wie „Ladenbau“ berichtet.

Auch in den wirtschaftlichen Kernfaktoren – Umsatz und Marktanteil – behauptet Edeka konsequent seine Position vor dem Kölner Konkurrenten.